Freitag, 18. Oktober 2013

Erstes Teilergebnis der Oxford-Lausanne-Bigfoot-Studie: Im Himalaya lebt unbekannte Großbärenart


Archivbild: Eisbär. | Copyright: Hannes Grobe/AWI, CC-BY-SA 2.5

London (England) - Seit bald drei Jahren widmet sich das "Oxford Lausanne Collateral Hominid Project" (OLCHP) unter dem Oxford-Humangenetiker Dr. Bryan Sykes und dem Direktor des Naturkundemuseums Lausanne, Dr. Michel Sartori, der bislang aufwendigsten DNA-Analyse von Gewebeproben, die angeblich von Wesen wie Bigfoot, Sasquatch oder Yeti stammen. Während sich in den letzten Wochen und Tagen erste konkrete Informationen über die baldige Veröffentlichung eines Fachartikels zu den Ergebnisse der Analysen abzeichneten und sensationelle Entdeckungen versprochen wurden, steht dieser Fachartikel derzeit weiterhin aus. Jetzt hat sich Sykes jedoch erstmals zu einem Teilergebnis der Studie geäußert. Dieses belegt, dass zwei angebliche Gewebeproben des Himalaya-Yetis zwar nicht vom legendären Schneemenschen, dafür aber von einer bislang unbekannten Großbärenart stammen. Doch selbst beteiligte Forscher unterstreichen, dass mit dieser Entdeckung nichts über die Existenz oder Nichtexistenz des Yetis selbst gesagt werden könne.

Wie Sykes gegenüber Medienvertretern erläuterte, bezieht sich das besagte Teilergebnis der Studie auf zwei neuzeitliche Gewebeproben aus der Himalaya-Region. Genauer gesagt aus der westlichen Himalaya-Region Ladakh und dem 1.285 Kilometer östlich gelegenen Bhutan. Letztere Probe stammte aus den mumifizierten Überresten eines Wesens, das erst vor 40 Jahren von einem Jäger erlegt wurde. Bei der Probe aus Tibet handelte es sich um ein einziges Haar, das von einem Filmteam vor 10 Jahren an Ort und Stelle einer möglichen Yeti-Sichtung sichergestellt werden konnte.


Die hieraus gewonnen Genome verglich das Team um Dr. Sykes mit den Daten der GenBank und fand selbst zum Erstaunen der Wissenschaftler eine hundertprozentige Übereinstimmung mit der Gensequenz, die aus einem zwischen 40.000 und 120.000 Jahre alten Kieferknochen extrahiert werden konnte, der auf Spitzbergen gefunden und einem urzeitlichen Eisbären zugeschrieben wird. Der Kiefer selbst stammt wohl gerade aus jener Zeit, als sich Eisbären und ihre nahen Verwandten die Braunbären in zwei unterschiedliche Arten auftrennten.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Für den Umstand, dass eine solche DNA nun aus neuzeitlichen Gewebeproben aus dem Himalaya nachgewiesen werden konnte, liefert der Wissenschaftler verschiedene Erklärungsmöglichkeiten: Am wahrscheinlichsten sei es, dass es sich bei diesen Tieren um Hybride, also eine Mischung aus Eis- und Braunbären handelt, da die beiden Arten sehr nah miteinander verwandt und dafür bekannt sind, dass sie sich vermischen, wenn sich ihre Lebensräume überlappen. "Ich glaube zwar nicht, dass im Himalaya heute noch urzeitliche Eisbären leben, aber man darf schon darüber spekulieren, was dieses Ergebnis tatsächlich bedeutet", so Sykes. "Es könnte beispielsweise bedeuten, dass es im Hochgebirge des Himalaya heute noch Nachfahren jener Bären gibt, deren Vorfahr der urzeitliche Eisbär war. Es könnte aber auch bedeuten, dass es sich um eine in jüngerer Zeit entstandene Mischform zwischen Braunbären und den Nachkommen des Urzeit-Eisbären handelt." Gegenüber der BBC erklärte der Forscher: "Ich glaube, dass dieser Bär - den jedoch noch niemand lebendig gesehen hat - immer noch existieren und eine ganze Menge Eisbär in sich tragen könnte." Weitere Untersuchungen seien nun notwendig, um mehr über jenes Tier zu erfahren, von dem die beiden untersuchten Proben stammen.


