Donnerstag, 4. Juli 2013

Kakadus beweisen technische Intelligenz beim Öffnen von Schlössern


Kakadu "Muppet" löst das Bolzen-Schloss.
| Copyright/Quelle: Auersperg, et al. / univie.ac.at


Wien (Österreich) - In Experimenten ist es einem internationalen Forscherteam erstmals gelungen, die Fähigkeit zum sogenannten "sequenziellen Problemlösen" bei Kakadus zu beobachten: Indonesische Goffini-Kakadus konnten ein komplexes mechanisches Problem in fünf Lösungsschritten entschlüsseln und so eine Nuss aus einer verschlossenen Box erreichen.

Wie die Forscher um Alice Auersperg vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI:10.1371/journal.pone.0068979) berichten, besteht das "sequenzielle Problem-Lösen" darin, eine Aufgabe zu lösen, um dadurch Zugang zu einem anderen Problem zu bekommen, dessen Lösung einem wiederum ermöglicht, zu einer dritten Aufgabe zu gelangen (usw.), um letztendlich ein Ziel zu erreichen. Es gilt als kognitiv höchst anspruchsvoll, da es die Fähigkeit erfordert, sich im Geist räumlich und zeitlich vom begehrten Zielobjekt zu entfernen. Schon zuvor hatten die Forscher um Auersperg erstmals die Fähigkeit der Werkzeugherstellung und -nutzung bei Kakadus beobachtet und dokumentiert (...wir berichteten).


In ihrer aktuellen Studie wurden zunächst untrainierte Kakadus mit einer sogenannten "Lock Box" konfrontiert, in der eine Nuss hinter einem transparenten Fenster lag, das mit fünf verschiedenen Verschlussmechanismen verbarrikadiert war. "Dabei blockiert jedes einzelne Schloss das nächste in der Serie, und jedes erfordert unterschiedliche motorische Handlungen, um geöffnet zu werden", erläutert die Pressemitteilung der Universität Wien. "Um an die Nuss zu kommen, muss der Kakadu zuerst einen Pin ziehen, dann eine Schraube aufdrehen, einen Bolzen entfernen, ein Rad 90 Grad ausrichten und einen Riegel wegschieben."



Originale Konstellation der "Lock Box".
| Copyright/Quelle: Auersperg, et al. / univie.ac.at


Das Kakadu-Männchen Pipin löste dieses Problem in weniger als zwei Stunden ohne zusätzliche Hilfe. Fünf weitere Vögel beherrschten das Öffnen, nachdem sie entweder einem anderen Kakadu beim Öffnen zugesehen oder zunächst jedes Schloss einzeln nacheinander gelöst hatten.



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"Außer im Fall von Werkzeugsets bei Schimpansen gab es bisher keine Berichte von Tieren, die so wie Pipin ohne Vorerfahrung ein fünfteiliges Problem lösen können, bei dem jeder Schritt unterschiedliche Handlungen erfordert", erläutert Auersperg.


Obwohl die Vögel die Belohnung nur erreichen können, nachdem alle fünf Schlösser entfernt sind, räumen die Tiere determiniert ein Hindernis nach dem anderen aus dem Weg. Ihr Fortschritt ähnele dabei einer "kognitiven Rasterung": "Nachdem sie einmal ein Schloss 'geknackt' haben, hat die Mehrheit der Vögel in der Zukunft mit demselben Objekt nie wieder Probleme." Dies deute zumindest im Fall des Kakadus Pipin darauf hin, dass die Vögel eine gewisse Vorstellung des Zieles haben, d.h., dass sie das Verkürzen der Kette an Hindernissen an sich schon als belohnend empfinden.


Motorhandlungen zum Entfernen der einzelnen Schlösser: 1. den Pin an dem oberen Ring packen und nach oben ziehen; 2. die Schraube mit 25-30 aufeinanderfolgenden Auf- und Abbewegungen des Schnabels oder des Fußes aufschrauben; 3. den Schnabel unter den Bolzen stecken und ihn durch den Befestigungsring drücken; 4. das Rad 90 Grad drehen und es dann auf den Körper zu durch den T-Balken ziehen; 5. den Riegel durch die Schlaufe drücken. | Copyright/Quelle: Auersperg, et al. / univie.ac.at

Nachdem die Tiere die gesamte Sequenz beherrschten, untersuchten die Forscher weiter, ob diese einfach eine unflexible Reihe von gelerntem Verhalten durchlaufen oder ob sie den Effekt, den die Schlösser auf die Erreichbarkeit des Futters hatten, verstehen. "Wir haben die sechs erfolgreichen Vögel vor sogenannte 'Transfer Tests' gestellt, in denen Teile der Sequenz unfunktionell gemacht wurden. Zum Beispiel haben wir einzelne Schlösser innerhalb der Struktur entfernt, um zu sehen, ob die Vögel den jetzt ineffektiv gewordenen Teil oberhalb der Lücke auslassen würden. Die Kakadus reagierten spontan sowohl flexibel als auch sensibel auf Änderungen in der Sequenz und Funktion der Schlösser. Sie ließen die meisten irrelevanten Teile aus, sogar wenn die gesamte Konstellation der Schlösser durchgemischt wurde", erklärt die Studienleiterin.


"Wir können natürlich nicht beweisen, dass die Vögel die physikalische Struktur des Problems auf einer Ebene verstehen, wie es erwachsene Mensch tun würden - wir können aber schließen, dass sie fähig sind, ihr Lernen auf ein entferntes Ziel zu organisieren", sagt der Co-Autor der Studie, Alex Kacelnik von der Universität Oxford. Auguste von Bayern vom Max-Plack-Institut für Ornithologie in Seewiesen/Deutschland fügt abschließend hinzu: "Die plötzliche und fehlerfreie Verbesserung der Vögel deutet auf eine extrem ausgeprägte Verhaltensplastizität und praktisches Erinnerungsvermögen hin. Kakadus erforschen ihre Umwelt mit Schnabel, Zunge und Füssen. Wir glauben, dass gewisse Eigenschaften ihrer Spezies, wie ihre starke Neugierde, dabei von Vorteil sind".

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