Freitag, 20. September 2013

Studie: Erde könnte noch mind. weitere 1,75 Milliarden Jahre lebensfreundlich sein

 
Künstlerische Darstellung eines lebensfreundlichen, erdähnlichen Planeten. | Copyright: grewi.de

Norwich (England) - Der Planet Erde kann noch weitere 1,75 Milliarden Jahre lebensfreundliche Bedingungen aufrecht erhalten. Zu dieser Schlussfolgerung kommen britische Astrobiologen, die ein Modell für Dauer der habitablen - also lebensfreundlichen - Phasen von Planeten erarbeitet haben.

Wie die Forscher um Andrew Rushby von der University of East Anglia aktuell im Fachjournal "Astrobiology" (DOI: 10.1089/ast.2012.0938) erläutern, basieren die errechneten Schätzwerte auf Analysen der sogenannten "habitablen Zone", also jener Abstandsregion innerhalb derer ein Planet sein Zentralgestirn umkreisen muss, damit aufgrund gemäßigter Temperaturen Wasser in flüssiger Form - und damit die Grundlage zumindest des irdischen Lebens - auf der Planetenoberfläche existieren kann.


In einem nächsten Schritt nutzen die Wissenschaftler Modelle zur Sternentwicklung, um so das Ende der habitablen Lebenszeit eines Planeten anhand jenes Zeitpunkts zu bestimmen, ab dem er seinen Stern nicht mehr länger innerhalb dessen habitabler Zone umkreist.



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"Für die Erde ergibt sich daraus, dass die Lebensfreundlichkeit irgendwann in 1,75 bis 3,25 Milliarden Jahre ausläuft", so Rushby. Danach wird die Erde sich außerhalb der habitablen, in der sogenannten heißen Zone befinden, innerhalb derer die Temperaturen derart ansteigen, das jegliches Wasser verdampfen wird. "Diesen Zeitpunkt betrachten wir als das absolut finale Ausrottungsereignis für jegliche Lebensformen auf der Erde."


Tatsächlich, so betonen die Forscher, werden die Bedingungen für Menschen und andere komplexe Lebensformen schon sehr viel früher lebensfeindlich. Dieser Zeitpunk werde natürlich durch den von Menschen herbeigeführten Klimawandel noch beschleunigt: "Schon ab vergleichsweise kleinen Temperaturanstiegen wird es etwa für uns Menschen brenzlig. Am Ende werden dann irgendwann nur noch Mikroben die letzten Ökonischen besetzten und der zunehmenden Hitze standhalten können."


"Blicken wir in etwa um diese Zeitspanne zurück, so sehen wir, dass es damals gerade einmal zelluläres Leben gab. Insekten entstanden vor rund 400 Millionen Jahren. Die Dinosaurier regierten 100 Millionen Jahre später und Blumen gibt es erst seit 130 Millionen Jahren. Der anatomisch modernen Mensch durchstreift und besetzt erst sei etwa 200.000 Jahren die Landschaften. Diese Zeitleiste veranschaulicht, wie lange es dauert, bis intelligentes Leben entsteht."


Die auf einem Planeten zur Verfügung stehende Zeitspanne mit lebensfreundlichen Bedingungen ist aus Sicht der Astrobiologen von besonderer Bedeutung - offenbart sie doch am Beispiel der Erde ob auf einem Planeten überhaupt komplexes und nicht zuletzt intelligentes Leben entstanden sein könnte.


Natürlich sei Evolution immer auch eine Glücksfrage, so die Forscher. "Dennoch wissen wir, dass intelligentes Leben nicht binnen einiger weniger Millionen Jahre entstehen kann, da es auf der Erde ganze 75 Prozent der bisherigen Lebensspanne des Planeten gedauert hat, bis sich intelligentes Leben entwickelt hatte. Auf anderen Planeten dürfte es - so glauben wir zumindest - ähnlich sein."


Bislang wurden rund 1.000 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems astronomisch eindeutig identifiziert. Einige dieser Planeten wurden auch von den Wissenschaftlern aus Norwich untersucht. "Hierbei haben wir die Erde mit acht anderen Planeten verglichen, die sich derzeit (noch) in ihrer habitablen Phase befinden - darunter auch den Mars. Wir haben entdeckt, dass Planeten, die Sterne umkreisen, die masseärmer als unsere Sonne sind, dazu neigen, längere habitable Lebenszeiten aufzuweisen."


Einer der mit dem Modell der Forscher um Rushby untersuchten Planeten, Kepler 22b, hat demnach eine habitable Lebensdauer von 4,3 bis 6,1 Milliarden Jahre. Noch erstaunlicher ist aber die extreme habitable Lebenszeit des Planeten Gliese 581d von 42,4 bis 54,7 Milliarden Jahren.


Bis heute sei zwar noch kein planetarer Zwilling der Erde entdeckt worden, kommentieren die Forscher abschließend. Es sei aber durchaus möglich, dass es schon innerhalb von nur 10 Lichtjahren erdähnliche Planeten gibt. Diese jedoch direkt zu erreichen, würde (nach heutigem technologischen Stand) mehrere Tausend Jahre dauern. "Wenn wir also jemals die Erde verlassen müssen, so wäre der Mars die beste Wahl. Er liegt ziemlich nahe und wird auch noch dann innerhalb der habitablen Zone verweilen, wenn in rund 6 Milliarden Jahren die Lebenszeit unserer Sonne abläuft."


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Quelle: uea.ac.uk
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