Mittwoch, 20. Februar 2013

Zum Tode Otfried Preußlers: "Ein bisschen Weißmagier bin ich schon"


Otfried Preußler, 1923-2013.
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München/ Deutschland -
Der große Geschichtenerzähler der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur, Otfried Preußler, ist tot. Er verstarb am 18. Februar in Prien am Chiemsee. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir eine aktualisierte Version einer Meldung von 2008, die sich mit der von Preussler selbst bestätigten eigenen magische Vergangenheit und dem festen Glauben des Autors an das Übersinnlich-Magische beschäftige, für die er umgehend Kritik erntete.

- Die Originalversion dieser Meldung erschien vor dem Hintergrund der Premiere der Kinoverfilmung von Preusslers "Krabbat" am 2. Dezember 2008

Bibeltreuen Christen und selbsternannten Aufklärern sind Bücher, wie sie den meisten anderen Lesern aus Kindheit- und Jugend bekannt und liebgeworden sind, schon länger ein Dorn im Auge. Schon alleine die Titel der Bücher von Otfried Preußler lassen vermeintlich Düsteres erahnen: "Der kleine Wassermann", "Die kleine Hexe", "Das keine Gespenst", "Das Märchen vom Einhorn", "Hörbe (Hutzelmann) mit dem großen Hut", "Dreizehn Geschichten von Hexen und Zaubermeistern" oder die ebenfalls "Dreizehn Geschichten von armen Seelen und mancherlei Geisterspuk". Kurz: In Preusslers Büchern wimmelt es nur so von mystischen Wesen, übersinnlichen Helden und Zauberkraft. Selbst in der auf den ersten Blick diesbezüglich harmlos erscheinenden Kasperle-Adaption "Räuber Hotzenplotz" dreht sich so einiges um Magie und Zauberkunst. Stimmt, denkt sich die Mehrheit, freut sich daran und schwelgt in Erinnerungen an vergangene Kindertage und denkt sich nichts Böses dabei.

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Den Grund für den Hang zum Mystischen offenbarte der vielfach ausgezeichnete Kinderbuchautor 2008 in einem Focus-Interview:
"Ja, eine meiner Großmütter hatte das so genannte zweite Gesicht, und unter meinen Vorfahren in Böhmen hat es zwei Zauberer gegeben. Ich bin ja fest davon überzeugt, dass es eine schwarze Magie gibt, mit der man Menschen schadet, und auf der anderen Seite die weiße Magie. Das ist ein uralter Begriff, der schon in der Kabbala auftaucht. Auch für die weiße Magie muss man ein Bündnis mit dem Teufel eingehen, anders geht es nun mal nicht. Aber man bewirkt Gutes, das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Und ich glaube (lacht verschmitzt), ein bisschen Weißmagier bin ich schon. Das sage ich übrigens ohne Koketterie. Ich halte es nicht für einen Zufall, dass dieser Film zu diesem Zeitpunkt (fast pünktlich zum 85. Geburtstag Preußlers) kommt. Da hat sich schon so manches konstelliert um diesen 'Krabat' herum."
Derartig "abergläubische Inhalte" stoßen jedoch nicht nur auf Lesefreude, sondern auch auf Kritik gleich zweier Lager, die sich sonst eigentliche ebenfalls - um es mit einem Ausdruck, wie er von Preußler selbst stammen könnte, zu sagen - "wie spinnefeind" gegenüberstehen. Während bibeltreue Christen in derartigen Inhalten unheilige Tendenzen sehen und fordern, entsprechende Literatur aus Kindergärten und Schulen zu verbannen, bekommen sie unerwartet Schützenhilfe von selbsternannten Logik-Aufklärern. Hier sucht man in den Inhalten nach einer Gefahr für den Geist der Aufklärung, der Logik und der Wissenschaft.

So geht etwa der englische Atheist und Aufklärungs-Aktivist Richard Dawkins weit über die Anklage moderner Autoren wie Preußler und J. K. Rowling (Harry Potter) hinaus und will selbst die vorab postulierten negativen Auswirkungen klassischer Märchen "wissenschaftlich" überprüfen (...wir berichteten): "Wenn ich auf meine eigene Kindheit zurückblicke, erinnere ich mich an all die Geschichten über Frösche, die sich in Prinzen verwandeln. Ich weiß noch nicht, ob diese eine heimtückische Auswirkung auf die Rationalitätswahrnehmung haben oder nicht."

An englischen, US-amerikanischen und neuseeländischen Schulen wurde das Lesen von Harry-Potter-Büchern sogar schon verboten: Überaus gefährlich sei die unkritische Darstellung der Magie, unverantwortlich die Realitätsferne der Potter-Bestseller; wehrlose Kinder könnten so negativ beeinflusst werden. Joanne K. Rowlings Bücher etwa, so Kritiker, zelebrierten längst überwundene Mystik und mittelalterlichen Geisterglauben.

Diesen Interpretationen widerspricht indes das Ergebnis einer Studie, selbst des katholischen Saint Joseph College im US-Bundesstaat Connecticut (...wir berichteten). Entgegen immer wieder geäußerter Befürchtungen von Kirchenvertretern, die Romane um den Zauberlehrling Harry Potter würden Kinder und Jugendliche zu Aberglauben oder gar Okkultismus verleiten, kam die Untersuchung aus dem Jahr 2007 zu dem Schluss, dass die Potter-Bücher hingegen sogar positive Botschaften vermittele. In den Büchern von J. K. Rowling gehe es um moralische Werte wie Mut und Freundschaft, erklärt die an der Studie beteiligte Psychologin Dr. Mary Whitney im "Journal of Research in Character Education". Ähnliches dürfte auch für Preußlers Helden gelten.

Eine Auswertung spezifischer Fragestellungen über Magie und Okkultismus nach der Potter-Lektüre hatten sowohl bei Kindern, Jugendlichen wie auch bei Erwachsenen kein gesteigertes Interesse oder gar Wissen an diesen Themen aufgezeigt. Selbst Kinder bibeltreuer Christen hätten nach dem Lesen keine derartigen Anzeichen aufgezeigt. Stattdessen blieben vielmehr die Kernaussagen über die Wichtigkeit von Freundschaft, Mut und der Wert gesellschaftlicher Regeln bei den Lesern hängen, so die Studie.

- Einen Nachruf auf Otfried Preussler seines Verlages finden Sie HIER


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Quellen: focus.de, thienemann.de
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