Donnerstag, 11. Juli 2013

Homo floresiensis: Weiterer Beleg für "Hobbits" als eigene Menschenart


Der "Liang Bua 1"-Schädel (LB1).
| Copyright: P. Brown


Stony Brook (USA) - Seit ihrer Entdeckung im September 2003 sorgen die Fossilien einer kaum mehr als einen Meter großer Kleinwüchsiger auf der indonesischen Insel Flores für eine bis heute andauernde Kontroverse um die Frage, ob es sich bei den auch scherzhaft als "Hobbits" bezeichneten Flores-Menschen tatsächlich um einen eigene kleinwüchsige Menschenart oder lediglich um krankhaft veränderte Population von modernen Menschen handelte. Eine neue vergleichende Studie stützt nun ein erneut die Vorstellung vom Homo floresiensis als eigene Art der Gattung Homo. Auch aus grenzwissenschaftlicher bzw. kryptozoologischer Sicht, ist die Erkenntnis von Interesse.

Kritiker der Vorstellung von Homo floresiensis als eigene Menschenart verweisen darauf, dass die zusätzlich geringe Größe des Gehirns das Ergebnis verschiedener Krankheiten, vornehmlich Mikrozephalie, das Laron-Syndrom oder der einer Form der Unterfunktion der Schilddrüse sei.


Basierend auf einer neuen digitalen 3D-Analyse der Schädeloberflächen schließt ein internationales Anthropologenteam nun Kleinwüchsigkeit aus Krankheitsgründen beim Homo floresiensis aus.


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Wie die Forscher der US-Universitäten von Stony Brook und Minnesota gemeinsam mit Wissenschaftler Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment an der Universität Tübingen aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI:10.1371/journal.pone.0069119) berichten, untersuchten sie den "Liang Bua 1-Schädel" (LB1) mit Hilfe dreidimensionaler Vermessung (Geometric-Morphometric Untersuchungen) und multivarianter statistischer Berechnungen die Koordinaten der anatomischen Merkmale der Schädeloberfläche und verglichen die Form sowohl mit fossilen Schädeln verschiedener Arten der Gattung Homo als auch mit denen moderner Menschen, die an unterschiedlichen Krankheiten litten, die als Auslöser für Kleinwüchsigkeit bekannt sind.


Durch statistische Analyse ermittelte Unterschiede der Schädel-Oberflächen. Links oben: Gesunder, moderner Mensch; links unten: moderner Mensch mit Mikrozephalie. Oben rechts: LB1 Homo floresiensis; unten rechts: fossiler Schädel der Gattung Homo.
| Copyright/Quelle: stonybrook.edu / uni-tuebingen.de


Die Bilder verdeutlichen, wie viel höher und runder die Hirnschale des modernen Menschen im Vergleich zu den drei Gruppen geformt ist. Der LB1 Schädel ist den fossilen Schädeln weitaus ähnlicher als denen der modernen Menschen.


"Damit liegt eine umfassende Untersuchung der beiden wichtigsten, gegensätzlichen Hypothesen zur umstrittenen Einordnung des Homo floresiensis vor", erläutert Professorin Katerina Harvati von der Universität Tübingen. Die Ergebnisse zeigen, dass der LB1-Schädel größere Übereinstimmungen mit der Gruppe der fossilen als mit den modernen, krankheitsbedingt veränderten Schädeln aufweist. Obwohl die Oberfläche Ähnlichkeiten zu den von Krankheit deformierten Schädeln zeigt, existieren bei LB1 doch zusätzliche Merkmale, die diesen Schädel ausschließlich mit den fossilen Funden verbinden.


"Unsere Ergebnisse erbringen den bisher eindeutigsten Nachweis einer engen Verbindung zwischen Homo floresiensis und den fossilen Überresten der Gattung Homo“, fassen die Autoren die Resultate des Forscherteams zusammen: "Unsere Studie widerspricht der Hypothese, dass es sich bei LB1 um einen anatomisch modernen Menschen handelt, der an einer krankheitsbedingten Veränderung litt, wie sie zum Beispiel durch Mikrozephalie verursacht wird."


Laut der bisherigen Lehrmeinung erreichten die Vorfahren der Flores-Menschen die Insel vor rund einer Million Jahren. Vor etwa 17.000 Jahren sollen die "Hobbits" dann ausgestorben sein. Allerdings vermuten einige Kryptozoologen (Forscher und Wissenschaftler also, die sich mit der Suche nach bislang zwar vielfach in Legenden und von Augenzeugen, nicht jedoch wissenschaftlich beschriebenen und teilweise angeblich schon lange ausgestorbenen Tierarten beschäftigen), dass die bis heute anhaltenden Sichtungen des sogenannten "Orang Pendek", dem "kleinen Waldmenschenschen" auf Sumatra bis heute auf überlebende Flores-Menschen zurückgehen könnten (...wir berichteten, s. Links). Derzeit befindet sich erneut eine Expedition britischer Kryptozoologen auf Sumatra, um weitere Augenzeugenberichte, Indizien und Beweise für die Existenz des Orang Pendek zusammenzutragen.


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