Freitag, 20. September 2013

Aktuelles Mars-Leben wieder unwahrscheinlicher: NASA-Rover Curiosity findet wider erwarten kein Methan auf dem Mars


Archiv: Aus 55 Einzelaufnahmen der "Arm-Camera" zusammengestelltes Selbstportrait des Mars-Rovers "Curiosity". | Copyright: NASA/JPL-Caltech/Malin Space Science Systems

Washington (USA) - Messdaten der mobilen Laboreinheit "Curiosity" der aktuellen NASA-Marsmission "Mars Science Laboratory" (MSL) belegen, dass es in der Atmosphäre des Roten Planeten offenbar - wenn überhaupt - deutlich weniger Methan gibt, als bislang anhand früherer Messungen angenommen wurde. Der Grund für die dramatisch unterschiedlichen Messergebnisse ist für die Wissenschaftler derzeit noch ein Rätsel. Zugleich stellt der Negativ-Nachweis bisherige Hoffnungen in Frage, dass es auch heute noch aktive, Methan erzeugende Mikroben auf dem Mars geben könnte.

Curiosity, so berichtet die NASA, habe ausführlich nach Spuren von Mars-Methan gesucht. Schließlich sei die Frage, ob die Marsatmosphäre Spuren des Gases enthalte nicht zuletzt deshalb von besonderem Interesse, weil Methan ein potentieller Biomarker, also ein Anzeichen für biologische Aktivität auf dem Mars sein könnte. Während das Gas zumindest auf der Erde hauptsächlich durch biologische Prozesse erzeugt wird, könnte das Methan auch durch nicht-biologische Prozesse entstehen.


"Diese Erkenntnis wird dabei behilflich sein, die Möglichkeit von Leben auf dem Mars zu untersuchen und neu einzuschätzen", erläutert der leitende MSL-Wissenschaftler Michael Meyer: "Die neuen Messwerte reduzieren die Wahrscheinlichkeit von derzeit auf dem Mars lebenden und Methan erzeugenden Mikroben. Allerdings wissen wir ja schon von der Erde, dass es viele Mikrobenarten gibt, die kein Methan erzeugen." Die Abwesenheit des Gases schließe also mikrobische Aktivität nicht grundsätzlich aus.


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Seit Oktober 2012, so berichten die Forscher um Chris Webster vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA in der aktuellen Ausgabe des "Science Express", habe der Rover insgesamt sechs Mal gezielt nach Methan in der Marsatmosphäre gesucht. In allen Fällen konnten jedoch keine Spuren des Gases gefunden werden. Anhand der Möglichkeiten der eingesetzten Instrumente haben die NASA-Wissenschaftler errechnet, dass Methan in der Marsatmosphäre nur zu 1,3 Teilen pro Milliarden vorhanden ist.



Demonstration der Messungen des Tunable-Laser-Spektrometers an Bord des NASA-Marsrovers "Curiosity". | Copyright: NASA/JPL-Caltech

"Es wäre wirklich faszinierend gewesen, auf dem Mars Methan zu finden. Allerdings haben wir ein großes Vertrauen in unsere Instrumente und Messungen, mit denen wir trotz wiederholter Messungen während des Mars-Frühlings bis in den späten Mars-Sommer hinein, kein Methan finden konnten", so Webster.


Frühere von der Erde und aus dem Marsorbit heraus durchgeführte Messungen hatten Methankonzentrationen von bis zu 45 Teilen pro Milliarden auf dem Mars geortet und so eine kontroverse Debatte um die mögliche biologische Herkunft des Gases entfacht (...wir berichteten, s. Links). Die neuen Messdaten von Curiosity können derartige Werte nun jedoch bei Weitem nicht bestätigen - selbst wenn man davon ausginge, dass das Methan über den gesamten Planeten hinweg seither global verteilt worden wäre.


Aus diesem Grund stehen die NASA-Wissenschafter denn auch vor einem Rätsel: "Es gibt keine bekannte Art und Weise, wie Methan so schnell aus der Atmosphäre verschwinden sollte", erläutert die Mitautorin der Studie Sushil Atreya von der University of Michigan. "Methan würde mindestes einige hundert Jahre in der Marsatmosphäre verbleiben. Ohne einen (bislang unbekannten) Weg, das Methan aus schneller aus der Atmosphäre des Mars herauszunehmen, legen unsere Messwerte nahe, dass auch nicht viel Methan in die Atmosphäre hineingegeben wird - weder durch Mechanismen wie Biologie, Geologie noch durch den von UV-Licht verursachten Zerfall organischer Stoffe, die durch Einschläge von Meteoriten oder interplanetare Staubteilchen auf den Mars gelangen."


Die höchste Konzentration von Marsmethan, wie sie den Sensoren der Curiosity-Instrumente entgehen könnte, läge bei 10 bis 20 Tonnen pro Jahr, die auf letztere Weise – also mit Meteoriten und interstellarem Staub in die Marsatmosphäre gelangt sein müssen. Dieser Wert liegt aber immer noch um das 50-Millionenfache unter jener Rate von Methan, das auf vergleichbare Weise in die Erdatmosphäre eindringt.


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Quelle: NASA
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