Donnerstag, 27. Juni 2013

Mit Geruchssinn und Sonnenkompass: Wie Fischlarven ihren Weg finden


Die Larven der Korallenriff-Fische.
| Copyright: Andreas Bally


Oldenburg (Deutschland) - Ein internationales Forscherteam hat die Wanderungen und Orientierung von Korallenriff-Fischen untersucht, die jedes Jahr im australischen Sommer, von Dezember bis Februar, im Great Barrier Reef massenhaft stattfindet. Ähnlich wie Lachse zum Laichen an die Mündung ihres Geburtsflusses wandern, kehren die Korallenriff-Fische an ihr Heimatriff zurück. Das Ergebnis der Studie belegt, dass die Fischlarven zur Navigation im offenen Ozean ihren Geruchsinn und einen Sonnenkompass nutzen.

Wie die Forscher um Gabriele Gerlach und Henrik Mouritsen von der Universität Oldenburg gemeinsam mit Michael Kingsford von der James Cook University und Jelle Atema (Boston University) aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI: 10.1371/journal.pone.0066039) berichten, werden die Larven im Riff nur wenige Wochen, nachdem sie geschlüpft sind, nachts ins freie Wasser gespült.


Lange ging die Wissenschaft davon aus, es sei reiner Zufall, wohin die Strömungen und Stürme die nur wenige Millimeter großen Larven verdriften. Um ihrem Wanderungsverhalten auf die Spur zu kommen, untersuchte Gerlach die Larven nun mittels genetischer Marker. "Wie man DNA-Spuren zu kriminalistischen Zwecken verwendet, so lässt sich die DNA-Analyse nutzen, um die Herkunftsriffe der Larven zu bestimmen", erläutert die Wissenschaftlerin. Auf diese Weise konnte sie zeigen: Ein Großteil der Larven wurde mehr als 15 Kilometer weit verdriftet. 60 Prozent siedeln sich aber auch wieder an ihren Heimat-Riffs an. Diese Rückkehr sei vor allem bei sehr isolierten Riffen überlebenswichtig, so die Biologin. Ohne einen Orientierungssinn würden die Larven im Ozean zu Grunde gehen. Wie also finden die marinen Winzlinge zurück zu ihrem Zuhause?


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Zusammen mit Kingsford und Atema fand Gerlach heraus, dass die Larven sich am Geruch orientieren können: "Sie können ihr Riff bis zu einer Entfernung von zwei Kilometern erschnüffeln." Dies sei zwar eine beachtliche Fähigkeit, doch in den Weiten des Ozeans helfe sie nicht weiter, da Strömungsmodelle zeigen, dass die meisten Larven in der ersten Woche um mehr als zehn Kilometer in Richtung Nordwesten verdriftet werden. Die Frage also bleibt: Wie finden die Larven ihren Weg zum Geburtsriff?


Mouritsen als Experte für Navigation von Vögeln vermutet, dass die Korallenriff-Fische - ähnlich wie Zugvögel - einen Sonnenkompass nutzen. Schließlich hatten die Wissenschaftler beobachtet, dass die Larven auf ihrem Weg zurück zum Geburtsriff bei klarem Himmel und damit sichtbarer Sonne, stets in südsüdöstlicher Richtung schwammen. "Diese Richtung wäre optimal, um gegen die vorherrschende Nordnordwest-Strömung anzuschwimmen und zum Heimatriff zu gelangen", erläutert Mouritsen seine Hypothese.


Da sich aber der Sonnenstand mit dem täglichen Weg der Sonne über den Himmel verändert, müssten die Fischlarven über eine Art innere Uhr verfügen, um die Sonne als Kompass nutzen zu können. Um dies zu überprüfen, veränderte Mouritsen in einem Laborexperiment für einige Tiere den Wechsel von Licht und Dunkelheit und stellte so ihren Tag-Nacht-Rhythmus um sechs Stunden vor. Das Ergebnis: Die Larven schwammen tatsächlich in die entgegengesetzte Richtung. Für die Forscher ist dies ein deutlicher Beleg für die innere Uhr, die den Larven die Navigation ermöglicht.


Die Korallenriff-Larven verfügen also wirklich über eine zeitkompensierte Sonnenkompass-Orientierung, und sie nutzen diese, um die unvermeidbare Drift nach Nordnordwesten zu kompensieren und ihr Geburtsriff wiederzufinden. Lässt sich diese Lösung eines bislang rätselhaften Wanderns auch auf andere Tiere übertragen? Gerlach und Mouritsen gehen davon aus, dass die herausgearbeiteten Fähigkeiten nicht nur bei Korallenfischen vorkommen können, sondern bei vielen marinen Lebewesen.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Kompass von Rotkehlchen ist anpassungsfähig 30. Mai 2013
Erstmals belegt: Mistkäfer orientieren sich nach der Milchstraße 25. Februar 2013
Magnetsinn auch bei Karpfen nachgewiesen 12. Dezember 2012


Zum Thema:

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: uni-oldenburg.de, plosone.org
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE