Donnerstag, 9. Mai 2013

Nach Tscheljabinsk: Europäische Experten bewerten Optionen bei Asteroideneinschlag


Standbild aus einem Zeugenvideo des Meteoriten vom 15.02.2013 über Tscheljabinsk.
| Copyright/Quelle: youtube.com

Paris (Frankreich) - Im Februar 2013 explodierte ein 66.000 km/h schneller Asteroid hoch über der russischen Ural-Region. Hunderte Menschen wurden verletzt und es entstand ein Schaden in Höhe von mehreren Millionen Euro. Welche Optionen hätten wir, falls sich in der Zukunft erneut ein solcher – oder gar größerer – Vorfall ereignete? In unserem Sonnensystem existieren über 600.000 uns bekannte Asteroiden, von denen zirka 10.000 sogenannte NEOs (Near Earth Objects) sind. Diese NEOs kreuzen während ihres Umlaufs unsere Erdumlaufbahn.

- Bei dieser Meldung handelt es sich um eine Presseinformation der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA, esa.int


Der dramatische Beweis, dass solche erdnahen Objekte die Erde treffen könnten, erfolgte am 15. Februar 2013, als ein unbekanntes Objekt mit einem geschätzten Durchmesser von 17 bis 20 Metern und der 20 bis 30-fachen Energie einer Hiroshima-Bombe, hoch über der russischen Stadt Tscheljabinsk explodierte.


Die aus der Explosion resultierende Schockwelle verursachte weitreichende Schäden. Der Tscheljabinsk-Asteroid war das größte natürliche Objekt, welches nachweislich seit dem Tunguska-Ereignis 1908 in die Erdatmosphäre eintrat. Damals zerstörte die Explosion ein abgelegenes Waldgebiet in Sibirien.


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"Es ist wichtig, dass wir uns über die derzeitigen und zukünftigen Positionen von NEOs zu unserem Planeten bewusst werden, Schätzungen zu Einschlagswahrscheinlichkeiten entwickeln und die möglichen Folgen bewerten", sagt Dr. Detlef Koschny, Leiter der NEO-Aktivitäten im ESA-Programmbüro für Space Situational Awareness (SSA). "Noch wichtiger ist es, dass wir darüber nachdenken, wie Warn-, Risikobegrenzungs- und mögliche Umlenkaktionen umgesetzt werden können. Dies ist nicht nur für Europa entscheidend, sondern für den ganzen Planeten."



Künstlerische Darstellung eines Asteroiden beim Vorbeiflug an der Erde (Illu.).
| Copyright: ESA - P.Carril


Ein Aufgabenbereich des vor vier Jahren gestarteten SSA-Programms der ESA sieht die Entwicklung eines integrierten Systems vor, welches den Himmel jede Nacht nach bisher unentdeckten NEOs absucht.


Weitere wichtige Aspekte sind die Untersuchung der Anwendung von Methoden zur Risikobegrenzung im Falle kleinerer NEOs sowie die Frage, wie größere NEOs mit einem ernsthaften Bedrohungspotenzial für unseren Planeten, umgelenkt werden können.


In dieser Woche am 07.05.2013 und 08.05.2013 hat Deimos Space, der ESA-Industriepartner für das SSA-Programm, führende Experten von europäischen und US-amerikanischen Universitäten, Forschungsinstituten, nationalen Weltraumagenturen und aus der Industrie eingeladen, um über die neuesten Entwicklungen in den Bereichen Einschlagsfolgen und Risikobegrenzungsmethoden von NEOs zu diskutieren.Das Treffen findet im spanischen Tres Cantos nahe Madrid statt.


"Wir haben noch eine Menge Arbeit vor uns, beispielsweise in der rechnergestützten Modellierung von Einschlagsfolgen; wie Luftdetonationen sich von denen am Boden unterscheiden; kinetische gegenüber explosiven Umlenkungsstrategien; und vieles mehr. Das Ziel ist es, eine Reihe von Roadmaps zu entwickeln, die uns in der aktuellen und zukünftigen NEO-Forschung und Entwicklung eine Richtung weisen können", sagt Dr. Gerhard Drolshagen aus dem SSA-Programmbüro der ESA.


Das Ziel des SSA-Programms ist, die Möglichkeiten, Europas bestehende und neuentwickelte Anlagen, wie beispielsweise automatisierte Teleskope, in ein koordiniertes und effizienteres NEO-Beobachtungssystem zu integrieren, welches nächtliche Himmelbeobachtungsdaten und frühzeitige Warnmechanismen verfügbar macht.


"Ein solches System würde es uns ermöglichen, gemeinsam mit unseren Partneragenturen, Wissenschaftlern, der Industrie und internationalen Behörden wie der UN, konkrete Optionen auszuarbeiten, um sie anschließend nationalen Regierungen und politischen Entscheidungsträgern vorzulegen", sagt Nicolas Bobrinsky, Leiter des SSA-Programmbüros der ESA in Noordwijk, Niederlande.


"Ereignisse wie der Einschlag über Tscheljabinsk zeigen, dass die Gefahr, die von NEOs ausgeht, nicht nur theoretischer Natur ist. Daher müssen wir heute in praktische Maßnahmen gegen die Bedrohungen von Morgen investieren."

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Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
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