Die Entdeckung stützt somit die Theorie des Bergsteigers Reinhold Messner, der als erster den Mount Everest ohne Sauerstoffmaske bestieg und sich seit einer eigenen unheimlichen Begegnung mit einem vermeintlichen Yeti in Tibet 1986 mit dem Mythos beschäftigt. Während seinen Nachforschungen stieß Messner auf eine 300 Jahre alte tibetische Beschreibung des sogenannten "Chelmo/Chemo" von dem angenommen wird, dass es sich um eine lokale Namensvariante des Yeti handelt. Bei diesem Wesen, so der Text, handele es sich um eine Bärenart, die in den unwirtlichen Bergregionen lebe. Seither ist sich zumindest Messner sicher, dass es sich bei dem Yeti um eine noch unbekannte Braunbärenart handelt und andersartige Schilderungen, die den klassischen Yeti als ein auf zwei Beinen aufrecht gehendes Wesen beschreiben, auf ausgeschmückte Fehldeutungen solcher Bären - etwa in aufgerichteter Haltung - zurückgeführt werden können.


Ob allerdings eine Bärenart tatsächlich die Vielzahl von Schilderungen über Sichtungen aufrecht gehender "Schneemenschen" sowie zahlreiche primatenartige Fußspuren erklären kann, bleibt fraglich: Der US-Bigfoot-Forscher Rhettman A. Mullis, Jr., der eng mit Sykes zusammengearbeitet hat, erklärte hierzu gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de": "Natürlich beziehen sich die Ergebnisse nur auf die beiden besagten Proben, von denen bislang lediglich vermutet wurde, dass sie vom Yeti stammen. Dieses Teilergebnis ist also weder in der Lage, die Existenz des Yetis, (der sich schließlich den Lebensraum mit dem nun nachgewiesenen Bären teilen könnte) zu beweisen noch sie zu widerlegen. Schließlich, das zeigt die Analyse, stammen diese konkreten Proben nun eben nicht von einem Yeti."


Auch Dr. Jeff Meldrum, Anthropologe an der "Idaho State University und einer der meist angesehen Bigfoot-Experten distanziert sich auf seiner Facebook-Seite von der Deutung, die Ergebnisse würden den Yeti als nichts anderes als einen Bären ausweisen: "Meine Sorge ist die, dass dieses (im Sinne eines Yeti-Nachweises) negative Ergebnis, das auf einigen möglicherweise zweifelhaften Haarproben basiert, nun als Allgemeinerklärung für das gesamte "Yeti-Phänomen" betrachtet wird. Ich selbst warte weitere Details ab, die in der Studie selbst veröffentlicht werden sollen."


Weitere Teilergebnisse der umfangreichen Analyse von mehr als 30 eingesandten Gewebeproben liegen bislang noch nicht vor. Ein Datum für die Veröffentlichung der Fachpublikation ist ebenfalls noch nicht bekannt. Eine dreiteilige TV-Dokumentation mit dem Titel "Bigfoot Files" wird am kommenden Sonntag, den 20. Oktober 2013, um 20.00 Uhr Ortszeit (also 21 Uhr MESZ) vom englischen Sender "Channel 4" ausgestrahlt (...wir berichteten). Ein den Analyseprozess begleitendes Buch (...wir berichteten) wird voraussichtlich im kommenden Frühjahr erscheinen.


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
US-Bigfoot-Forscher widerspricht Gerüchten um Ergebnisse der Oxford-Lausanne-DNA-Studie - plus erster Trailer der TV-Doku 16. Oktober 2013
TV-Sender gibt weitere Einblicke in Ergebnisse der Oxford-Lausanne-DNA-Studie zu Bigfoot, Yeti & Co 11. Oktober 2013
Verlagshaus Hodder: Oxford-Lausanne-DNA-Studie unter Dr. Bryan Sykes findet genetischen Beweis für die Existenz des Bigfoot 9. Oktober 2013
Wissenschaftliche Fachpublikation von Oxford-Lausanne-Studie zu Bigfoot- und Yeti-DNA und begleitende BBC-Dokumentation erscheint voraussichtlich noch in diesem Jahr 13. Mai 2013
Forscher verspricht erstaunliche Ergebnisse der Oxford/Lausanne-Bigfoot-Studie 7. August 2012
Oxford-Lausanne Collateral Hominid Project: Wissenschaftler wollen angebliche Gewebeproben von Yetis und Bigfoot untersuchen 23. Mai 2013



Bücher zum Thema

- - -

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: BBC, channel4.com
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE