Sonntag, 31. März 2013

Erstmals Skelett eines Mensch-Neandertaler-Hybriden identifiziert


Ansichten der Fragmente des sog. Mezzen-Kiefers.
| Copyright/Quelle: S. Condemi et al. / plosone.org 


Marseille (Frankreich) - Anhand eines schon 1957 in Norditalien gefundenen Unterkiefers glauben Anthropologen nun, den ersten direkten Beweis für die erfolgreiche Vermischung zwischen Menschen und Neandertalern führen zu können.

Wie die Forscher um Silvana Condemi von der Aix-Marseille Université aktuell im Fachjournal "PLoS ONE" berichten, stammt der Unterkieferknochen von einer Person, die vor 40.000 bis 30.000 Jahren in Riparo di Mezzena in der Region Monti Lessini lebte.


Frühere Untersuchungen anhand von DNA-Analysen und Genom-Sequenzierungen konnten zwar bereits nachweisen, dass die DNA europäischer und asiatischer Menschen zwischen ein und vier Prozent Neandertaler-DNA beinhaltet (...wir berichteten), dennoch sind diese Ergebnisse bis heute Inhalt kontroverser Diskussionen rund um die Frage, ob sich Homo sapiens und Homo neanderthalensis erfolgreich vermischt haben (...wir berichten).


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In ihrer Untersuchung des Fundes belegen die Forscher ihre Interpretation. "Anhand der Morphologie dieses Unterkiefers, glauben wir sagen zu können, dass diese Person sowohl physische Merkmale von Neandertalern mit einem deutlich fliehenden Kinn und modernen Menschen mit meist ausgeprägter Kinnpartie aufzeigte."


Die anhand des Fundes durchgeführte DNA-Analyse sowie der 3D-Abbildung und -Rekonstruktion verglichen die Wissenschaftler mit denen der gleichen Merkmale des Homo sapiens, also moderner Menschen.


Aus der Genanalyse geht hervor, dass die mitochondriale DNA die eines Neandertalers ist. Da diese "mDNA" nur von der Mutter an ihre Kinder weitergegeben wird, lässt sich aus diesem Umstand schlussfolgern, dass sich hier ein weiblicher Neandertaler mit einem männlichen Homo sapiens vermischt hatte.


Anhand von Funden aus Regionen, u.a. auch aus Riparo di Mezzena, in denen mehrere Tausend Jahre Neandertalern als auch modernen Menschen lebten, schlussfolgern die Forscher weiterhin, dass zwar offenbar eine sexuelle Vermischung der beiden Menschenarten stattgefunden hatte, dass aber zumindest die Neandertaler weiterhin fasst ausschließlich an ihrer eigenen Kultur festhielten.


Für die Forscher ist diese Beobachtung von besonderem Interesse, belege sie doch, dass sich die beiden Populationen zwar getroffen und hier und da sogar erfolgreich gepaart, sich jedoch nicht zu einer gemeinsamen neuen Gruppe vermischt hatten.



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Der Kieferfund belegt für die Forscher sodann, dass es zu einer langsamen Verdrängung der Neandertaler kam, die durch die sich zusehends ausbreitenden modernen Menschen nach und nach ersetzt wurden. Vor diesem Hintergrund erläuterte Condemi gegenüber "discovery.com“, dass es sich bei dem Menschen, dessen Unterkiefer Inhalt der Untersuchungen war, wohl eher nicht um das Produkt einer „Liebesbeziehung“ zwischen Neandertalerin und modernem Menschen handelt. Vielmehr sei wahrscheinlich, dass die Neandertalerin - möglicherweise in Rahmen einer frühen Form von ethnischer Säuberung - von Homo sapiens vergewaltigt wurde.

- Den Originalartikel finden Sie HIER


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Quellen: plosone.org / news.discovery.com
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