Freitag, 3. Mai 2013

Forensische Analyse erbringt Beweis für Kannibalismus unter amerikanischen Siedlern

Gesichtsrekonstruktion (l.) von "Jane" anhand der vorhandenen und zusammengefügten Schädelfragmente (r.). | Copyright/Quelle: Don Hurlbert / smithsonianscience.org 

Washington (USA) - Eine forensische Analyse an den Gebeinen eines jungen Mädchens, das im 17. Jahrhundert nahe Jamestown im US-Bundesstaat Virginia gemeinsam mit sonstigen Schlachterabfällen verschachert wurde beweist, dass es dort - wie schon zuvor von einigen Historikern vermutet - im sogenannten Hungerwinter 1609 -1610 zu Fällen von offenbar verzweifeltem Kannibalismus gekommen war, als etwa 80 Prozent der europäischen Siedler verhungerten.

Wie Anthropologen vom Smithsonian’s National Museum of Natural History und Archäologen um William Kelso vom Jamestown Rediscovery Project berichten, handelt es sich bei den 2012 in James Fort nahe Jamestown gefundenen Knochenüberresten Fragmente des Schädels und Schienbeinreste eines etwa 14 jährigen Mädchens. Der ungewöhnliche Fundort der verstümmelten Knochen in einem Keller gemeinsam mit tierischen Schlachtabfällen, veranlasste die Forscher nach dem Fund zu einer genaueren Untersuchung.

Die Knochen - da sind sich die Wissenschaftler einig - zeigen Spuren, die so nur einen Schluss zulassen: Das Mädchen wurde nach seinem Tod unsachgemäß geschlachtet und gegessen.


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Zu den auf diesen grausamen Vorgang hinweisenden Spuren gehören zunächst vier flache Schrammen auf dem Stirnbein, die wohl davon herrühren, dass erfolglos versucht wurde, mit einem Beil an dieser Stelle den Schädel zu öffnen. Mit einer Reihe ebenfalls unsachgemäßer und offenbar brutal ausgeführter Schläge mit einem kleineren Beil oder einem Fleischermesser auf den Hinterkopf wurde dann offenbar schlussendlich erfolgreich der Schädel gespalten, um an das Hirn der Toten zu gelangen. Schnitte und Kratz- und Schabespuren an Gesichts- und Kieferknochen sprechen laut den Forensikern dafür, dass hier versucht wurde, auch noch die kleinsten und letzten Reste Fleisch und Gewebe vom Gesichtsschädel abzukratzen.


Vier deutliche Schrammen auf der Stirn deuten darauf hin, dass sich hier jemand erfolglos Zugang zur Hirnkammer verschaffen wollte.
| Copyright/Quelle: Don Hurlbert / smithsonianscience.org

Für den Anthropologen Douglas Owsley belegen die Merkmale an den Knochen des Mädchen auf ebenso dramatisch wie bedrückende Weise, wie verzweifelt die Kolonisten von James Fort damals gewesen sein mussten. "Die Spuren sind derart ungewöhnlich, dass die sie verursachenden Schnitte und Schläge die Unsicherheit und gänzliche Unerfahrenheit der Schlachter offenbaren. Dennoch offenbaren sie die eindeutige Absicht, den Körper zu zerlegen, das Hirn zu entfernten und selbst noch Fleisch aus dem Gesicht zu verspeisen."

 
Janes Knochen. | Copyright/Quelle: Don Hurlbert / smithsonianscience.org


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Das Opfer dieser Form des Kannibalismus, so belegen es weitere wissenschaftliche Untersuchungen, war ein 14-jähriges Mädchen aus England, das von den Forscher "Jane" genannt wurde. Die eigentliche Todesursache ist heute nicht mehr zu ermitteln, da von ihrem Skelett nur noch knapp 10 Prozent erhalten sind. Obwohl auch der Gesichtsschädel selbst stark beschädigt ist, haben sich die Forscher auch an einer Gesichtsrekonstruktion von Jane versucht und so der unbekannten nach rund 400 Jahren wieder ein Antlitz verliehen (s. Abb.).


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