Montag, 25. März 2013

US-Oberst und Militärexperte warnt vor dem Einsatz von Kriegsrobotern und -Drohnen


Titel des aktuellen Essays "The Rise of the Machines - Why Increasingly 'Perfect' Weapons Help Perpetuate our Wars and Endanger Our Nation". | Copyright: Military Review, usacac.army.mil 


Fort Leavenworth (USA) - In einem ebenso aktuellen wie engagierten Essay warnt der US-Armeeoberst Lieutenant Colonel Douglas A. Pryer vor dem zunehmenden Einsatz von derzeit noch ferngelenkten Kriegsrobotern im Einsatz gegen Kriegsgegner und "Terroristen" und ausdrücklich vor deren fortschreitender Entmenschlichung. Diese Entwicklung führe nicht nur zum Anstieg der Feindseligkeit gegenüber den USA und ihrer Truppen im Ausland sondern stelle schon jetzt eine Bedrohung für Menschheit allgemein und nicht zuletzt auch der USA im Innern dar.

Pryer selbst ist Geheimdienstoffizier und hat in verschiedenen US-Kommandoeinheiten im Irak, dem Kosovo, Deutschland, in den USA selbst, Großbritannien und zuletzt in Afghanistan gedient und wurde zudem für seine Schriftstellerische Tätigkeit mehrfach ausgezeichnet.


Sein aktuelles Essay trägt den Titel "The Rise of the Machines – Why Increasingly 'Perfect' Weapons Help Perpetuate our Wars and Endanger Our Nation" (Der Aufstand der Maschinen - Warum immer 'perfektere' Waffen dazu beitragen, unsere Kriege immer weiter fortzuführen und unsere Nation gefährden") und wurde in der aktuellen Ausgabe (März-April 2013) der "Military Review", der Zeitschrift des "U.S. Army Combined Arms Center" (USACAC) veröffentlicht.


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Pryer selbst gehörte zu den Kommandierenden einer US-Aufklärungseinheit in Bagdad, die 2004 als erste mit den damals noch nicht waffentragenden und in ihrem Einsatzradius stark eingeschränkten unbemannten Aufklärungsdrohnen vom Typ "Raven" ausgestattet wurde. Schon damals habe er neben den Vorteilen, die diese Form der unbemannten Aufklärung für die eigenen Truppen zweifelsfrei mit sich bringt auch die Gefahren gesehen, die mit der Entwicklung dieser Technologie einhergehen.


In seinem Artikel berichtet der Armeeoberst, wie die zunehmende Bewaffnung dieser Systeme dann tatsächlich neben den auf den ersten Blick für die eigenen Truppen - da das Risiko für die eigenen Soldaten drastisch reduzierende – positiv erscheinende Wirkung, sich im Endeffekt gegen die Sicherheit der Truppen vor Ort und sogar gegen die Sicherheit der USA selbst richtete - als deutlich wurde, dass zum einen auch diese Systeme nicht ohne sogenannte "Kollateralschäden", also ungewollte zivile Opfer agieren können und zum anderen im Resultat zu einem Anstieg der Feindseligkeit und der Hassgefühle gegenüber den USA und dadurch zu einer Zunahme von Selbstmordanschlägen gegen ihre Vertreter und verstärkter Radikalisierung führte.



US-Drohne vom Typ "Predator" im Einsatz über Afghanistan.
| Copyright: Public Domain, U.S. Air Force



"Die Vorstellung, dass ein ferngelenkter Krieg die USA und ihr Dienstpersonal sicherer macht", bezeichnet Pryer als kurzsichtig: "Wieviele Menschen wurden durch Selbstmordanschläge getötet, die durch den Hass auf Amerika in Folge von derartigen transnationalen Drohneneinsätze befeuert wurden? Es ist durchaus begründet anzunehmen, dass diese Anzahl die der durch diese US-Drohneneinsätze direkt getöteten Zivilisten übersteigt." Ebenso sei die Annahme begründet, dass eine bedeutende Anzahl von Amerikanern selbst in Folge der Wut über solche Angriffe getötet worden seien. "Wenn wir die Langzeitauswirkungen berücksichtigen, so ist die klare Schlussfolgerung die, dass der auf diese Weise genutzte Einsatz bewaffneter Roboter amerikanische Leben kostet und Amerika (USA) selbst unsicherer macht."

Neben einer ebenso ausführlichen wie lesenswerten Betrachtung und Analyse moralischer und juristischer Fragestellungen kommt Pryer abschließend zu einem ebenso ausführlichen Plädoyer für mehr Menschlichkeit und der fast schon prophetischen Warnung vor einem Aufstand der Maschinen nach dem leider visionär gewordenen Vorbild von Hollywood-Filmen wie "Terminator".



War Games: Drohnen-Kontrollstation am Boden.
| Copyright: Public Domain, United States Department of Homeland Security


Die sich aus dieser Entwicklung ergebende Gefahr gehe jedoch nicht nur von den derzeit auf diesem Gebiet noch führenden USA aus. Schließlich stelle das fortschreitende Aufstreben anderer Staaten, beispielsweise Chinas und Russlands gerade auch auf technologischem und kriegstechnischem Sektor auch eine Gefahr für die USA selbst dar, wenn es immer eine Frage der Definition - etwa des Begriffs "Terrorist" - sei, von wem, wo und gegen wen solche Kriegsroboter zum Einsatz gebracht werden und es diesen Einsatz zu rechtfertigen gilt.



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Abschließend schreibt Pryer: "Was wird notwendig sein, damit einige Amerikaner aufwachen und verstehen, welch einen verstörenden Präzedenzfall mit dem heutigen Einsatz transnationaler Drohneneinsätze schafft? Oder ist es für dieses Aufwachen bereits zu spät? Sind sie wie schlafende Passagiere der Titanic, die nicht merken, dass ihr Schiff zu schnell fährt, um dem gewaltigen Eisberg noch auszuweichen (...)? Tragischerweise scheint es im derzeitigen politischen Klima, das immer noch mehr von Leidenschaften statt von Moral regiert wird, den Lärm des Zusammenstoßes (mit dem Eisberg) zu benötigen, um diese Amerikaner aufzuwecken. Der Klang dieses Zusammenstoß (...) wird dann aber nicht mehr der Klang von Eis sein, dass über den Stahl der Titanic kratzt, sondern wahrscheinlich ein leises Summen in Amerikas eigenen Himmeln, das von stoßweise ausgeführten Explosionen unterbrochen wird, wenn feindliche bewaffnete Drohnen Amerikanische Führer und Soldaten jagen. Dann aber wird es für uns Amerikaner zu spät sein, dieses Schicksal noch abzuwenden."


- Den vollständigen Artikel im Original können sie HIER als PDF herunterladen


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