Dienstag, 28. Mai 2013

Nach 400 Jahren auferstanden: Moose überlebten 400 Jahre Isolation unter arktischem Gletscher


Im Labor nach 400 Jahren Eisgrab wiederbelebte Moospflanzen.
| Copyright: Catherine La Farge
 

Edmonton (Kanada) - Seit 1850 ist der Teardrop Gletscher auf Ellesmere Island in der kanadischen Hocharktis um rund 200 Meter geschrumpft. Mit dem Rückzug des Gletschers wurde der darunterliegende Boden und darin befindliche Pflanzen freigelegt, die durch den Gletscher 400 Jahre lang von der Außenwelt isoliert waren - jetzt jedoch wieder zum Leben erwacht sind.

Wie die Leiterin des Cryptogamic Herbarium an der University of Alberta, Catherine La Farge aktuell im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS,
doi: 10.1073/pnas.1304199110) berichtet, beweist die Entdeckung, dass die bisherige Annahme, dass sämtliche Pflanzen, die einst von Gletschern bedeckt und später wieder freigelegt werden tot sind, falsch ist. Auch die Annahme, dass es sich bei den vereinzelt zwischen den Gletscherresten wachsenden Pflanzen um sogenannte Pionierpflanzen und damit um jüngere Gewächse handelt, die besonders gut auf kahlem Boden wachsen, konnte die Forscherin anhand einer Radiokarbondatierung widerlegen. Diese zeigt eindeutig, dass die Pflanzen zwischen 400 und 600 Jahre alt sind und vom Gletscher also während der sogenannten Kleinen Eiszeit zwischen 1550 und 1850 bedeckt waren.

Im Labor stellten La Farge und Kollegen fest, dass von 24 genommenen Proben der alten Moose und Leberblümchen 11 Exemplare erfolgreich aus dem rekultiviert werden konnten.


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"Das Wiedererkeimen dieser Moospflanzen erweitert unsere Vorstellung von glazialen Ökosystemen als biologischen Speichern, wie sie gerade vor dem Hintergrund der weltweiten Gletscherschmelze immer wichtiger werden", so die Forscherin. "Wir wissen, dass derartige Bryophyten etwa in Wüsten viele Jahre schlummern und dann wiedererweckt werden können. Aber niemand konnte sich bislang vorstellen, dass dies auch noch nach fast 400 Jahren möglich wäre, während derer die Pflanzen von einem ganzen Gletscher bedeckt waren."

"Diese einfachen Pflanzenformen gibt es bereits seit mehr als 400 Millionen Jahren und sie haben eine einzigartige Biologie der optimalen Ausdauer entwickelt." Jede einzelne Zelle der Moospflanzen kann sich demnach selbst reprogrammieren, um so die Entwicklung einer völlig neuen Pflanze in Gang zu bringen. "Das ist in etwa das Gegenstück zur Stammzelle in pflanzlichen Systemen", erläutert La Farge.


Die Entdeckung, so die Forscherin abschließend, unterstreiche die wichtige Rolle von Moospflanzen in polaren Umgebungen und deren Auswirkungen auf die weltweiten Permafrostregionen. Unabhängig von La Farge vermuten Exobiologen, dass derartige Moosgewächse auch zu den ersten komplexeren Lebensformen gehören könnten, die auf fremden Planeten gefunden werden.


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Quelle: ualberta.ca
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