Dienstag, 23. Juli 2013

Harvard-Mediziner: "Kombination zweier Medikamente könnte nahezu alle Arten von Krebs stoppen"


Martin Nowak und Ivana Bozic.
| Copyright: Stephanie Mitchell/Harvard Staff Photographer, harvard.edu

Cambridge (USA) - Mediziner und Mathematiker der Harvard University sind davon überzeugt, den Heiligen Gral der modernen Medizin gefunden zu haben: Ein effektives Behandlungsverfahren gegen die meisten Arten von Krebs.

Wie Professor Martin Nowak und Dr. Ivana Bozic aktuell im Fachjournal "eLife" (DOI: 10.7554/eLife.00747.001) berichten, konnten sie zeigen, dass unter bestimmten Bedingungen die Kombination zweier Medikamente innerhalb einer gezielten Therapie, die zum Ziel hat, die Wachstumsfähigkeit und die Ausbreitung von Krebs zu stoppen, "nahezu alle Arten von Krebs heilen kann".


Allerdings geben die Wissenschaftler zu bedenken, dass es sich nicht um ein vorliegendes Heilmittel an sich, sondern um eine Behandlungsmodell handele: "In gewissem Sinne ist es mit einem Mathematiker zu vergleichen, der zwar berechnen kann, wie man eine Rakete zum Mond schießt, der aber selbst eine solche Rakete nicht bauen und zum Mond schießen kann."



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Das Ausschlaggebende an dem "neuen Weg im Kampf gegen Krebs" sei, die beiden Medikamente zur gleichen Zeit und in Kombination zu verabreichen. "Doch diese Idee widerspricht genau der Art und Weise, wie die meisten Ärzte heutzutage Krebs behandeln (...).


Schon in früheren Studien konnten Nowak und Kollegen zeigen, dass die Nutzung mehrerer Medikamente zur gleichen Zeit wirken kann. Obwohl der so erzielte Effekt zeitweilig wirkt, sei eine Behandlung mit einem Einzelmittel oft zum Scheitern verurteilt, da die Krankheit relativ einfach eine Widerstandsfähigkeit gegen das Einzelmedikament entwickeln könne.


Das nun vorgestellte Therapiemodell von Nowak und Bozic basiert auf der umfangreichen Datenbank des "New York Memorial Sloan-Ketering Cancer Center" anhand derer die Reaktionen von Patienten auf die Behandlung mit einem einzelnen Medikament dokumentiert sind. Auf dieser Grundlage konnten die Wissenschaftler Computermodelle auch für die Wirkungsweise einer Behandlungsmethode mit mehreren Medikamenten erstellen und behandelten dann ebenfalls anhand dieser Modelle eine ganze Reihe "virtueller Patienten", um zu sehen, wie die Krankheit auf die multimedikamentöse Therapie reagiert.


"Für die normale Behandlung mit einem Einzelmedikament wissen wir, dass es zwischen 10 und 100 Plätze im Genom gibt, die wenn sie mutieren, zu einer Widerstandsfähigkeit (gegen das Medikament) führen können", erläutert Nowak. "Das gilt zunächst aber auch für das zweite Medikament. Wenn einige dieser Mutationen sich gleichen, so ist das ein Desaster, denn wenn es auch nur eine einzige Mutation gibt, die beide Medikamente bekämpfen kann, so ist das für den Krebs gut, er wird resistent und die Behandlung wird fehlschlagen. Wir müssen also Medikamente derart entwickeln, dass der Krebs zwei unabhängige Schritte tun muss. Wenn wir das tun können, so haben wir eine sehr gute Chance den Krebs einzudämmen."


"Unsere Simulationen zeigen, dass wirklich die Mehrzahl der Patienten mit der zeitgleichen Behandlung mit zwei Medikamenten geheilt werden können", erläutert Bozic. "Bei Patienten mit besonders großen Krankheitsbildern könnte zudem ein drittes Medikament hinzugefügt werden. Die meisten können aber schon mit zwei Medikamenten geheilt werden."


Jetzt, so die Forscher, müssten die simulierten Medikamente nur noch entwickelt werden. Tatsächlich seien von Pharmaunternehmen bereits eine Anzahl von Strategien entwickelt worden, die verhindern sollen, dass zwei Medikamente anfällig für ein und dieselbe Mutation sind. "Schon jetzt gibt es hier in Cambridge Unternehmen, die daran arbeiten, genau solche Medikamente zu entwickeln", so Bozic. "Es könnte also schon bald rund 100 Therapien geben und das bedeutet, dass es bis zu 10.000 mögliche Kombinationen gibt. Dann hätten wir also ein sehr gutes Repertoire zu Auswahl."


"Ich bin mir sicher, dass wir innerhalb der nächsten 50 Jahre, viele Krebstote vermeiden können", so Nowak abschließend. "Vor 100 Jahren starben viele Menschen noch an bakteriellen Infektionen, die heute geheilt werden können. Heute sterben viele Menschen an Krebs und wir können ihnen noch nicht helfen. Ich bin aber sicher, dass wenn wir diese gezielten Therapien zur Hand haben, wir - wenn auch nicht allen - aber dennoch vielen Menschen helfen können."

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Quelle: harvard.edu
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