Dienstag, 4. Juni 2013

Schimpansen haben fünfdimensionale Persönlichkeit


Schimpanse im Lincoln Park Zoo Chicago.
| Copyright: lpzoo.org


Chicago (USA) - Während Psychologen lange über den Kern jener Persönlichkeitsdimensionen debattierten, die unsere sogenannte Menschlichkeit ausmachen, waren auch Primatenforscher darum bemüht, die Persönlichkeitseigenschaften unserer nächsten Verwandten, den Schimpansen, zu erforschen. Wie US-amerikanische Primatologen aktuell berichten, liegen mittlerweile deutliche Belege für universell unter Schimpansen verbreitete fünf Persönlichkeitsdimensionen vor.

Wie die Forscher um Hani Freeman des Lester E. Fisher Center for the Study and Conservation of Apes im Lincoln Park Zoo (Chicago) aktuell im Fachjournal "American Journal of Primatology" (DOI: 10.1002/ajp.22168) berichten, handelt es sich bei diesen Eigenschaften um: Reaktionsvermögen/Unzuverlässigkeit, Dominanz, Offenheit für Erfahrungen, Extraversion und Verträglichkeit. Hinzu glauben sie auch noch einen sechsten Faktor (Methodik) ausgemacht zu haben, für dessen Nachweis jedoch noch weitere Untersuchungen notwendig seien.


"Ein Verständnis der Schimpansenpersönlichkeit hat wichtige theoretische und praktische Auswirkungen", erläutert Freeman. "Aus akademischer Sicht kann uns die Erkenntnis sehr viel über die Evolution der menschlichen Persönlichkeit im Allgemeinen sagen. Aus praktischer Sicht hilft es Pflegern der Tiere dabei, Pflege und Umgang individuell an jedes einzelne Tiere und dessen Persönlichkeit anpassen zu können, was wiederum zum Wohlergehen der Tiere beträgt."


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Während die Analyse der Persönlichkeit von Schimpansen kein gänzlich neues Forschungsgebiet darstellt, hätten frühere Untersuchungen bislang jedoch wichtige Fragen nicht beantworten können, so die Autoren der aktuellen Studie.

"Einige Persönlichkeits-Skalen, die in diesen Untersuchungen angewandt wurden, waren ursprünglich für andere Arten ausgelegt worden (top-down). Sie berücksichtigten also Fähigkeiten und Merkmale, die für Schimpansen und ihre Persönlichkeit gänzlich irrelevant sind", so Freeman. Zugleich sei aber auch ein rein auf Schimpansen fixierte Untersuchung (bottom-up) nur bedingt zielführend, da sich aus ihr heraus keine Rückschlüsse auch auf andere Arten und/oder die Evolution von menschlichen Persönlichkeitseigenschaften ableiten lasse. Für ihre aktuelle Analyse haben die Wissenschaftler deshalb eine neue Skala entwickelt, die die beiden anderen Skalen kombiniert und 41 Verhaltensbeschreibungen, darunter u.a. Mut, Neid, Freundlichkeit oder auch Geiz gegenüber anderen beinhaltet.


Insgesamt 17 Beobachter haben innerhalb der Studie mehr als zwei Jahre lang sehr eng mit 99 Schimpansen im Alter von 8 bis 48 Jahren zusammengearbeitet. Die meisten dieser Tiere wurden in Gefangenschaft geboren, wurden von ihren eigenen Müttern großgezogen und lebten mindestens zwei Jahre in der Anlage, innerhalb derer sie auch untersucht wurden.


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Die Ergebnisse bestätigten die Vermutungen der Forscher, wonach die Persönlichkeitsbeschreibungen primär vom unterschiedlichen Verhalten der Tiere abhängig waren. Die Forscher konnten auch aufzeigen, dass die Beurteilungen der Beobachter mit ihren eigenen unabhängigen Einschätzungen der Persönlichkeiten der einzelnen Tiere übereinstimmten - es sich also nicht alleine um von den Beobachtern jeweils auf die Tiere projizierte Eigenschaften handelte.


Eine zukünftige Beobachtung und Einschätzung von Schimpansen in Gefangenschaft anhand der erarbeiteten fünf Persönlichkeitsdimensionen könne nun dabei helfen, wichtige Verhaltensvorhersagen der Tiere in bestimmten sozialen Situationen und für den Umgang mit den Tieren zu erstellen, so die Wissenschaftler abschließend.


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