Mittwoch, 2. Oktober 2013

Blütenpflanzen 100 Millionen Jahre älter als bislang gedacht


Die mit konfokaler Laserrastermikroskopie erstellten dreidimensionalen Abbildungen von Blütenpflanzen aus der Kreidezeit. | Copyright: UZH

Zürich (Schweiz) - In Kernbohrungen aus der Schweiz haben Forscher die ältesten bekannten Fossilien direkter Vorfahren von Blütenpflanzen entdeckt. Die anschaulich erhaltenen Pollenkörner sind 240 Millionen Jahre alt und weisen somit darauf hin, dass sich Blütenpflanzen 100 Millionen Jahre früher entwickelt haben als bislang angenommen.

Wie die Forscher um die Paläontologen Prof. Peter Hochuli und Susanne Feist-Burkhardt von der Universität Zürich (UZH) aktuell im Fachjournal "Frontiers in Plant Science" (DOI: 10.3389/fpls.2013.00344) berichten, entwickelten sich Blütenpflanzen aus ausgestorbenen Pflanzen, die mit Koniferen, Ginkgos, Palmfarnen und Samenfarnen verwandt sind: "Die ältesten bekannten Fossilien von Blütenpflanzen sind Pollenkörner. Diese sind klein, robust und zahlreich und sind deshalb eher zu finden als Blätter oder Blüten. Eine ununterbrochene Abfolge von Funden versteinerter Pollen beginnt in der Unterkreide vor ungefähr 140 Millionen Jahren. Es wird allgemein angenommen, dass sich Blütenpflanzen ungefähr zu dieser Zeit entwickelt haben."


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Die Studie der Schweizer Wissenschaftler dokumentiert nun jedoch in zwei Kernbohrungsproben aus Weiach und Leuggern in der nördlichen Schweiz Pollen, die dem fossilen Pollen der ältesten bekannten Blütenpflanzen ähneln, aber 100 Millionen Jahre älter sind. Anhand des Fundes schlussfolgern die Forscher, dass Blütenpflanzen ihren Ursprung in der Untertrias, also vor 252 bis 247 Millionen Jahren, oder sogar in einer noch früheren Zeit hatten.


Schon zahlreiche frühere Studien hatten versucht, das Alter von Blütenpflanzen anhand molekularer Daten abzuschätzen. Dabei konnte bisher jedoch kein Konsens erreicht werden. Abhängig vom Datensatz und der Methode reichen diese Schätzungen von der Trias bis zur Kreidezeit. Altersschätzungen aufgrund molekularer Daten müssen typischerweise in fossilen Funden "verankert" sein, doch extrem alte Fossilien standen für Blütenpflanzen bisher nicht zur Verfügung.


Schon in einer früheren Studie hatten Hochuli und Feist-Burkhardt im Jahr 2004 unterschiedliche, doch eindeutig verwandte blütenpflanzenähnliche Pollen aus der Mitteltrias in Kernen aus der Barentssee südlich von Spitzbergen nachgewiesen. Die Proben der vorliegenden Studie wurden 3000 Kilometer südlich von den vorherigen Fundorten entdeckt. "Wir glauben, dass selbst sehr vorsichtige Wissenschaftler nun überzeugt sein werden, dass sich Blütenpflanzen lange vor der Kreidezeit entwickelt haben", erläutert Prof. Hochuli.


Erste Rückschlüsse darüber, wie diese primitiven Blütenpflanzen ausgesehen haben könnten, lassen sich aus den Fundorten ziehen: "In der Mitteltrias lagen sowohl die Barentssee als auch die Schweiz in den Subtropen, das Gebiet der Schweiz war jedoch sehr viel trockener als die Region um die Barentssee. Dies impliziert, dass diese Pflanzen eine breite ökologische Reichweite hatten. Die Pollenstruktur lässt vermuten, dass die Pflanzen von Insekten bestäubt wurden, am wahrscheinlichsten durch Käfer, da sich Bienen erst 100 Millionen Jahre später entwickelt haben."


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Quelle: uzh.ch
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