Dienstag, 7. Mai 2013

Curiosity-Ziel: Auch Winde könnten Aeolis Mons (Mount Sharp) geformt haben


Farbkorrigiertes Mosaik-Panorama des Zentralbergs Mount Sharp (Aeolis Mons) im Innern des Marskraters Gale.
| Copyright: NASA/JPL-Caltech/MSSS
 

Princeton (USA) - Derzeit sucht die mobile Laboreinheit der NASA-Mission "Mars Science Laboratory" (MSL), der Rover "Curiosity" am Fuße des sogenannten Aeolis Mons (Landestelle s. Abb. "x" bzw. Stern), dem 5,5 Kilometer hohen Zentralberg im Innern des Gale-Kraters, nach Spuren einstiger lebensfreundlicher Umweltbedingungen und von einstigem Leben auf dem Mars. Die Flanken des von der NASA eigenmächtig auch als "Mount Sharp" bezeichneten Berges galten den NASA-Wissenschaftlern als besonders hoffnungsvolles Ziel, vermuten sie doch, dass der Gale-Krater einst mit Wasser gefüllt und dieses in den Zentralberges geformt und in den Sedimenten Hinweise auf einstiges Leben in diesem Kratersee hinterlassen haben könnte. Eine aktuelle Studie von US-Wissenschaftlern stellt diese Sicht nun jedoch in Frage und zeigt auf, dass Mount Sharp auch von Wind geformt worden sein könnte.

Wie die Forscher von der Princeton University und vom California Institute of Technology (Caltech) aktuell im Fachjournal "Geology" berichten, könnte der Berg demnach auch das Ergebnis starker Winde sein, die Staub und Sand in den rund 154 Kilometer durchmessenden Krater getragen haben.
 

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In ihrem Bericht beschreiben die Forscher, wie Luft aus dem Innern des gewaltigen Kraters durch das Aufwärmen der Marsoberfläche am Tage aufgestiegen (rote und gelbe Pfeile i.d. Abb.) und entlang der steilen Kraterwände während der abkühlenden Nacht wieder zurückgeflossen sein könnte. Obwohl dieser Luftbewegung sehr stark gewesen wäre, hätte sie sich dann doch in Richtung der Kratermitte mehr und mehr abgeflaut und dabei das mitgeführte Bodenmaterial nach und nach zum Zentralberg auf- bzw. abgelagert.



In ihrem neuen Modell zeigen die Wissenschaftler auf, die aufgewärmte Tagesluft zunächst die Wände des Gale-Krater und die Flanken des Mount Sharp hinaufstieg (rote gelbe Pfeile) und durch die Abkühlung am Abend wieder entsprechend rückläufig waren.
| Copyright: NASA/JPL-Caltech/ESA/DLR/FU Berlin/MSSS

 
Mit diesem Modell widersprechen die Forscher der bislang vorherrschenden Theorie, nach der Mount Sharp als Ergebnis von Erosion durch Wasser ist. Sollten die Princeton-Wissenschaftler Recht haben, so verspräche die Suche mit "Curiosity" im Innern des Gale-Kraters deutlich weniger Chancen, hier auf Hinweise einstigen Lebens zu stoßen.


Während der Rover selbst zwar am Fuße des Berges selbst schon auf eindeutige Spuren von ehemals vorhandenem Wasser gestoßen, die ziemlich eindeutig auf hier einst tatsächlich vorhandene Wasserkörper wie zumindest kleinere Gewässer und Bachläufe gegeben hatte (...wir berichteten, s. Links), würde die Theorie der Forscher um Kevin Lewis nun jedoch bedeuten, dass der Berg selbst, an dessen direkten Hängen die Forscher auf einst wässrige Sedimente hofften, nie von Wasser bedeckt war. In diesem Fall hätte es wohl geeignetere Orte auf dem Mars gegeben, um nach Hinweisen für die einstige Lebensfreundlichkeit des Mars zu suchen.



Laut den Forschern decken sich viele Merkmale des Aeolis Mons mit dem Modell von Windablagerung der Sedimente und nicht mit dem von Erosion durch einen einstigen Kratersee.
| Copyright: Kevin Lewis)


"Unsere Arbeit schließt die Existenz einstiger Seen um Gale Krater nicht aus", erläutert Lewis. "Aber sie legt nahe, dass der Berg selbst aus Material besteht, das hier hauptsächlich von Wind und nicht von Wellen abgelagert bzw. abgetragen wurde." Somit könnte es durchaus sein, dass der Berg sich einst als freistehender Sedimenthaufen gebildet hatte, die selbst nie den Krater angefüllt hatten.


Doch selbst für den Fall, dass das neue Modell zutreffe, könnten Zentralberge die Mount Sharp (Aeolis Mons) dennoch von großer geologischer und sogar biologischer Bedeutung sein: "Diese Sedimentberge könnten immer noch mehrere Millionen von Jahren des Marsklimas aufgezeichnet haben. Auch auf der Erde erfahren wir eine ganze Menge über die Geschichte des Planeten aus den einzelnen Sedimentschichten. So oder so stellt also auch der Mount Sharp also ein einzigartiges Geschichtsbuch des Mars dar - auch wenn er einst vielleicht keinen den Krater ausfüllenden See beherbergt hatte."


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Quelle: princeton.edu
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