Montag, 23. September 2013

GreWi-Interview: Hirnaktiviät jenseits der EEG-Nulllinie - Belege für das Über-Sinnliche?


Künstlerische Interpretation der EEG-Flatline (Illu.). | Quelle: grewi.de

Saarbrücken (Deutschland) - Erst vor wenigen Tagen berichtete "grenzwissenschaft-aktuell.de" über die erstmalige Entdeckung von Signalen von Gehirnaktivität auch jenseits der mittels Elektroenzephalografie (EEG) fortdauernd gemessenen flachen Kurve bzw. isoelektrischen Nulllinie (Flatline). Im E-Mailinterview mit einem der Entdecker der "Signale aus der Stille", Dr. Florin Amzica von der University of Montreal, kommentiert dieser Spekulationen darüber, dass die Entdeckung auch ein Schlüssel für einige grenzwissenschaftliche Fragestellungen und Phänomene liefern könnte.

GreWi: Herr Dr. Amzica, bislang galt die mittels Elektroenzephalografie (EEG) fortdauernd gemessene "Flatline" als Zeichen gänzlich fehlender Hirnfunktionen bei Komapatienten, für den sogenannten Hirntod. In welcher Art und Weise könnten Ihre Ergebnisse - wenn überhaupt - zur kontroversen Diskussion über die Frage beitragen, was und wie hirntote Komapatienten trotz ihres Zustandes ihre Umwelt wahrnehmen können?


Dr. Amzica: Ich hoffe, dass unsere Ergebnisse zu gar keiner Kontroverse beitragen. Derzeit zeigen die Ergebnisse lediglich eine neue Wirklichkeit, nach der das Gehirn tiefere Komazustände überstehen kann, als bislang gedacht.


Dr. Florin Amzica | Copyright/Quelle: medent.umontreal.ca

Der Umstand, dass das Gehirn Zustände jenseits der isoelektrischen EEG-Flatline überleben kann, bedeutet aber auch nicht automatisch, dass dies auch immer so geschieht.


Wir zeigen zudem, dass wenn man richtig vorgeht, das Hirn in einen Zustand des tiefsten Komas übergehen kann und das dieser Zustand vollständige reversibel ist.


GreWi: Wären also Wahrnehmungen der Patienten in diesem Zustand vorstellbar?


Dr. Amzica: Da unsere Hauptschlussfolgerungen auf unseren Studien an Tieren (Katzen) basieren, ist es nicht möglich, daraus Schlussfolgerungen über deren Wahrnehmungen zu ziehen.


Aus meiner persönlichen - also nicht mit der aktuellen Studie verbundene - Meinung heraus würde ich aber sagen, dass es kaum bis gar keine Hinweise darauf gibt, dass das Gehirn von hirntoten Patienten die sie umgebenden Realität wahrnehmen kann. Bislang ist noch kein hirntoter Patient aus diesem Zustand erwacht, um davon zu berichten. Es gibt zwar einige Patienten, bei denen fälschlicherweise der Hirntod diagnostiziert wurde und die aus ihrem Komazustand erwacht sind, doch - und das möchte ich betonen - handelte es sich in diesen Fällen nicht um wirklich Hirntote, weshalb sich eine falsche Darstellung ergab.


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GreWi: Können Sie vor diesem Hintergrund den Hirntod kurz skizzieren?

Dr. Amzica: Der Hirntod bedeutet, dass die Neuronen und Nervenzellen tot sind. Soweit wir derzeit wissen, ist der neuronale Tod irreversibel. So viele neue Zellen auch erzeugt werden könnten, es würde nie ausreichen, um ein vollständig arbeitendes Gehirn inklusive Erinnerungen neu zu erschaffen.


Es ist allerdings möglich, dass ein Patient, der aus einem Koma erwacht, die Illusion von Erinnerungen vergleichbar mit Träumen erlebt. Allerdings bin ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht in der Lage an mehr als das zu glauben - zumindest nicht auf der Grundlage dessen, was ich bislang verstehen kann.


GreWi: Glauben Sie, dass Ihre Ergebnisse vielleicht auch zu einem besseren Verständnis einiger Phänomene beitragen können, die heute noch als "paranormal" bezeichnet werden - etwa von Patienten die von sogenannten außerkörperlichen Wahrnehmungen oder Nahtoderfahrungen berichten?


Dr. Amzica: Auch hier muss ich im Sinne Ihrer Frage vielleicht enttäuschen. Aber ich kann mich nicht auf derartig spekulative Interpretationen (unserer Ergebnisse) einlassen.


Derartige Erfahrungen könnten, wie schon zuvor erläutert, auf falschen Wahrnehmungen beruhen, die während der Rückkehr aus verschiedenen Komazuständen erzeugt werden. Zudem erscheint es mir möglich, dass einige narkotisierte Patienten (iatrogenes Koma) den Anästhetika widerstehen und dadurch Teile der sie umgebenden Wirklichkeit weiterhin wahrnehmen.


GreWi: Besten Dank Herr Dr. Amzica für ihre Zeit und Ausführungen.


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Signale aus der Stille - Forscher beobachten erstmals bislang unbekannte Hirnaktivität jenseits der EEG-Flatline 19. September 2013

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