Freitag, 25. Oktober 2013

Anthropologe und Bigfoot-Experte Dr. Jeff Meldrum kommentiert Ergebnisse und Schlussfolgerungen der Yeti-DNA-Analyse

Dr. Jeff Meldrum. | Copyright: J. Meldrum

Pocatello (USA) - Seit am vergangenen Sonntag die Ergebnisse einer DNA-Analyse von drei Haarproben, die angeblich von Yetis stammen sollten, veröffentlicht wurden und das Ergebnis zweier dieser Proben zwar nicht den "Schneemenschen" dafür aber einen möglicherweise heute noch im Himalaya lebenden direkten Nachfahren von Urzeit-Eisbären nachweisen konnten, wird dieses Ergebnis und vor allem auch die daraus ableitbaren Schlussfolgerungen kontrovers diskutiert (...wir berichteten 1, 2). In den USA gilt der Anthropologe und Anatom Dr. Jeff Meldrum nicht nur als ausgewiesener Experte für den Aufrechten Gang sondern auch als einer der anerkanntesten Vertreter einer naturwissenschaftlichen Erforschung der nordamerikanischen Variante des Yeti, wie sie in Kanada und den USA vornehmlich als Bigfoot und Sasquatch bekannt sind. Kurz vor der Ausstrahlung der zweiten Episode von "Bigfoot Files", die sich am kommenden Sonntag Bigfoot und Sasquatch annimmt, hat sich Meldrum zu den Ergebnissen der DNA-Analyse angeblicher Yeti-Haare geäußert.

Vor dem Hintergrund der sowohl in der Sendung, als auch von dem die Analysen leitenden Oxford-Humangenetiker Dr. Bryan Sykes darin selbst geäußerten Schlussfolgerung, dass es sich bei dem nun nachgewiesenen Nachkommen urzeitlicher Eisbären im Himalaya offenbar um den biologischen Kern des Yeti-Mythos handelt, erläutert Meldrum u.a. gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de":


"Ich befürchte, dass die Ergebnisse der Untersuchungen des Genoms von lediglich zwei Haarproben (aus der Himalaya-Region), die zudem auch noch aus fragwürdigen Quellen stammen, plötzlich und allgemein als die abschließende Erklärung für die gesamte Yeti-Frage akzeptiert wird, obwohl es sich dabei in Wirklichkeit um ein sehr komplexes Phänomen handelt.


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Man sollte zunächst beachten, dass der Yeti für die Sherpas eine Verkörperung des Geistes der Berge ist. In ihrer Vorstellung kann sich dieser 'Geist' in verschiedenen Formen manifestieren - als Bär, als menschenähnlicher Affe oder auch als einfacher Pilger. (Anmerkung d. GreWi-Red.: Im deutschsprachigen Kulturraum kann man diese Konzept wohl am ehesten mit dem Volksglauben an die Figur des Rübezahl vergleichen.)

Neben dieser mythologischen Vorstellung gibt es aber natürlich auch die physischen Beweise für die Existenz eines echten Lebewesens. Meine eigenen Untersuchungen einiger Fußspuren, die dem Yeti zugeschrieben wurden zeigen, dass viele dieser Spuren tatsächlich von Bären stammen. Der berühmte Bergsteiger Reinhold Messner hat schließlich auf dieser mehrdeutigen Grundlage seine Theorie aufgebaut, wonach der Yeti lediglich ein Bär ist.


Dr. Sykes Ergebnisse sind sehr interessant und heben die Rolle des Bären innerhalb des Phänomens erneut hervor. Ich glaube aber nicht, dass sie eine abschließende Antwort auf die Frage zulassen, ob es im Himalaya eine bislang noch unentdeckte Art von Menschenaffen gibt oder nicht.


Zumindest anhand meines Fachgebietes - hinterlassene Fußspuren - sind die besten Beweise für genau eine solche bislang unbekannte Menschenaffenart im Himalaya, die Spuren, die von der McNeeley-Cronin-Expedition (1972) im Arun Valley gefunden wurden."

- Damals entdeckte das Forscherteam um die beiden Biologen Edward Cronin und Jeffrey McNeely eines Morgens frische, affenartige und rund 23 Zentimeter große Fußspuren, die - von einem Bergrat hinunter kommend - um die Zelte des in nepalesischen Arun Valley aufgeschlagenen Camps verliefen. Zum morgendlichen Zeitpunkt der Entdeckung lag das Gelände, über das die Spur verlief, noch nicht im Sonnenlicht, weswegen die Spuren noch unbeeinträchtigt von Tauprozessen waren und sich deutlich u.a. ein abgespreizter großer Zeh abzeichnete.

Einer der von Edward Cronin fotografierten und abgegossenen (r.) Fußabdrücke. | Quelle: E. Cronin
Eine Untersuchung des durch die Spuren markierten Weges zeigte zudem, dass dieses Lebewesen einen recht steilen Hang hintergelaufen war, ohne sich dabei mit Vorderextremitäten abzustützen. Kurz: Die Spur glich der eines großen, aufrechtgehenden Menschenaffen bzw. Primaten. Ein Vergleich durch Dr. Georg Schaller, der für seine Naturstudien von Berggorillas bekannt ist, offenbarte große Ähnlichkeiten mit den Abdrücken dieser Menschenaffen. -

Rekonstruktion der von der McNeely-Cronin-Expedition entdeckten Fußabdrücke anhand von Fotos der Spuren und der von den Biologen genommenen Gipsabgüsse. | Copyright: Dr. Jeffrey Meldrum

"Anhand dieser und zahlreicher anderer mir vorliegenden Indizien und Beweise vermute ich, dass ein normalerweise auf Bäumen lebender Menschenaffe mit einem (wie bei den meisten Primaten) opponierbaren großen Zeh die bewaldeten Hochtäler des Himalaya bewohnt, gelegentlich die durch diese hindurch verlaufenden Pässe überquert und dabei Fußabdrücke im Schnee hinterlässt.


Der Yeti hat meiner Meinung nach nur soviel mit dem (nordamerikanischen) Sasquatch/Bigfoot zu tun, als dass es sich um eine andere bzw. weitere alte Art von Primaten handelt, die bis heute von der Wissenschaft nicht entdeckt und beschrieben wurde. Darüber hinaus unterscheiden sich die Beschreibungen von Sasquatch und ihre Fußabdrücke jedoch deutlich von denen des Yeti."




Dr. Jeff Meldrum ist Professor für Anatomie und Anthropologie an der Idaho State University und Mitkurator des Idaho Museum of Natural History. Seit seinem Studium an der Brigham Young University hat er sich auf die Fortbewegung von Wirbeltieren spezialisiert. Seinen Doktortitel erhielt er 1989 an der State University of New York mit einer Dissertation über die Anpassung der Füße afrikanischer Affen an das Laufen auf dem Boden und deren Auswirkung auf der Evolution des menschlichen aufrechten Gangs. Sein Interesse an der Erforschung von Sasquatch, Yeti und weiteren kryptiden Primaten begann 1996, nachdem er selbst frische Spuren in den südöstlichen Blue Mountains im US-Bundesstaat Washington untersuchten konnte. Meldrums Archiv von Abgüssen und Fotos entsprechender Fußspuren aus aller Welt ist das wohl umfangreichste Archiv zum Thema.

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