Samstag, 20. April 2013

Kontroverse um Studie über angeblich intelligentes "Signal" im genetischen Code

Künstlerische Darstellung des Panspermie-Theorie (Illu.). | Copyright: NASA 

Almaty (Kasachstan) - Wie zu erwarten, so hat die Studie zweier kasachischer Astrophysiker über ihre Entdeckung einer "intelligenten Botschaft im genetischen Code" seit der kürzlichen Publikation im Fachjournal "Icarus" (...wir berichteten) in der wissenschaftlichen Gemeinde für teils empörte Reaktionen und Kontroversen geführt. Speziell auf die laute Kritik des US-Biologen und skeptisch-atheistischen Bloggers Professor Paul Zachary Myers (PZ Myers) haben die beiden Autoren nun ausführlich reagiert.

Einleitend zu ihrer Erwiderung auf die "Kritik" Myers, die selbiger unter "Bad Science, Creationism, Evolution, Kooks" (Schlechte Wissenschaft, Kreationismus, Evolution, Spinner) verschlagwortet hat, schreiben ShCherbak und Makukov: "Mit dieser Antwort wollen wir aufzeigen, dass Prof. Myers offenbar weder die Absicht hatte, auf Details unserer Studie einzugehen, noch über die Kompetenz auf dem Feld des genetischen Codes verfügt und seine Kommentare somit nicht als adäquate Zerlegung unserer Studie angesehen werden kann, wie dies von vielen seiner Kommentatoren gesehen wird." Zunächst hätten sie eigentlich gar nicht auf den Beitrag eingehen wollen, sich dann aber aufgrund der großen Beliebtheit von Myers Blog (freethoughtblogs.com/pharyngula) zu einer Reaktion entschieden.


Zunächst behauptet Myers, ShCherbak und Makukov würden mit der Anzahl der Nukleonen jonglieren, ohne jegliche Voraussetzungen für das zu erläutern, was sie da eigentlich tun. "Hätte er unsere Studie gelesen, so wüsste er, dass wir genau das nicht tun und er hätte sich über alle Hintergründe unserer Argumentation informieren können. Das hat er aber offenbar nicht getan und erzeugt damit schon von Beginn an bei seinen Lesern einen völlig falschen Eindruck."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Zudem versäume Myers es, "die Vielzahl der Ergebnisse zu diskutieren, die wir im Sinne unserer Argumentation (für ein BioSETI-Signal im genetischen Code) aufführen. Stattdessen konzentriert er sich einzig und alleine auf das spezifische Teilkriterium des Dezimalsystems. Mit keinem Wort geht er auf die von uns aufgezeigten Symmetrien und die Semantik des Ideogramms oder auch die (Verwendung) der Zahl Null ein, noch auf die Tatsache, dass die ganze Zusammenstellung von Mustern einen algebraisch definierten Aufbau ergibt, aus dem heraus sich sogar eine sinnhafte Interpretation ableiten lässt. (...) Alle diese für ein Verständnis unserer Studie und Schlussfolgerung wichtigen Punkte ersetzt er durch einen einzigen kurzen Satz, in dem er erklärt: 'Alles das ist reiner Unsinn durch und durch' - ohne jedoch konkret aufzuzeigen oder gar zu erläutern, warum er das alles und unserer Hypothese für Unsinn hält." Schlussendlich sei es Myers selbst, der "seine eigenen Vorgaben nicht erfülle", so die beiden Forscher.


Genau das von Myers vorgeworfene "Jonglieren mit Quantitäten von Molekülen, die eine funktionelle Aufgabe haben", so erläutern Makukov und ShCherbak, werde im Gegensatz zu dem, was Myers behauptet, in der Studie, ganz klar vermieden und belegen dies konkret mit einem Zitat aus ihrem Paper. (Zitat: "The choice of arrangements and parameters should exclude arbitrariness. For example, only those parameters should be considered which do not depend on systems of physical units.”)


Auch die Behauptung Myers sei "schlichtweg falsch", bzw. die Studie selbst falsch verstanden, wonach die Autoren es angeblich versäumt hätten zu beweisen, dass die von ihnen angeblich gefundenen Muster nicht auch durch natürliche Prozesse entstehen können. "(...) Auch hier blendet Professor Myers einfach drei ganze Abschnitte unserer Studie aus, in denen wir genau das tun und konkrete Argumente vorlegen warum wir glauben, dass das aufgezeigte Muster eben nicht durch natürliche Prozesse entstehen kann. (...) Es geht uns auch gar nicht um 'irgendwelche mathematischen Muster', sondern um die Erfüllung bestimmter Grundprinzipien, die dieses Muster als artifiziell ausweisen. Dazu gehören, nach der Hypothese von George Max, semantische Merkmale, das Symbol für die Zahl 'Null' und die bevorzugte Nutzung eines numerischen Systems. (...) In seiner Kritik zeigt Myers nicht einen einzigen Konkreten Fehler in unseren Argumenten auf!"


Zusammenfassend erwidern Makukov und ShCherbak PZ Myers Kritik abschließend wie folgt:

"1. Professor Myers zeigt nicht auf, dass unsere Vorgaben falsch oder wissenschaftlich nicht haltbar sind. Tatsächlich erwähnt er diese Vorgaben noch nicht einmal.
2. Myers zeigt nicht, warum das arithmetisch präzise Muster (im genetischen Code) vor dem Hintergrund der besagten Vorgaben bedeutungslos ist. Stattdessen äußert er seine persönliche Meinung, nach der die gesamte Studie Unsinn ist. Tatsächlich würden auch wir darin mit ihm übereinstimmen, wenn man sich dem genetischen Code nur anhand der konventionellen Vorstellungen über seine Entstehung nähert.

3. Als Gegenargument zu unserer Studie und unseren Schlussfolgerungen, präsentiert Professor Myers ein fehlerhaftes Muster aus groben Übereinstimmungen als allgemein anerkannter Beweis dafür, dass die Verschlüsselung des genetischen Codes durch bestimmte evolutionäre Wege geformt wurde, obwohl dieses Muster selbst von zahlreichen Wissenschaftlern und Forschern innerhalb der traditionellen Modelle der Entwicklung des genetischen Codes ignoriert wird."
Allgemein stößt das Paper der beiden Wissenschaftler vornehmlich immer wieder auch abseits von Myers Kritik auf immer wieder auf die Frage, ob nicht in jeder Form von umfangreichen Daten intelligent erscheinende Muster gefunden werden können, wenn man nur lange genug danach sucht. Als Beispiel wird hier vornehmlich der ebenfalls kontrovers diskutierte und von Mathematikern als widerlegt bezeichnete "Bibel- oder auch Tora-Code" zitiert, nach dem es im Text der Bibel versteckte, aussagekräftige Textkonstellationen geben soll. Auch Andreas G. Szabó will in der Tora "mathematisch kodierte Bilder von Planetenkonstellationen und -zyklen, geometrische Verbindungen und mystische Symbole" entdeckt haben und erläutert sein System auf seiner Internetseite "torakosmos.de". Ohne nun die beiden zitierten Theorien um absichtlich in der Bibel/Tora verborgene Botschaften bewerten zu wollen, zeigen sie jedoch anschaulich auf, das man in entsprechenden Datengrundlagen aufgrund unterschiedlicher Grundvoraussetzungen gänzlich unterschiedliche "Botschaften" finden kann.

 


Auf die Frage also, ob also eine nur ausreichend intensive Suche irgendwann automatisch zu einem Ergebnis führt und dieser Umstand auch die von den Forschern beschriebene BioSETI-Botschaft im genetischen Code erklären könne, erklären ShCherbak und Makukov folgendes:

"Das mag auf die Analyse von großen Datengrundlagen zutreffen. Der genetische Code ist aber gar nicht so sehr groß. Zudem gilt: Wenn die Struktur des Musters im Sinne der Information mit den Daten selbst gleichgesetzt werden kann, so bedeutet dies, dass dieses Muster ein inhärentes Merkmal der Daten selbst und kein Artefakt ist, das durch die Suchmethode erzeugt wird.


Daneben gibt es einige bekannte Variationen des Standard-Gencodes in einigen Abstammungslinien von Mikroorganismen und Organellen. Wie von der vergleichenden Genetik nahe gelegt wird, do handelt es sich bei diesen Variationen um spätere Modifikationen des Standardcodes (ganz unabhängig davon, wie die Kodierung des Standardcodes einst zustanden kam). Gemeinsam mit seiner symmetrisierten Version zeigt dieser Standardcode nun aber eine ganze Reihe von gleichartigen Mustern auf, die sogar soweit gehen, dass sie sogar einen algebraisch definierten Satz (im Sinne des engl. "set") bilden. Wir haben uns alle Mühe gegeben, Ähnliches auch in anderen Variationen des genetischen Codes zu finden und nutzen verschiedene Anordnungen und Parameter (beispielsweise Ordnungszahlen statt der Nukleonenzahl), waren dabei aber nicht erfolgreich und konnten so noch nicht einmal einfache Muster finden - ganz zu schweigen von einem algebraisch definierten Satz, der als Kandidat für ein Signal in diesen Variationen angesehen werden könnte. Würde also das Argument der Beliebigkeit greifen, hätten wir solche Muster aber auch da finden müssen."


- Einen umfassendes Fragen-und-Antworten-Katalog haben ShCherbak und Makukov auf ihrer Internetseite zusammengetragen. Diese finden Sie HIER


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
BioSETI: Astrophysiker wollen intelligentes außerirdisches Signal in irdischem Gencode entdeckt haben 12. April 2013 

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: gencodesignal.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE