Dienstag, 3. September 2013

"Heuteufel" in Südengland gefilmt

 
Der "Hay Devil" in Aktion. Standbild aus dem Video. | Copyright: Kevin Farndell, youtube.com

Dummer (England) - Während eines Spaziergangs wurde in der vergangenen Woche ein Anwohner des Dörfchens Dummer in der südenglischen Grafschaft Hampshire Zeuge eines bislang nur selten beobachteten Naturschauspiels, das möglicherweise auch Querverweise zur Entstehung von Kornkreisen zulässt.

Laut einem Bericht der BBC war Kevin Farndell gerade auf einem Spaziergang entlang der erst kürzlich geernteten Felder, als er plötzlich umherwirbelndes Stroh am Himmel bemerkte und geistesgegenwärtig zur Handykamera griff.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Was Farndell auf Video festhalten konnte war ein sogenannter "Hay Devil". Hierbei handelt es sich um kleine Wirbelwinde, bzw. Windhosen, wie sie - meist in kleinerer Ausführung - oft im Sommer auch über staubigen Straßen beobachtet werden können. Sie entstehen in der Regel, wenn sich der Boden stark erwärmt und die warme Luft aufsteigt. Entsteht ein solcher Wirbel über einen frisch geernteten Feld mit Stroh oder Heu, so können entsprechende "Heuteufel" entstehen, die das lose Material - ähnlich einem Mini-Tornado - emporwirbeln. Obwohl es sich also um ein gewöhnliches und Naturphänomen handelt, wurden derartige Heu-Windhosen jedoch erst vergleichsweise selten beobachtet, geschweige denn direkt auf Video dokumentiert.

BBC-Bericht über Kevin Farndells Videos


Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

Zudem vermuten auch einige Kornkreisforscher, dass in solchen Wirbeln ein Schlüssel zum Verständnis zumindest einiger Beispiele von Kornkreisen liegen könnte. "Ähnlich wie ein Tornado bewegen sich auch diese kleinen Wirbel meist entlang der Temperaturgrenzen in einer oft chaotisch verlaufenden Bahn übers Gelände", erläutert der deutsche Kornkreisforscher und Sachbuchautor Andreas Müller (kornkreise-forschung.de). "Das lässt aber natürlich noch keine sauber abgegrenzten Kornkreise entstehen, sondern hinterlässt (wenn überhaupt) eine kleine Schneise."


 
Deutlicher Unterschied zwischen dem Spur, die wahrscheinlich von einer Windhose ins Feld gezogen wurde (l.), die einem einen bereits zuvor vorhandenen Kornkreis (Golden Ball Hill, Wiltshire, England, 2005) tangiert. | Copyright:Peter R. Sorensen

Anders sehe es jedoch aus, wenn ein solcher Wirbel stationär entstünde und sich auch derart stationär austobe: "Dann braucht es nicht viel Fantasie, um sich - gerade angesichts des aktuellen Videos - vorzustellen, dass das Ergebnis eines solchen Vorgangs in einem Kornfeld einen einfachen verwirbelten Kreiseindruck hinterlassen könnte", so Müller weiter. "Damit könnten dann also zumindest einige der einfachen Einzelkreise erklärt werden. Interessanterweise erscheint mir der Durchmesser des bei Dummer gefilmten Heuteufels geschätzt bei etwa 10 Metern+/- zu liegen. Damit entspricht er durchaus den Größen vieler derartiger Einzelkreise. Solche Theorien wurden tatsachlich schon von einigen der ersten Kornkreisforscher - allen voran von dem Meteorologen Dr. Terence Meaden - formuliert." Als Erklärung für die komplexen geometrischen Muster diene ein solcher Windteufel alleine aber natürlich noch nicht, erläutert der Forscher weiter.


"Allerdings gibt es auch Augenzeugenberichte von Entstehungen geometrisch komplexerer Kornkreisformationen, bei welchen die Zeugen windhosenartige Luftwirbel gesehen haben wollen, die die Muster regelrecht ins Feld gezeichnet haben sollen."


In seinem Buch "Kornkreise - Geometrie, Phänomene, Forschung" (AT Verlag, 2001; S. 54/55) beschreibt Müller genau eine solche Augenzeugenbeschreibung ausführlich (S. X):

"(...) Dann ganz plötzlich bemerkte ich etwa 25 Meter zu meiner Linken im Feld eine etwa 3 Meter breite Luftsäule, in der die Pflanzen gegen den Uhrzeigersinn niedergewirbelt wurden und welche sich langsam zu einer Verwirbelung von etwa 18 Meter Höhe auftürmte. Einen Augenblick später entstanden nacheinander vier weitere Säulen in 90-Grad-Abständen um den Zentralwirbel verteilt, alle etwa 15 Meter im Durchmesser und in gleichen Abständen von etwa zwei Metern vom zentralen Wirbel entfernt. Nun jedoch im Uhrzeigersinn wirbelnd.
Grafische Rekonstruktion des von den fünf Windwirbeln hinterlassenen Kornkreismuster im Juni 1943 nahe Welspang in Schleswig-Holstein. | Copyright: A. Müller, kornkreise-forschung.de
Eine der Säulen erstarb kurz danach, während die anderen ebenfalls emporstiegen und in etwa 18 Meter Höhe mit dem zentralen Luftwirbel zusammengingen. Als sich die Spitzern berührten, begann sich das Gebilde kräftig zu drehen und umherzuwirbeln, um dann in einem einzigen sich ausweitenden Luftwirbel nach oben zu verschwinden. Nach etwa 80 Metern es für meine Augen nicht mehr zu sehen. Was blieb war eine leichte Briese aus verschiedenen Richtungen und der deutliche Abdruck dreier klar definierter und eines leicht verkümmerten Satellitenkreises um einen großen Zentralkreis."
Für den Kornkreisforscher sind Fälle wie diese Indizien dafür, dass einige Kornkreise - und dabei nicht nur die einfachen Einzelkreise, sondern auch (wie im beschriebenen Fall geometrisch geordnete Kreisanordnungen) genau auf diese oder zumindest sehr ähnliche Weise entstehen (können): "Allerdings stellt sich dabei die wichtige Frage, wie es dabei zur geometrischen Formbildung kommt. Bildhaft gesprochen, wären solche Windwirbel dann sozusagen der Pinsel, der das Getreide in die Formen fegt. Angesichts geometrisch komplexerer Kornkreise bleibt dann die Frage offen, wer oder was diesen Pinsel führt?"

...Weitere Aufnahmen von "Heuteufeln"


 
Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten

 
Klicken Sie auf die Bildmitte, um das Video zu starten


Bücher zum Thema:

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de

Quellen: BBC, kornkreise-forschung.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE