Dienstag, 14. Mai 2013

Studie belegt: Schon Säuglinge haben ein Bewusstsein


Baby beim Bewusstseinstest.
| Copyright/Quelle: Sofie Gelskov / aviesan.fr


Paris (Frankreich) - Anhand kognitiver und psycholinguistischer Untersuchungen können französische Wissenschaftler nun belegen, dass schon Säuglinge ab fünf Monaten über eine ähnliche Form von Bewusstsein verfügen wie Erwachsene.


Um festzustellen, ob Babys ihre Umwelt bewusst wahrnehmen, wenn sie weder reden, noch ihre eigenen Gedanken formulieren können, wollten die Forscher vom Labor für kognitive und psycholinguistische Wissenschaften des französischen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNRS) an der Ecole Normale Supérieure in Zusammenarbeit mit Forschern des Instituts für Gesundheitswesen und medizinische Forschung "Neurospin" herausfinden, ob die bei Erwachsenen beobachteten neuronalen Marker des Bewusstseins auch bei Babys vorhanden sind.


Jüngste Forschungen hatten schon zuvor gezeigt, dass das Gehirn von Erwachsenen in zwei Stufen auf die Wahrnehmung eines externen Ereignisses reagiert: "In den ersten 200 - 300 Millisekunden erfolgt die Wahrnehmungsverarbeitung komplett unbewusst und die Neuronenaktivität nimmt linear zu. Die zweite Stufe ist, entsprechend der Bewusstseinsschwelle, durch eine nicht-lineare Antwort gekennzeichnet. Nur wenn das Ereignis (z.B. die Präsentation eines Objektes) lange genug andauert, um diesen Schwellenwert zu erreichen, kommt es zu einer verzögerten Reaktion und einer bewussten Wahrnehmung." Nur diese verzögerte und nichtlineare Reaktion des Gehirns wird als neuronaler Marker des Bewusstseins betrachtet.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

In ihrer Studie haben die Wissenschaftler die Existenz dieses Markers bei 80 Kindern im Alter von 5, 12 und 15 Monaten getestet. Während ihre elektrische Hirnaktivität mit der Elektroenzephalographie (EEG) gemessen wurde, wurden ihnen für eine bestimmte Zeit (über oder unter ihrer Wahrnehmungsschwelle) Gesichter gezeigt.


Bei allen Altersgruppen konnten die Forscher die gleiche verzögerte und nichtlineare Reaktion wie bei Erwachsenen beobachten und so die Existenz dieser "neuronalen Signatur des Bewusstseins" auch bei Babys bestätigen. Allerdings betrage die Reaktionszeit bei Erwachsenen ca. 300 ms und setze bei Säuglingen deutlich später ein - nach mindestens 1 Sekunde bei den Jüngsten.


"Diese Ergebnisse zeigen, dass die dem Wahrnehmungsbewusstsein zugrunde liegenden zerebralen Mechanismen bei Säuglingen bereits sehr frühzeitig vorhanden sind. Sie sind jedoch relativ langsam und werden erst im Laufe der Entwicklung immer schneller", so die Forscher um Sid Kouider in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Science" (DOI: 10.1126/science.1232509).


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: aviesan.fr
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE