Dienstag, 16. Juli 2013

Schottland: Archäologen finden "ältesten Kalender der Welt"


Künstlerische Darstellung der Grubenanlage von Warren Fields in Verbindung zum mittels der Wintersonnenwende mit dem wirklichen Jahreszeitenverlauf synchronisierten Mondjahr (Illu.).
| Copyright/Quelle: University of Birmingham, birmingham.ac.uk


Crathes (Schottland) - Britische Archäologen zeigen sich zuversichtlich, in der schottischen Grafschaft Abderdeenshire den weltweit ältesten Kalender entdeckt zu haben. Die Anordnung von Gruben, die vor rund 10.000 Jahren auf den Warren Fields nahe Crathes angelegt wurde, bildet den Jahreslauf des Mondes ab und wäre damit etwa 5.000 Jahre älter als der bislang älteste bekannte Kalender der vor rund 5.000 Jahren in Mesopotamien entwickelt wurde.

Wie die Forscher um Professor Vince Gaffney von der University of Birmingham und Dr. Richard Bates von der University of St. Andrews aktuell im Journal "Internet Archaeology" (DOI: 10.11141/ia.34.1) berichten, stelle die Fähigkeit der Zeitmessung eine herausragende Errungenschaft dar und werfe ein neues Licht auf die damalige Gesellschaft aus Jägern und Sammlern.


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Erstmals als sogenannte "crop marks" (Bewuchsmerkmale) anhand von Luftaufnahmen entdeckt, graben die Archäologen seit 2004 rund um die Gruben in den Warren Fields. Die Anlage selbst ist zunächst auf den Sonnenaufgangspunkt zur Wintersonnenwende ausgerichtet, wodurch der Landschaftskalender jährlich astronomisch korrigiert werden konnte, um so die Verbindung vom 12 -monatigen Mondjahr mit dem tatsächlichen Jahreszeitverlauf anhand dieses Markers immer wieder neu synchronisieren zu können.

Die Anlage von Warren Fields im der grafischen Rekonstruktion und im Luftbild.
| Copyright/Quelle: University of Birmingham, birmingham.ac.uk


"Die Beweise vor Ort legen nahe, dass die Jäger- und Sammler-Gesellschaften in Schottland sowohl das Bedürfnis als auch die Kenntnis hatten, den Verlauf der Zeit über das Jahr hinweg nachzuvollziehen und um die Drift des Beginns der Jahreszeiten anhand des Mondjahres zu verfolgen und zu berechnen - und das 5.000 Jahre bevor im Nahen Osten die ersten formellen Kalender in Gebrauch kamen", erläutert Gaffney. "Dieser (Landschaftskalender) stellt also einen wichtigen Schritt hin zur Entwicklung formeller Kalender und damit auch der Zeitmessung durch den Menschen dar."


"Es ist beeindruckend, dass Jäger und Sammler schon vor 10.000 Jahren Monumente wie dieses errichtet haben, um damit die Zeit zu messen", fügt Bates hinzu. "Es handelt sich um das (bislang) früheste Beispiel einer solchen Struktur und es gab in den darauffolgenden Jahrtausenden nichts Vergleichbares weder in Großbritannien noch in Europa.



Einige der Gruben von Warren Fields im Detail...



...verbranntes Material deutet daraufhin, dass diese jeweils auch - wie in dieser Illustration - befeuert wurden.
| Copyright/Quelle: University of Birmingham, birmingham.ac.uk


Zwar markiere die Anlage nicht konkrete Mondaufgangspunkte, da deren sich veränderndes Muster viel zu komplex zu berechnen gewesen wäre, doch in Kombination mit anderen Zyklen, konnte der Kalender von Warren Fields zumindest als symbolischer aber auch auf einfache Art praktisch anwendbarer Zeitmesser genutzt werden, um etwa jahreszeitliche Aktivitäten abzustimmen. Während dies bislang zwar schon anhand alltäglicher Beobachtungen durch die Menschen des Mesolithikums angenommen wurde, sei der Fund eines darauf ausgerichteten Monuments zu einer derart frühen Zeit sehr erstaunlich, kommentiert der die Grabungen beratender Archäologie-Professor Emeritus Clive Ruggles den Fund.


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Quelle: birmingham.ac.uk, intarch.ac.uk
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