Donnerstag, 22. August 2013

Planeten können auch ohne Sterne entstehen

 
Auch diese kleinen Gas- und Staubwolken im Rosetta-Nebel können zu Planeten und Brauen Zwergsternen kollabieren. | Copyright: Canada-France-Hawaii Telescope / 2003 and ESO/M. Mäkelä

Göteborg (Schweden) - Schon lange ist bekannt, dass bis zu 200 Milliarden Planeten, losgelöst von einem Stern alleine und frei durchs die Milchstraße ziehen. Bislang gingen Astrophysiker jedoch davon aus, dass es sich bei diesen Einzelgängern um Planeten handelt, die aufgrund von Schwerkraftinteraktionen aus ihren einstigen Heimat-Systemen um ein Zentralgestirn heraus katapultiert wurden. Jetzt belegen schwedische und finnische Astronomen, dass solche Planeten auch völlig unabhängig von einem Zentralgestirn entstehen und damit sozusagen völlig frei geboren werden können.

Wie die Forscher um Gösta Gahm von der Stockholm Universitet aktuell im Fachjournal "Astronomy & Astrophysics" (DOI: 10.1051/0004-6361/201321547) berichten, haben sie im rund 4.600 Lichtjahre von der Erde im Sternbild Einhorn (Monoceros) entfernt gelegenen Rosetta-Nebel, kleine runde und kalte Gas- und Staubwolken beobachtet (s.Abb.), untersucht und festgestellt, dass diese Objekte alle die für die Entstehung von Planeten notwendigen Eigenschaften besitzen. Hierzu nutzten die Forscher das 20-Meter-Teleskop des Onsala Space Observatory, das APEX-Teleskop in Chile und das Infrarot "New Technology Telescope" (NTT) der Europäischen Südsternwarte ESO.


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"Der Rosetta-Nebel ist die Heimstätte von mehreren Hundert dieser kleinsten Wolken, den sogenannten Globuletten", erläutert Gahm. "Sie sind sehr klein, haben einen Durchmesser von weniger als dem 50-fachen Abstand zwischen Sonne und Neptun. Schon zuvor konnten wir bestimmen, dass die meisten dieser Wolken etwa die Masse von großen Gasriesen aufweisen - etwas weniger als das 13-fache der Masse unseres Jupiter. Jetzt liegen uns noch genauere Daten über Masse und Dichte dieser Wolken vor und wir konnten auch genau nachmessen, wie schnell sich diese Objekte im Verhältnis zu ihrer Umgebung bewegen."


Demnach, so führt der Wissenschaftler weiter aus, sind die Globuletten sehr dicht und kompakt und viele besitzen einen noch dichteren Kern. "Das sagt uns, dass viele dieser Wolken unter ihrem eigenen Gewicht kollabieren werden und so freie Planeten bilden können. Die massereichsten dieser kleinen Wolken können sogar zu sogenannten Braunen Zwergen, also Objekten zwischen Gasriesen und Sternen, werden", erläutert Carina Persson von der Chalmers Tekniska Högskola.



Künstlerische Darstellung des sonnenlosen, frei beweglichen Planeten "CFBDSIR J214947.2-040308.9" (Illu.).
| Copyright: ESO/P. Delorme

Die Studie zeigt zudem, dass sich die kleinen Wolken mit einer Geschwindigkeit von rund 80.000 Kilometern pro Stunde aus dem Rosetta-Nebel heraus bewegen. "Wir glauben, dass diese kleinen runden Wolken aus den großen staubigen Gassäulen herausgebrochen sind, die von der intensiven Strahlung junger Sterne geformt wurden. Sie wurden durch den Druck der Strahlung heißer Sterne im Zentrum des Nebels beschleunigt, fügt Minja Mäkelä, Astronom an der Universität von Helsinki, erläuternd hinzu.


Laut Gösta Gahm und Kollegen gab es in der Geschichte der Milchstraße unzählige derartiger Nebel, in denen sich wahrscheinlich ähnliche Vorgänge abgespielt haben. "Wenn diese kleinen Wolken Planeten und Braune Zwerge bilden, so würden diese wie Pistolenkugeln aus dem Nebel hinaus in den freien Raum geschossen werden. Es gibt so viele dieser Globuletten, sodass sie eine der Hauptquellen freier Einzelgängerplaneten sein könnten, wie sie seit einigen Jahren immer häufiger entdeckt werden", so Gahm abschließend.


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Quelle: chalmers.se
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