Dienstag, 20. August 2013

Zwei weitere Theorien sehen in Göbekli Tepe einen astronomischen Tempel

 
Blick auf die Ausgrabungen von Göbekli Tepe. | Copyright: Teomancimit, CC-BY-SA-3.0, via Wikimedia Commons

Göbekli Tepe (Türkei) - Die erst in den 1990er Jahren ausgegrabene megalithische Anlage von Göbekli Tepe nordöstlich der türkischen Stadt Sanliurfa gilt mit einem Alter von mindestens 12.000 Jahren als ältester bekannter Tempel der Menschheit. Zwei neue Theorien sehen in dem erstaunlichen Bauwerk jedoch nicht nur eine megalithische Struktur sondern auch das erste astronomische Observatorium. Während eine Theorie glaubt, dass der "bauchige Hügel", so die deutsche Übersetzung des Namens, nach dem Stern Sirius ausgerichtet ist, vermutet eine andere, dass der Tempel in Richtung des Sterns Deneb im Sternbild Cygnus (Schwan) und so zur Öffnung der Milchstraße weist.

Das Zentrum mehrerer Steinkreise bilden zwei aufwendig verzierte und parallel gegeneinander ausgerichtete T-förmige Steinpfeiler (s.Abb.). Sowohl diese Zentralpfeiler als auch viele Steine der sie umgebenden Steinkreise sind mit Darstellungen wilder Tiere verziert, darunter Füchse, Katzen, Wildschweine, Spinnen, Raubvögel, Schlangen und Skorpione. Die Anlage gleicht eigentlich am ehesten ähnlichen Bauwerken auf Menorca. Allerdings: Gobekli Tepe wurde bereits rund 8.000 Jahre vor (!) diesen errichtet.


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Wie der Architekt Giulio Magli vom Politecnico di Milano vorab auf "ArXiv.org" berichtet, habe er die bislang ausgegrabenen Anlage archaeo-astronomisch analysiert und sei zu dem Schluss gekommen, dass Göbekli Tepe nicht nur in Richtung des auch als Hundsstern bezeichneten Doppelsterns Sirius ausgerichtet, sondern möglicherweise sogar alleinig zu dem Zweck errichtet wurde, den damals "neuen" und extrem hellen Stern am Nachthimmel zu beobachten.


 
Der Sternenhimmel über Göbekli Tepe gegen 9100 v.Chr. mit dem aufgehenden "neuen" Stern Sirius (Mitte) einige Tage vor der Sommer-Sonnenwende. | Copyright/Quelle: G. Magli

Schon zuvor hatten andere Autoren festgestellt, dass ein rechteckiges Gebäude auf Göbekli Tepe nach den vier Kardinalpunkten der Himmelsrichtungen ausgerichtet wurde und vermutet, dass die Anlage auf den Aufgangspunkt der Sterne des Oriongürtels ausgelegt sein könnte. Wiederum andere Autoren sehen eine Ausrichtung auf den Stern Deneb im Sternbild Schwan (s. unten).


"Beide Interpretationen sind, wenn auch nennenswert, jedoch nicht überzeugend", so Magli und erläutert weiter, dass eine Ausrichtung auf Orion (und Deneb) - und damit eine nördliche Ausrichtung - für vergleichbare Tempelanlage doch eher ungewöhnlich sei und verweist auf Bauten auf Malta, Menorca, griechische und christliche Tempel, die statt dessen südöstlich ausgerichtet sind.


Alternativ zeigt Magli ein "Sternenziel" auf, das bislang übersehen wurde. Anhand einer Simulation des Sternenhimmels über Göbekli Tepe vor 12.000 Jahren (s.Abb.o.) zeigt der Forscher, dass damals die "Geburt eines 'neuen' und zugleich vierthellsten Sterns am Himmel zu beobachten war: Sirius.


"Tatsächlich führte die Präzession (also die Ausrichtung der Erdachse) für den Breitengrad von Göbekli Tepe dazu, dass Sirius etwa 15.000 v. Chr. Unter dem Horizont verschwand - also am Nachthimmel von hier aus nicht zu sehen war. Nach dem Erreichen des Minimums kam Sirius dem Horizont dann aber wieder näher und wurde gen 9300 v.Chr. tief über dem Horizont stehend wieder als 'neuer' und besonders heller Stern von Göbekli Tepe aus sichtbar."


Da seine bisherigen Berechnungen lediglich auf von vorhandenen Karten und Satellitenaufnahmen basieren, seien nun Vorort-Messungen der genauen Ausrichtung der Megalithen und des Horizonts notwendig, um diese noch genauer zu überprüfen. Auch die bislang ungenaue Chronologie der Errichtung der einzelnen Elemente der Anlage seien ein Unsicherheitsfaktor der Sirius-Theorie.


Zugleich sieht Magli in den Tierdarstellungen auf den Steinen einen möglichen weiteren Ansatz für eine astronomische Deutung: "Vielleicht handelt es sich hierbei um die symbolische Abbildung von Sternbildern. (...) Erstaunlicher Weise weist die am aufwendigsten verzierte Stele von Göbekli Tepe einen oberen Teil auf, in dem drei 'Taschen' abgebildet sind, die den drei 'Häusern des Himmels' gleichen, wie sie - wenn auch erst wesentlich später - in Babylon verwendet bzw. dargestellt wurden." Auch eine Darstellung eines aufsteigendes Raubvogel mit kugeln über den Schwingen sei auf einer Stele zu sehen, die auf den Aufgangspunkt der Sommer-Sonnenwend-Sonne ausgerichtet sei und entspreche dieser damit symbolisch, könne aber auch den Aufgang des neuen Sterns Sirius abbilden.


- Den Artikel von Magli finden Sie HIER


Im Gegensatz dazu vertreten Andrew Collins und Rodney Hale in ihrer selbstpublizierten Analyse den Standpunkt, dass eben nicht Göbekli Tepe südöstlich, sondern gen Norden ausgerichtet sei. Somit ergebe sich mit dem Stern Deneb im Sternbild Schwan ein "sehr viel passender Kandidat" für eine astronomische Ausrichtung der Anlage. "Deneb ist der hellste Stern im Sternbild Schwan und markiert so die Öffnung des Großen/Dunklen Grabens (Dark Rift) der Milchstraße, die wiederum in frühen Zeiten weltweit als Eingang in die Himmelswelt gedeutet wurde." Auch Colins und Hale sehen in den Tierdarstellungen einen Schlüssel für Ihre Deutung. Über eine Himmelskarte des Großen(Dunklen) Grabens der Milchstraße gelegt, decken sich für sie die Darstellung des aufsteigenden bereist beschriebenen Raubvogels mit der des Sternbildes Schwan (Cygnus) aber auch mit der eines darunter abgebildeten Skorpions und dessen himmlischer Entsprechung (s. Abb.).


 
Abbildungen eines aufsteigendes Raubvogels und eines Skorpion decken sich mit den Sternbildern Schwan und Skorpion, wie sie gegen 9400 v. Chr. von Göbekli Tepe zu sehen waren. | Copyright: Collins u. Hale

"Für uns ist klar, dass Sirius wahrscheinlich nicht das Hauptaugenmerk der Erbauer der ersten Monumente von Gobekli Tepe war. (...) Stattdessen hätte Deneb und das Dark Rift im Norden zudem eine große symbolische Bedeutung für die überweltlichen Rituale, wie sie von den Menschen des Neolithikums im Nahen Osten praktiziert wurden."


- Den Artikel von Andrew Collins und Rodney Hale finden Sie HIER


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