
Schematische Darstellung der Bohrung zum Wostoksee von 2011. | Copyright: Nicolle Rager-Fuller / US National Science Foundation
St. Petersburg (Russland) - Nachdem es russischen Wissenschaftlern vor einem Jahr gelungen war, den seit mindestens 500.000 Jahren durch eine kilometerdicke Eisschicht von der Außenwelt isolierten subglazialen antarktischen Wostoksee anzubohren und Wasserproben daraus zu entnehmen, standen bislang Analysen der Proben aus den Tiefen des Sees noch aus. Jetzt haben die Forscher bekanntgegeben, man habe in dem See eine bislang unbekannte Lebensform entdeckt.
Wie die Nachrichtenagentur "RIA Novosti" (ria.ru) am gestrigen Donnerstag meldete, habe Sergey Bulat vom Nuklearphysikalischen Institut in St. Petersburg erklärt, man habe sämtliche Möglichkeiten der Kontamination von der Oberfläche ausschließen können, und in einer probe von Wasser, das an der Bohrkrone nach deren Eindringen in den subglazialen See angefroren war, bakterielle DNA gefunden, die sich mit keiner bekannten Gensequenz decke.
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"Wenn wir diese Bakterien auf dem Mars gefunden hätten, so würden wir ohne Zweifel sagen, dass es auf dem Mars Leben gibt. Doch diese DNA stammt von der Erde", so Bulat und erklärt weiter: "Wir bezeichnen diese Lebensform als unidentifiziert und unklassifiziert." Laut dem Wissenschaftler sei die Ähnlichkeit zu bekannten Genomen geringer als 86 Prozent. Ab einem Wert von 90 Prozent sprechen Genetiker in der Regel von einem neuen, bzw. unbekannten Organismus.
Erst im vergangenen Oktober hatten die Wissenschaftler um Bulat noch erklärt, dass sich in den Wasserproben aus den oberen Schichten des Wostok keinerlei Hinweise auf dort vorhandene Lebensformen gefunden hätten (...wir berichteten). Doch schon damals zeigten sich die Forscher zuversichtlich, in tieferen Schichten und am Grund des Sees auf Lebensformen zu stoßen, die sich seit Urzeiten nicht mehr oder auf eine ganz eigene, der Wissenschaft gänzlich unbekannte Art und Weise weiterentwickelt haben. Von entsprechenden Entdeckungen erhoffen sich die Forscher auch Einblicke in mögliches Leben in den ebenfalls von Eispanzern abgeschirmten Ozeanen einiger Monde um Jupiter und Saturn.

Im kommenden Mai, so Bulat abschließend, sollen weitere eingefrorene Reinwasserproben aus der Antarktis nach Russland gebracht werden. "Sollten aus diesem Reinwasser Organismen des gleichen Typs gewonnen werden, kann mit Sicherheit gesagt werden, dass wir eine neue, in keiner Datenbank erfasste Lebensform auf der Erde entdeckt haben", so der Wissenschaftler gegenüber RIA.

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Quelle: ria.ru