Montag, 15. April 2013

Elektronisches Gehirn: US-Militär verkündet Durchbruch bei künstlicher Intelligenz

Symbolbild: Künstliche Intelligenz (Illu.). | Copyright: grewi.de 

Washington (USA) - Bei der auch als "Labor der verrückten Wissenschaftler" bezeichnete "Defense Advanced Research Projects Agency" (DARPA), handelt es sich eine Einrichtung des US-Verteidigungsministeriums, die Forschungs- und Entwicklungsprojekte für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten durchführt. Während die DARPA erst kürzlich wieder aufgrund der Fortschritte in der Entwicklung menschenähnlicher (Kampf-)Roboter für Aufsehen gesorgt hatte (...wir berichteten), gaben DARPA-Wissenschaftler nun bekannt, dass ihnen ein wichtiger Schritt hin zur Entwicklung einer "elektronischen Kopie eines menschlichen Gehirns" gelungen sei, das zukünftig autonom agierende Roboter ermögliche.

Schon seit Jahrzehnten sei "die Entwicklung von Maschinen, die wie Menschen denken." das Ziel der Wissenschaftler, berichtet das US-amerikanische "National Defense Magazine" (ein Print- und Online-Organ der US-Waffenindustrie). Jetzt sei dieses Ziel in Reichweite.


Wie das Magazin unter Berufung auf Professor James K. Gimzewski von der University of California berichtet, habe das von DARPA finanzierte Projekt eine "winzige Maschine konstruiert, die es Robotern ermöglicht, unabhängig zu agieren." Im Gegensatz zu traditionellen Systemen sogenannter "künstlicher Intelligenz" (KI = artificial intelligence, AI), die auf konventioneller Computerprogrammierung basiere, sehe dieses System nicht nur so aus wie ein menschliches Gehirn, sondern "denke" auch auf ähnliche Weise.


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Die Entwicklung ist das Ergebnis des "Physical Intelligence"-Programms der DARPA, die das Ziel verfolgt, Roboter vollkommen autonom werden zu lassen. Wie Gimzewski auf der Technolink-Konferenz in Los Angeles berichtete, nutze das Projekt keine Standard-Hardware der Robotertechnik mit integrierten Schaltkreisen. Stattdessen sei das System in der Lage, eigenständig und "ähnlich wie Menschen" Aktionen auszuführen, ohne dabei von der klassischen Computer/Roboter-Programmierung abhängig zu sein.


Das neue System unterscheide sich von allen anderen, früheren Bemühungen zur Entwicklung künstlicher Intelligenz durch den Einsatz von miteinander verbundener Nanokabeln, die - ähnlich die das menschliche Gehirn - Milliarden von Verbindungen erzeugen und in der Lage sind, sich an Informationen zu "erinnern". Jede Verbindung sei eine "synthetischen Synapse", wie sie im biologischen System des Gehirns es den Neuronen ermöglichen, elektrische oder chemische Signale an andere Zellen weiterzuleiten. Bisherige AI-Systeme waren aufgrund der hohen Komplexität nicht in der Lage, diese Vorgänge zu reproduzieren.


Im Gegensatz zu bisherigen Robotik-Systemen, benötige ein von "Physical Intelligence" gesteuertes System denn auch keinen menschlichen Kontrolleur mehr, erläutert Gimzewski und bezeichnet zugleich die Auswirkungen dieser Entwicklung auf das Militär als "weitreichend". So könnten beispielsweise Flugdrohnen in der Lage sein, ein noch unbekanntes Terrain selbstständig zu erkunden und ihren Weg auch ohne menschliche Beeinflussung zu finden. "Diese Maschinen werden in der Lage sein Informationen zu verarbeiten, wie die für bisherige Computer einfach unvorstellbar ist."


"Bisherige AI-Bemühungen waren nicht in der Lage Funktionen zu erzeugen, wie sie menschlichem logischen Denken oder kognitiven Funktionen entsprechen" so Gimzewski. Das derzeitige DARPA-Programm bezeichnet der Wissenschaftler deshalb auch als das bislang ambitionierteste und zugleich unorthodoxeste Projekt in dieser Richtung.



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Eine Schlüsselfunktion des Gehirns sei die Fähigkeit zur Selbstorganisation. "Diese Fähigkeit scheint die Grundvoraussetzung für autonomes Handeln und Verhalten zu sein", so der Forscher weiter. "Statt Informationen von einem Speicher zu einem Prozessor zu leiten - wie konventionelle Computer dies tun - verarbeite das neuentwickelte System Informationen auf völlig neuem Wege. Dieser Weg könnte einen revolutionären Durchbruch in der Robotik darstellen."


Ob das Pentagon auch dazu bereit ist, diese Entwicklung auch auf Waffensysteme zu übertragen, ist zumindest für das "National Defense Magazine" (nationaldefensemagazine.org) derzeit noch eine offene Frage. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Obama-Administration erst kürzlich neue Regeln für den Einsatz von Kampfdrohnen ausgegeben habe, deren vorrangiges Ziel es sei, auch weiterhin die Kontrolle über automatisierte Waffensysteme alleinige auf Menschen zu übertragen.



War Games: Drohnen-Kontrollstation am Boden.
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"Der Einsatz autonomer Waffensysteme", so das Dokument der US-Defense Department vom November 2012, "muss vollständig mit Kommandierenden und Opperateuren abgestimmt sein und im Falle, dass dies nicht gewährleistet ist, umgehend abgebrochen werden." Ein Einsatz, so das Pentagon weiter, dürfe nur von einem (menschlichen) Operateur abgeschlossen werden.


In einem ebenso aktuellen wie engagierten Essay hatte erst kürzlich der US-Armeeoberst Lieutenant Colonel Douglas A. Pryer vor dem zunehmenden Einsatz von derzeit noch ferngelenkten Kriegsrobotern und der fortschreitenden Entmenschlichung der robotisierten Kriegsführung gewarnt. Diese Entwicklung führe nicht nur zum Anstieg der Feindseligkeit gegenüber den USA und ihrer Truppen im Ausland sondern stelle schon jetzt eine Bedrohung für Menschheit allgemein und nicht zuletzt auch der USA im Innern dar (...wir berichteten).




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