Samstag, 13. Juli 2013

Science-Studie bestätigt Befürchtungen: Fracking kann Erdbeben auslösen


Grafik zu den Studienergebnissen.
| Copyright/Quelle: motherjones.com / N. v/d Elst et al.


Palisades (USA) - Beim hydraulischen Aufbrechen des Gesteinsuntergrunds, dem sogenannten Fracking, handelt es sich um eine Methode, die zunehmend besonders bei der Erdöl- und Erdgasförderung aber auch in ähnlicher Form bei Geothermiebohrungen zur Anwendung kommt und bei der eine (Abwasser-)Flüssigkeit in den Tiefenuntergrund gepresst wird, um so im Reservoirgestein Risse zu erzeugen, bereits vorhandene aufzuweiten und zu stabilisieren. Schon seit einiger Zeit warnen einige Wissenschaftler jedoch vor unabsehbaren geologisch-seismischen Folgen dieses Verfahrens und sehen neben der Grundwasserverunreinigung mit Schmutzwasser und Chemikalien sogar Hinweise darauf, dass das sogenannte "Fracking" Erdbeben und seismisches Chaos verursachen können. Eine neue Studie erbringt hierfür nun den wissenschaftlichen Beweis.

Wie die Forscher um Nicholas van der Elst vom Earthquake vom Lamont-Doherty Earth Observatory an der Columbia University aktuell im Fachjournal "Science" (DOI: 10.1126/science.1238948) berichten, können Erdbeben in tausenden Kilometern Entfernung Reflex-Beben in Gegenden auslösen, in denen Fracking angewendet wurde und wird.


Schon frühere Studien hatten gezeigt, dass Fracking die seismische Aktivität in einer Region erhöhen kann. Die Fracking-Flüssigkeiten, so die aktuelle Studie, wirken wie ein druckdichtes Kissen, wodurch größere Erdbeben an gänzlich anderen Orten durch die Übertragung der seismischen Wellen auf bis dahin eigentlich stabile Falten kleinere Beben an Ort und Stelle bzw. den Fracking-Regionen hervorrufen können.


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In ihrer Studie analysierten die Wissenschaftler drei große Beben: das Tohuku-oki-Erdbenen in Japan 2011 mit einer Stärke von 9, das Maule-Beben 2010 in Chile mit einer Stärke von 8,8 und das Beben von Sumatra und Indonesien 2012 mit einem Wert von 8,6 auf der Richter-Skala. Kleinere Erdbeben in Fracking-Regionen im Mittleren Westen der USA konnten noch 20 Monate nach den großen Erdbeben auf diese zurückgeführt werden.


Wie van der Elst gegenüber dem US-Politmagazin "Mother Jones" (motherjones.com) berichtete, ist die Erkenntnis allerdings keine wirkliche Überraschung, schließlich sei schon lange bekannt, dass Gegenden mit starkem Flüssigkeitsdruck unter der Oberfläche, wie etwa der Yellowstone Nationalpark, ein Anstieg der seismischen Aktivität in Folge selbst weit entfernter großer Erdbeben aufzeigen. "Wenn dies an Orten mit von Natur aus hohem Flüssigkeitsdruck im Untergrund passiert, so ist es nicht verwunderlich, dass es auch dort passiert, wo der Mensch diesen Druck im Untergrund erhöht", so der Wissenschaftler.


Neu sei nun allerdings, dass Wissenschaftler erstmals eine direkte Verbindung zwischen entfernten Erdbeben und ansteigender seismischer Aktivität an Orten gezogen werden kann, an denen der Mensch den Flüssigkeitsdruck im Untergrund durch Fracking und verwandte Methoden erhöht hat.


Auf die konkrete Studie bezogen konnten die Forscher nachweisen, dass kleinere Beben in der Umgebung von Prague im US-Bundesstaat Oklahoma auf das chilenische Maule-Beben zurückgeführt werden können, während das Japan-Beben und das von Indonesien kleinere Erdstöße im westlichen Texas und im südlichen Colorado verursachte.


- Eine Review der aktuellen Science-Artikel zum Thema durch William L. Ellsworth vom Earthquake Science Center der U.S. Geological Survey finden Sie HIER


- Einen ausführlichen Übersichtsartikel - auch mit Hinweisen zur Situation in Deutschland und Europa finden Sie HIER


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Quelle: sciencemag.org, motherjones.com
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