Freitag, 15. Februar 2013

Tagung und öffentl. Vortrag in Jena: "Konfessionslosigkeit heute. Zwischen Religiosität und Säkularität"

Symbolbild: Kirchweg. | Copyright: Jan-Peter Kasper/FSU 

Jena (Deutschland) - Warum heute nur noch so wenige Menschen den Weg zur Kirche finden, damit beschäftigt sich die Tagung „Konfessionslosigkeit heute. Zwischen Religiosität und Säkularität“ vom 21. bis 23. Februar 2013 an der Universität Jena.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Presseinformation der Friedrich-Schiller-Universität Jena, uni-jena.de

"Gott ist tot", hatte Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra" postuliert. Im Osten Deutschlands müsste es heute eher "Gott interessiert mich nicht" heißen. Waren 1950 noch 80 Prozent der Menschen Mitglied der evangelischen Kirche, sind es heute gerade noch 24 Prozent.

"In Ostdeutschland dient die Kirche nicht einmal mehr als Negativfolie", konstatiert Prof. Dr. Miriam Rose von der Universität Jena. Die Inhaberin des Lehrstuhls für Systematische Theologie sagt, das weitverbreitete Phänomen der Konfessionslosigkeit müsse noch weiter wissenschaftlich erforscht werden.



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Prof. Dr. Michael Wermke, Direktor des Zentrums für religionspädagogische Bildungsforschung an der Uni Jena, weist darauf hin, dass Konfessionslosigkeit kein speziell ostdeutsches Phänomen ist: "Wir haben ähnliche Zahlen in den Niederlanden oder Teilen Osteuropas." Allein als Folge der kirchenfeindlichen Politik in der DDR und im Ostblock könne die fehlende Bindung zur Kirche nicht betrachtet werden, so Wermke. Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg habe es im mitteldeutschen Raum eine große Kirchenaustrittswelle gegeben. Danach folgten die beiden deutschen Diktaturen mit ihren je kirchenkritisch bis kirchenfeindlichen Einstellungen.

Miriam Rose sagt, die fehlende Bindung an eine Kirche oder eine andere organisierte Religionsgemeinschaft sei nicht mit dem völligen Fehlen von Religiosität gleichzusetzen: "Wir beobachten eine unbestimmte Religiosität. Vor allem in Krisensituationen suchen die Menschen die Nähe zu religiösen Ritualen – ohne dadurch ihre Einstellung zur Religion zu ändern." Diese Erkenntnis könne bedeuten, dass die Kirche neue Angebote unterbreiten muss, neue Wege beschreiten.

Gemeinsam laden Prof. Rose und Prof. Wermke vom 21. bis 23. Februar 2013 zur Tagung "Konfessionslosigkeit heute. Zwischen Religiosität und Säkularität" ein. Die Theologen von der Universität Jena wollen die Ursachen und Erscheinungsformen der Konfessionslosigkeit ausloten, ohne dabei an Missionierung zu denken. Bisherige Forschungskonzepte wie "vagierende Religiosität oder Religionsaffinität" sollen weiter entwickelt und spezifiziert werden. "Vielleicht erleben wir einen tiefgreifenden Wandel der Religion?", fragen die Theologen. Trage doch beispielsweise die Hingabe von Fußballfans an ihren Verein oft quasi-religiöse Züge. Bis dahin, dass manche Fußballvereine ihren Fans eigene Grabstätten anbieten.

Während der Jenaer Tagung kommen systematische Theologen mit Religionspädagogen ins Gespräch - eine Kooperation, die nicht selbstverständlich ist, wie Miriam Rose sagt. Da der Gestaltwandel von Religion kein rein deutsches Phänomen ist, sind Theologen und Religionssoziologen aus mehreren europäischen Ländern eingeladen.

Obwohl das Phänomen der Konfessionslosigkeit vorwiegend die evangelische Kirche betrifft, wird in die Tagung auch eine katholische Perspektive einbezogen. Der Erfurter Theologe Prof. Dr. Eberhard Tiefensee spricht am 22. Februar ab 19 Uhr in den Rosensälen der Universität (Fürstengraben 27) über "Der 'selbstgenügsame Humanismus' zwischen Naturalismus und Christentum: Ein Positionierungsversuch im Kontext der Konfessionslosigkeit". Dieser Vortrag ist als öffentlicher Abendvortrag vorgesehen, Gäste sind herzlich willkommen. Der Eintritt ist frei.

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Quelle: uni-jena.de
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