Mittwoch, 6. März 2013

Wolfs-Studie klärt auf: Rotkäppchen lügt!


Archiv: Wolf.
| Copyright: Bernard Landgraf, GFDL/CC-BY-SA-3.0 via Wikimedia Common 


Görlitz (Deutschland) - Schenkt man Märchen und Legenden Glauben, so sind es neben Zicklein und wehrlosen Großmüttern auch und besonders rotkäppige kleine Kinder, die ganz oben auf der Speisekarte des gemeinen Wolfs stehen. Obwohl Jahrhunderte vergangen sind, hält sich die Mär vom zähnefletschenden, kinderfressenden Wolf immer noch hartnäckig und die Angst vor'm Wolf geht um. Forscher räumen nun mit den Gerüchten auf. Denn: Menschen stehen definitiv nicht auf dessen Speisekarte. Viel lieber mag Canis lupus Wildtiere, die sich mit ihm den Lebensraum Wald teilen - ganz selten auch mal Nutztiere, doch nur, wenn diese nicht ausreichend geschützt sind.

Die Hinweise auf die genaue Zusammenstellung der Speisekarte des Wolfes liefert das Senckenberg-Forschungsinstitut in Görlitz, dessen Forscher zehn Jahre lang insgesamt 2.000 Kotproben von Wölfen aus der sächsisch-brandenburgischen Lausitz analysiert haben.

Anhand der unverdauten Hinterlassenschaften wie Haare, Knochen, Hufe oder Zähne der Beutetiere, können die Forscher nun ein genaues Bild von der Ernährung der Wölfe zeichnen.


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Demnach stellen wilde Huftiere mehr als 96 Prozent der Beutetiere des Wolfs. Dabei dominieren Rehe (52,2 Prozent), gefolgt von Rothirsch (24,7 Prozent) und Wildschweinen (16,3 Prozent). Einen geringen Anteil machen Hasen mit knapp drei Prozent aus. Nutztiere hingegen, wie zum Beispiel Schafe, stehen nur sehr selten auf der Speisekarte. Weniger als ein Prozent macht ihr Anteil aus. "Solange Schafe gut geschützt sind, meiden Wölfe die Gefahr, mit Elektrozäunen oder Herdenschutzhunden in Kontakt zu kommen", erläutert der Wolfsexperte des Naturschutzbundes "NABU", Markus Bathen. Dabei reiche schon ein Zaum von 90 Zentimetern Höhe schonvollkommen aus, um entsprechende Herden gut zu schätzen.


Der Speiseplan von Wölfen in Deutschland und Mitteleuropa. (Klicken Sie auf die Bildmitte, um zu einer vergrößerten Darstellung u gelangen.)
| Copyright: nabu.de

Laut Bathen hat sich in den zwölf Jahren, in denen sich Menschen und Wölfe in Deutschland wieder den Lebensraum teilen, "kein einziger Wolf Menschen auf aggressive Art und Weise genähert". Generell seien Wölfe sehr zurückhaltend und gingen dem Menschen aus dem Wege. Junge Wölfe hingegen sind da schon unbedarfter und ziehen sich erst etwas später zurück.

Sollte man trotzdem einem Wolf im Wald begegnen, hat Wolfsexperte Bathen einige Tipps für das korrekte Verhalten: "Begegnet man einem Wolf, sollte man keinesfalls weglaufen, sondern stehen bleiben und beobachten. Wer sich unwohl fühlt, kann einen Wolf leicht vertreiben, indem er ihn laut anspricht, in die Hände klatscht oder mit den Armen winkt. Und vor allem sollte man nicht versuchen, ihn anzufassen oder zu füttern.“ Hunde sollten in bekannten Wolfsgebieten möglichst nah am Mensch bleiben, denn ein frei laufender Hund kann vom Wolf als Reviereindringling angesehen und vertrieben werden. Ist der Hund jedoch nah beim Menschen, überträgt sich der von ihm ausgehende Schutz automatisch auf den Hund.


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