Mittwoch, 29. Mai 2013

Astronomen bezweifeln Existenz von bislang erdnächstem felsigen Exoplaneten


Künstlerische Darstellung des etwa erdschweren Planeten im sonnennahen System um die Sterne Alpha Centauri A (s. links) und Alpha Centauri B (Mitte).
| Copyright: ESO/L. Calçada


Jena (Deutschland) - Es war eine astronomische Sensation: Im vergangenen Oktober berichteten Schweizer Astronomen von ihrer Entdeckung eines erdgroßen Planeten im von der Erde nur 4,3 Lichtjahre entfernt gelegen System Alpha-Cenaturi (...wir berichteten). Jetzt hegen deutsche Astronomen jedoch ernste Zweifel daran, dass der Planet überhaupt existiert.

Laut seinen Entdeckern um Xavier Dumusque vom Observatoire de Genève basierte die Bestätigung der Existenz des Planeten "Alpha Centauri Bb", der einen der Sterne des Doppel- bzw. Dreifachsternsystems umkreisen soll, auf 450 Beobachtungen des Systems und dem Nachweis winziger Schwankungen in der Bewegung von Alpha Centauri B, die durch die Schwerkraft des ihn umkreisenden Planeten verursacht werden. Der gemessene Effekt sei zwar extrem klein, so die Entdecker, sorge aber dafür, dass der Stern sich mit nicht mehr als 51 Zentimeter pro Sekunde (das entspricht 1,8 km/h) hin und her bewegt.


Nun berichten Astronomen um Artie Hatzes von der Friedrich-Schiller-Universität in Jena vorab auf "arxiv.org" über ihre eigenen Beobachtungen des Systems - nun jedoch mit anderen Filtern, als jenen, die das Schweizer Team um Dumusque verwendet hatte und hegt ernste Zweifel an der Existenz des Planeten: "Wir sagen nicht, dass 'Bb' nicht existiert, aber wir haben zumindest ernsthafte Zweifel", zitiert der "New Scientist" den Jenaer Astronom.


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Das Problem sieht Hatzes in der von den Schweizer Astronomen angewandten Filter-Methode, mit der die schwachen Daten, die auf den Planeten hinweisen, von Signalen des Sterns getrennt wurden. Dumusque entfernte hierfür periodische Signale, wie sie etwa von Sonnen- bzw. Sternenflecken verursacht werden, die jedoch synchron mit der Rotation des Stern selbst auftreten und interpretiert die nach dieser Prozedur übrig gebliebenen Daten als Signale für einen den Stern umkreisenden Planeten.


Hatzes hingegen entfernte bei seiner Methode auch jene starken Signale, die nicht mit der Sternrotation zusammenhingen und fand nun nur noch ein noch schwächeres Signal, dass auf "Bb" hinwies. Nach dem Einsatz weiterer Filter, wie sie Exoplaneten von sonstigen Signalquellen unterscheiden helfen, sei der Planet dann gänzlich verschwunden.


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Um die Anwendbarkeit dieser Methode zu überprüfen, generierte Hatzes in einem weiteren Schritt ein künstliches (also falsches) Signal für einen vorhandenen Planeten und fügte dieses den Daten hinzu. Dieser simulierte Planet wurde mit den von Hatzes angewandten Methoden unzweifelhaft als solcher entdeckt, weswegen der Astronom davon ausgeht, dass normalerweise auch "Bb" entdeckt werden sollte, wenn es ihn gibt.


Dumusque, mittlerweile an der Harvard University tätig, zeigt sich angesichts der Analyse offen und begrüßt weitere Untersuchungen. Auch er und sein Team tragen derzeit weitere Daten zusammen und hoffen, Alpha Centauri Bb – so vorhanden – bald auch mit anderen Nachweismethoden, etwa der Transitmethode, finden zu können.


- Den vollständigen Artikel von Hatzes und Kollegen finden Sie HIER


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