Samstag, 6. April 2013

Archäologen finden antikes Tor zur Hölle


Anblick des heutigen Zustands des Plutonions von Hierapolis.
| Copyright: Francesco D'Andria 


Hierapolis (Türkei) - Auf dem Gelände der antiken griechischen Stadt Hierapolis im Südwesten der heutigen Türkei haben italienische Archäologen den weltlichen Eingang in das Höllenreich des griechisch-römischen Totengottes Pluton entdeckt.

Wie die Forscher um Francesco D'Andria von der Università del Salento, der vor rund zwei Jahren erklärte, das Grab des heiligen Philip und damit eines der Apostel Jesu gefunden zu haben, auf einer Konferenz in Istanbul berichteten, habe man in den heutigen Ruinen der 190 v. Chr. gegründeten Stadt das schon in der antike beschriebene Heiligtum des Gottes der Totenwelt, das sog. Plutonion, gefunden.


"Entdeckt wurde das Plutonion während unserer Rekonstruktion eines einstigen Verlaufs einer heißen Quelle", so D'Andria gegenüber "Discovery News" (discovery.com), für die die antike Stadt bekannt war und die zugleich die Quelle der nahe gelegenen weltberühmten Salzterrassen von Pamukkale sind.


 www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Charakteristisch auch für das hiesige Plutonion ist der Eingang zu einer Höhle. Zahlreiche Säulen und Mauertrümmer belegen, dass dieser Eingang einst architektonisch eingefasst und umbaut war und eine Steininschrift schreibt die Anlage denn auch den Gottheiten der Unterwelt Pluton und Kore (Persephone) zu.

Rekonstruieren konnten die Archäologen zudem einen einstigen kleinen runden Säulentempel und ein Wasserbecken sowie Treppenstufen oberhalb des Höhleneingangs. Alles in allem entspreche dieser Ort ziemlich genau den antiken Beschreibungen des Plutonion von Hierapolis, das u.a. gegen 24 v. Chr. von den griechischen Geografen Strabon beschrieben wurde.



Digitale Rekonstruktion des Plutonions von Hierapolis vor dem Hintergrund der heutigen Ruinenstadt.
| Copyright: Francesco D'Andria


Über die Eigenschaften dieses Plutonions schrieb der antike Gelehrte darüber hinaus, dass dieser von giftigen Dämpfen erfüllt sei, die alles tierische Leben unmittelbar töteten, das in sein Inneres gerate. Er selbst habe Spatzen in das Plutonion geworfen, die unmittelbar darauf tatsächlich ihren letzten Atemzug getan hätten.


"Von den Stufen aus, konnten die Menschen wahrscheinlich die Rituale von Priestern und Priesterinnen vor dem Höhleneingang beobachten", erläutert der Archäologe. Zudem fänden sich Hinweise darauf, dass den einstigen Besuchern und Pilgern des Plutonions tatsächlich Vögel gereicht wurden, um den Effekt des "Hölleneingangs" zu belegen. Die Priester selbst, so vermuten die Archäologen, dürften durch die giftigen Dämpfe aus der Höhle stets unter einer Rauschzustand gestanden haben und hätten hier Pluton unter anderem Stiere geopfert, in dem die Tiere in noch lebendig die Höhle geführt und kurze Zeit später tot herausgezogen wurden. Noch heute, so berichtet D'Andria weiter, könne man den tödlichen Effekt der Kohlendioxid-Abgasungen beobachten. Selbst während der Ausgrabungen seien diesen zahlreiche Vögel zum Opfer gefallen, die versucht hatten, in die wärmende Öffnung zu gelangen.


Der antike Geograph Strabon berichtet zudem, dass nur die Eunuchenpriester der Fruchtbarkeitsgöttin Kybele die Höhle betreten konnten, ohne Schaden zu nehmen. Allerdings, so wusste schon der Gelehrte zu berichten, hielten diese so lange wie möglichen ihren Atem an. Dennoch gestand auch Strabon den Eunuchenpriestern ob dieser Fähigkeit aufgrund ihrer "göttlichen Herkunft" besondere physische Kräfte und Gegengifte gegen die Dämpfe zu.



Flattr this

In dem Wasserbecken neben dem Tempel, so vermuten die Archäologen weiter, führten Pilger wahrscheinlich Rituale durch und schliefen gerade noch weit genug vom Eingang zum Heiligtum entfernt, um - durch die Dämpfe - Visionen und Prophezeiungen zu empfangen.

Während das Heiligtum noch bis ins vierte Jahrhundert hinein von Pilgern genutzt worden scheint, wurde es dann im sechsten Jahrhundert - so vermuten die Archäologen - wahrscheinlich von Christen zerstört und durch spätere Erdbeben in der Region zusehends in seinen heutigen Ruinenzustand versetzt.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
 
Unterwasserarchäologe findet Hölle der Maya 27. November 2008


Bücher zum Thema

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de

Quellen: discovery.com, unisalento.it
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE