Freitag, 28. Juni 2013

Astronomen entdecken erstmals Transit-Planeten in Sternhaufen


Künstlerische Darstellung der Planeten im Sternhaufen NGC 6811 (Illu.). | Copyright: Michael Bachofner / CfA

Cambridge (USA) - Alle Sterne entstehen in Gruppen. Die meisten sonnenähnlichen Sterne, entstehen in kleinen vergleichsweise friedlichen Sternhaufen, die jedoch schnell auseinanderdriften. Andere Sterne bilden sich in großen, dichten schwärmen und überdauern hier mehre Milliarden Jahre lang. Innerhalb solcher dichter Sternhaufen drängen sich die Sterne bei der Suche nach Platz und Raum und alle dieser Tausenden von Sterne geben starke Strahlung und Sonnenwinde ins All ab, die für gewöhnlich Material, aus dem in ihrem Umfeld unter friedlicheren Bedingungen Planeten entstehen könnten, mit- und fortreißen. Keine guten Bedingungen also für die Suche nach fremden Welten. Trotz dieser Widrigkeiten haben US-Astronomen nun jedoch zwei Planeten in einem derart dichten Sternenhaufen entdeckt.

Wie das Team um Soren Meibom vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics aktuell im Fachjournal "Nature" (
DOI: 10.1038/nature12279) berichtet, handelt es sich bei den beiden Planeten um etwa neptungroße Himmelskörper im rund 3.000 Lichtjahre entfernten Sternhaufen "NGC 6811", die jeweils sonnenähnliche Sterne umkreisen. Die Entdeckung belegt damit erstmals, dass also auch in dicht gepackten Sternhaufen Planeten entstehen können.

"Alte Sternhaufen stellen ein stellares Umfeld dar, das sich vom Geburtsort unserer Sonne sehr stark unterscheidet", erläutert Meibom. "Bislang waren wir der Meinung, dass Planeten in einer solchen Umgebung nur sehr schwer bis gar nicht entstehen geschweige denn sich entwickeln könnten. Ein Grund hierfür war, dass wir sie bislang nicht finden konnten."
 

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Die beiden "neuen" Planeten - Kepler-66b und Kepler-67b - wurden innerhalb der Daten des NASA-Weltraumteleskops "Kepler" entdeckt, das nach Planeten sucht, die vor der "Sonnenscheibe" ihres Sterns vorbeiziehen (Transit) und dabei dessen Helligkeit minimal aber periodisch verändern. Beide Planeten sind etwa zehn Mal so große wie die Erde und etwa Dreiviertel kleiner als Neptun. Es handelt sich also um sogenante "Mini-Neptune".


Von den mittlerweile bald 900 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems (Exoplaneten) wurden bislang gerade einmal vier - alle mindestens so groß wie Jupiter - im Innern von Sternhaufen entdeckt. Von diesen Planeten sind Kepler-66b und Kepler-67b die beiden kleinsten und die beiden ersten Planeten, die in besagtem Transit vor ihrem Stern vorbeiziehen, was es den Astronomen erstmals ermöglichte, ihre Größe zu bestimmen.


Da die Astronomen zudem das Alter des Sternhaufens (NGC 6811) mit einer Milliarde Jahren recht genau bestimmten konnten, gehören Kepler-66b und Kepler-67b zugleich auch zu einer kleinen Gruppe von Exoplaneten, deren Alter, Entfernung und Größe recht genau bestimmt werden kann.


Angesichts der Gesamtanzahl der von Kepler untersuchten Sterne legt die aktuelle Entdeckung der beiden Planeten innerhalb von NGC 6811 nahe, dass die Häufigkeit von Planeten in offenen Sternenhaufen in etwa mit der übereinstimmt, die im Umfeld freier Sterne in der Milchstraße zu finden sind, die also nicht Teil eines Haufens sind.


"Solche Planeten sind kosmische Extremophile", kommentiert Maibom. "Sie zu finden zeigt, dass auch kleinere Planeten entstehen und mindestens eine Milliarde Jahre lang auch unter chaotischen und unfreundlichen Bedingungen existieren können."


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Quelle: cfa.harvard.edu
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