Donnerstag, 8. August 2013

Delfine erkennen einstige Freunde noch nach mehr als 20 Jahren am Namen


Delfine im Brookfield Zoo nahe Chicago.
| Copyright: Jim Schulz/Chicago Zoological Society


Chicago (USA) - Nachdem erst kürzlich schottische Wissenschaftler nachweisen konnten, dass Delfine sich selbst und gegenseitig an ihrem individuellen Namenspfiff erkennen können (...wir berichteten), belegen nun Studien von US-Forschern, dass die Tümmler sich auf diese Weise auch noch mehr als 20 Jahre nach der Trennung an ehemalige Freunde erinnern können und belegen damit die längste von sozialer Erinnerung überbrückte, bislang nachgewiesene Zeitspanne im Tierreich.

Die erstaunliche Erinnerungsfähigkeit, so berichten die Forscher um Jason Burck von der University of Chicago aktuell im Fachjournal "Proceedings of the Royal Society B", lege nahe, dass Delfine eine komplexe kognitive Ebene erreichen können, wie sie bislang nur bei sehr wenigen Spezies überhaupt - darunter Menschen, Schimpansen und Elefanten - nachgewiesen werden konnte.


Da sich der Namenspfiff der Tümmler ein Leben lang nicht verändert, vermuten die Forscher sogar, dass die Erinnerungsfähigkeit von Delfinen bezüglich der Namenssignaturen ihrer Freunde längerfristiger sein könnte als das Erinnern von Gesichtern bei Menschen.


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In ihrer Studie untersuchten die Biologen Aufzeichnungen zu 53 unterschiedlichen Großen Tümmlern aus sechs unterschiedlichen Aquarien, die jedoch alle einem gemeinsamen Zuchtprogramm von Zoos entstammten. "Diese Art von Studie kann man nur mit in Gefangenschaft aufgewachsenen Delfinen durchführen, über die genaue Daten darüber vorliegen, wann und wie lange die Tiere getrennt wurden", so Bruck.


Durch das Abspielen von Aufnahmen der Namenssignaturen von Artgenossen, mit denen die untersuchten Tiere einst gemeinsame Becken teilten, konnten die Forscher die Reaktion der Delfine darauf beobachten und mit jener vergleichen, die die Tiere zeigen, wenn sie die Namenssignaturen aktueller "Bekannter" wahrnehmen. Als Kontrollgruppe für diese Beobachtungen dienten den Wissenschaftlern Aufzeichnungen der Namenspfiffe von Delfinen, die die untersuchten Tiere nicht kannten.


"Wenn die Delfine einen Artgenossen hören, den sie kennen, so nähern sie sich recht schnell dem Unterwasserlautsprecher, umspielen diesen und pfeifen zurück" erläutert Bruck. Handelt es sich um einen fremden Namensruf, so sind die Tiere merklich zurückhaltender.


Angesichts der "Namen" ihrer einstigen Bekannten und Freunde, reagierten die Delfine nun jedoch genau so, wie wenn ihnen die Rufe aktueller Freunde vorgespielt wurden - selbst dann, wenn die Trennung der Tiere vor mehr als 20 Jahren stattfand. Während Delfine in freier Wildbahn etwa zwanzig Jahre alt werden, gibt es - gerade in Gefangenschaft - auch Fälle, in denen Delfine ein Alter von bis zu 45 Jahren erreicht haben.


Wozu die Tiere dieses Erinnerungsvermögen jedoch benötigen, wissen die Forscher bislang noch nicht. Allerdings sei es faszinierend zu sehen, dass sich dieses Erinnerungsvermögen sowohl bei Säugetieren an Land als auch im Wasser und bei einer Nicht-Primatenart entwickelt habe. "Das ist ein großartiges Beispiel für konvergente Evolution."


Auch werfe das Studienergebnis erneut die Frage auf, wie ähnlich die Delfinnamen den menschlichen Namen sind und wie sich Delfinsprache und menschliche Sprache ähneln. "Wir wissen, dass Delfine ihre Pfeifsignaturen wie Namen benutzen. Was wir aber noch nicht wissen ist, ob diese 'Namen' auch im Bewusstsein der Tiere die gleiche Bedeutung einnehmen, wie menschliche Namen in unserem", so Bruck abschließend. "Bislang wissen wir noch nicht, ob die Namenssignatur auch mit einem Bild von dem jeweiligen Delfin im Geiste des Delfins einhergeht." Genau dieser Frage wollen sich Bruck und Kollegen in ihren nächsten Untersuchungen widmen.


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