Mittwoch, 3. Juli 2013

Krokodilhaut verfügt über Supersinn


Nilkrokodil.
| Copyright: Haplochromis, GFDL / CC-BY-SA-3.0


Genf (Schweiz) - Bislang missverstandene multi-sensorische Organe in der Haut von Krokodilen sind für die kombinierte Wahrnehmung von Wärme, Kälte, Berührungen und von Chemikalien in der direkten Umgebung empfindlich. Zu dieser Erkenntnis kommen Schweizer Forscher und stellen fest, dass keine andere Art von Wirbeltieren über derartige Sensoren verfügt.

Wie die Wissenschaftler um Michel Milinkovitch von der Université de Genève aktuell im Fachmagazin "EvoDevo" (DOI:10.1186/2041-9139-4-19) berichten, verfügen die "Panzerechsen" über eine oberste Horn-Hautschicht aus verschiedenen Schichten aus Kollagenfasern, die auf dem Rücken durch Knochenplatten verstärkt wird. Besonders die Platten dieser Hornhauschicht am Kopf ist ungewöhnlich, da diese durch dass Aufbrechen der verhärteten Haut entstehen und ihre Form so also nicht genetisch vorbestimmt wird.


Diese verhärteten Hautplatten sind es denn auch, die eine besondere Form von Sensoren aufweisen, sogenannte "Dome Pressure Receptors (DPR) oder auch "Integumentary Sensory Organs (ISOs), deren Sensibilität in etwa mit der unserer Fingerkuppen vergleichbar ist.


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Durch Untersuchungen an Nilkrokodilen (Crocodylus niloticus) und Krokodilkaiman (Caiman crocodilus) haben die Forscher nun festgestellt, "was" diese Organe wahrnehmen können und wie sie entstehen.


Die ISOs bilden sich demnach am Ende der Entwicklung von Kaiman- und Krokodilsembryos, noch bevor die Haut beginnt schuppenartig aufzubrechen. Während Kaimane die entsprechende Sensorik vornehmlich am Kopf entwickeln, entstehen sie bei den Nilkrokodilen über den ganzen Körper verteilt.


Bei beiden Krokodilarten beinhalten diese Sensoren sowohl mechanische, Temperatur- und chemosensorische Rezeptoren, die den Tieren eine kombinierte Wahrnehmungsfähigkeit für Berührung, Wärme und Kälte sowie chemische Reize - jedoch nicht für den Salzgehalt des Wassers verleihen. (Nilkrokodile "messen" diese Salinität mittels Drüsen auf ihrer Zunge, was ihnen dabei hilft, ihre körpereigenen Osmolarität in stark salzhaltigen Umgebungen zu regulieren.)


Für die Krokodile bedeutet dies, dass sie beispielsweise Druckwellen an der Wasseroberfläche wahrnehmen und dadurch ihre Beute auch bei Dunkelheit zu finden können. Die Temperaturempfindlichkeit nutzen die Tiere zur Regulierung ihrer Körpertemperatur, in dem sie sich entweder zum Aufwärmen in die Sonne legen oder sich im Wasser abkühlen. Die chemische Sensorik, so vermuten die Forscher, könnte den Tieren zur Auswahl geeigneter Lebensräume dienen.


"Die ISO-Sensoren sind wirklich erstaunlich", bemerkt Milinkovitch abschließend. "Nicht nur, dass sie es den Tieren erlauben, unterschiedliche Arten von physischen und chemischen Reizen wahrzunehmen, sondern insbesondere auch, weil es keine vergleichbare Sensorik bei irgendeinem anderen Wirbeltier gibt. Es ist diese Veränderung eines diffusen sensorischen Systems, wie wir es auch in unserer Haut haben, in die ISO-Rezeptoren, die es den Krokodilen ermöglich hat, sich derart schwer zu panzern und trotzdem eine sehr empfindliche Haut beizubehalten."
 

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Quelle: evodevojournal.com, biomedcentral.com
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