Dienstag, 12. März 2013

Genetiker dementiert: "Keine unbekannte Lebensform im Wostoksee entdeckt"


Schematische Darstellung der Bohrung zum Wostoksee von 2011.
| Copyright: Nicolle Rager-Fuller / US National Science Foundation 


St. Petersburg (Russland) - Verwirrende Neuigkeiten aus Russland: Während sich noch vor wenigen Tagen Sergej Bulat vom Nuklearphysikalischen Institut in St. Petersburg mit der Behauptung zitieren ließ, man habe im seit mindestens 500.000 Jahren von der Außenwelt isolierten subglazialen antarktischen Wostoksee, bislang gänzlich unbekannte Mikroorganismen gefunden (...wir berichteten), dementiert ein Genetiker und Kollege nun diese Aussage und erklärt, es handele sich wohl doch nur um Mikroben, die als Verunreinigungen in das Bohrloch gelangt seien.

Wie russische Medien unter Berufung auf die Nachrichtenagentur "Interfax" berichten, hatte gestern Wladimir Korolew vom The Konstantinov St. Petersburg Nuclear Research Institute erklärt, man habe entgegen Bulats Behauptung, außer Kontaminationen keinerlei Lebensformen in den bisherigen Wasserproben entdeckt.


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"Wir haben einige, wenn auch nicht viele Arten gefunden, bei denen es sich jedoch allesamt um Mikroorganismen aus dem Bohrloch bzw. der Bohrflüssigkeit gehandelt hatte. Es gab lediglich einen Bakterienstamm, den wir nicht in der kerosinhaltigen Bohrflüssigkeit selbst finden konnten. Doch dieses Bakterium nutze ebenfalls Kerosin als Energiequelle, weswegen es sich wohl auch um eine Verunreinigung handelt. Aus diesem Grund können wir nicht behaupten, bislang unbekannte Bakterien gefunden zu haben.", so Korelew.


Zur Methode erklärte der Forscher weiter, dass die derzeitig ausgewerteten Proben dafür bekannt seien, noch Verunreinigungen mit der Bohrflüssigkeit zu enthalten. Für aussagekräftige Resultate müsse man die Untersuchungen der Reinwasserproben abwarten. Diese würden erst im kommenden Jahr mit speziellen Sonden entnommen.


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Erst im vergangenen Oktober hatten die Wissenschaftler um Bulat noch erklärt, dass sich in den Wasserproben aus den oberen Schichten des Wostok keinerlei Hinweise auf dort vorhandene Lebensformen gefunden hätten (...wir berichteten). Doch schon damals zeigten sich die Forscher zuversichtlich, in tieferen Schichten und am Grund des Sees auf Lebensformen zu stoßen, die sich seit Urzeiten nicht mehr oder auf eine ganz eigene, der Wissenschaft gänzlich unbekannte Art und Weise weiterentwickelt haben. Von entsprechenden Entdeckungen erhoffen sich die Forscher auch Einblicke in mögliches Leben in den ebenfalls von Eispanzern abgeschirmten Ozeanen einiger Monde um Jupiter und Saturn.

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Quelle: rbth.ru, INTERFAX
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