Samstag, 16. März 2013

Vertrag über Mission "ExoMars" - Europa und Russland suchen 2016 und 2018 gemeinsam Leben auf dem Mars


Künstlerische Darstellung des ExoMars-Rovers (Illu.).
| Copyright: ESA 


Paris (Frankreich) - Gemeinsam mit der russischen föderalen Raumfahrtagentur Roskosmos hat die Europäische Weltraumorganisation ESA eine förmliche Vereinbarung zur Zusammenarbeit beim Programm "ExoMars" unterzeichnet, innerhalb dessen zwei Missionen, die eine 2016, die andere 2018, zum Roten Planeten aufbrechen und dort nach Spuren einstigen oder sogar heute noch vorhandenem Leben suchen sollen.

Für die Raumfahrtorganisationen gehört die Frage, ob auf dem Mars jemals Leben existiert hat, zu den "großen wissenschaftlichen Unterfangen unserer Zeit", weswegen auch die wissenschaftlichen Zielsetzungen von ExoMars ganz im Zeichen dieser Fragestellung stehen sollen.


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"Beide Partner haben sich auf eine ausgeglichene Verteilung ihrer Verantwortlichkeiten für die verschiedenen Bestandteile der Missionen geeinigt, erläutert die ESA-Pressemitteilung." Die ESA wird für die Mission 2016 den Spurengasorbiter (TGO) und das Eintritts-, Abstiegs- und Landedemonstrationsmodul (EDM) und für die Mission 2018 den Modulträger und den Rover bereitstellen, während Roskosmos bei der Mission 2018 für das Abstiegsmodul und die Oberflächenplattform verantwortlich zeichnet und außerdem für beide Missionen die Trägerraketen zur Verfügung stellen wird. Darüber hinaus werden beide Partner wissenschaftliche Instrumente entwickeln und eng bei der wissenschaftlichen Auswertung der Missionen zusammenarbeiten.


Mit den ExoMars-Missionen sollen zugleich auch wichtige, von europäischen Unternehmen entwickelte Technologien in der Praxis erprobt, wie etwa für die Landung, den Roverbetrieb, Bohrungen und die Entnahme von Proben, die einen wichtigen Schritt hin zur nächsten großen Etappe in der robotischen Exploration des Mars darstellen - die Rückführung von Bodenproben zur Erde.



Künstlerische Darstellung des Spurengasorbiters der ExoMars-Mission (Illu.). | Copyright: ESA

Zunächst soll 2016 die Mission aus zwei von der ESA bereitzustellenden Komponenten, dem TGO und dem EDM, zusammen. "Der TGO wird nach Spuren von Methan und anderen atmosphärischen Gasen suchen, die Rückschlüsse auf aktive biologische oder geologische Prozesse ermöglichen könnten. Der Orbiter wird außerdem als Datenrelais für die Mission 2018 eingesetzt. Das EDM soll auf dem Mars aufsetzen, um die Funktionsfähigkeit von Schlüsseltechnologien für die Mission 2018 unter Beweis zu stellen."


Der von der ESA zu liefernde ExoMars-Rover der Mission soll dann nach dem Start 2018 die Planetenoberfläche nach Spuren von gegenwärtigem oder früherem Leben abtasten. Als erster Mars-Rover kann er Bohrungen von bis zu zwei Metern Tiefe und die Entnahme von Proben ausführen, die von den extremen Bedingungen der Oberfläche abgeschirmt werden, deren Strahlung und oxidierende Substanzen organische Verbindungen leicht zerstören können. Dieser Rover wird mit einem russischen Abstiegsmodul ausgesetzt, das auch eine Oberflächenplattform mit weiteren wissenschaftlichen Instrumenten umfasst.


"Für ExoMars ist dies ein bedeutsamer Tag. Nun werden europäische und russische Unternehmen und Wissenschaftler zusammenarbeiten, um diese beiden außergewöhnlichen Missionen auf den Weg zu bringen, die nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie vor Augen führen werden, sondern auch einen wichtigen Schritt zur Vorbereitung einer signifikanten Teilnahme der ESA an künftigen internationalen Explorationsmissionen darstellen, und um neue Antworten auf die zentrale Frage zu finden, ob es jemals Leben auf dem Mars gegeben hat“, so ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain.


"Bis hierhin war es ein langer Weg und wir haben bereits viel gemeinsam geleistet. ExoMars wird vom Umfang her nach dem Programm für die Sojus-Startanlagen in Kourou an zweiter Stelle stehen. Es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Vorhaben von so riesigem Ausmaß im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit bewerkstelligt werden müssen. Die wissenschaftlichen Daten, die wir von den geplanten Missionen erwarten, werden für die ganze Welt von Bedeutung sein", erklärte Roskosmos-Leiter Popowkin.




Die Unterzeichnung der ExoMars-Verträge durch den ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain und Roscosmos-Chef Vladimir Popovkin am 14. März 2013 in Paris. | Copyright: ESA

Während ESA und Roskosmos Führung der beiden Mission übernehmen, wird aber auch die NASA wichtige Beiträge zu ExoMars leisten, nämlich das Electra-UHF-Funkpaket für den TGO, Unterstützung bei der Telekommunikationsverbindung in der Nähe des Mars sowie technische Unterstützung beim EDM.


Finanziert wird ExoMars von 13 ESA-Mitgliedstaaten (Österreich, Belgien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien, Schweden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich) sowie von Kanada. Dabei ist Italien größter und das Vereinigte Königreich zweitgrößter Beitragszahler. Die Mitgliedstaaten stellen ferner wissenschaftliche Instrumente für ExoMars zur Verfügung. Für den TGO der Mission 2016, die schon im Januar starten soll, sind dies das von Belgien zu liefernde Infrarot- und Ultraviolett-Spektrometerpaket NOMAD und die hochauflösende Schweizer Farbstereokamera CaSSIS. Italien wiederum leitet die Entwicklung der DREAMS-Messstation für das EDM zur Untersuchung der Umgebungsbedingungen.



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Der Rover der Mission 2018 wird unter anderem über die britische sogenannte "PanCam" verfügen, einem hochauflösenden Weitwinkelkamerasystem. Für Nahaufnahmen steht die Schweizer CLUPI-Kamera zur Verfügung. Das französische WISDOM-Radar wird für Bodensondierungen zuständig sein und der von Italien zu liefernde Bohrer "Ma_MISS" umfasst ein für Bodenuntersuchungen integriertes miniaturisiertes Infrarot-Spektrometer. Ebenfalls auch Frankreich stammt "MicrOmega", ein abbildendes Spektrometer für sichtbares und Infrarotlicht während das spanische "RLS", ein Raman-Spektrometer darstellt. Deutschland und die USA liefern mit MOMA, einen neuartigen Detektor für organische Moleküle.


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Quelle: ESA
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