Mittwoch, 23. Oktober 2013

Gen-Medikament reduziert negative Erinnerungen


Symbolbild: Genombasierte Identifizierung von Medikamenten. | Copyright: Universität Basel

Basel (Schweiz) - Anhand von humangenetischen Untersuchungen ist es Schweizer Wissenschaftlern gelungen, Moleküle zu identifizieren, die für Lern- und Gedächtnisprozesse wichtig sind. Zugleich konnten sie in einer Medikamentenstudie zeigen, dass eine der so entdeckten Substanz negative Erinnerungen reduziert. Dies könnte u.a. für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung, die durch schmerzhafte traumatische Erinnerungen gekennzeichnet ist, von Bedeutung sein.

Wie die Forscher um Prof. Andreas Papassotiropoulos und Prof. Dominique de Quervain von den Universitären Psychiatrischen Kliniken, der Fakultät für Psychologie und vom Biozentrum der Universität Basel aktuell in der Fachzeitschrift PNAS (DOI: 10.1073/pnas.1314478110) berichten, habe das Human-Genom-Projekt im letzten Jahrzehnt eine Fülle an Daten über die genetische Grundlage von Erkrankungen geliefert. Allerdings war bisher unklar, inwiefern dieses Wissen zur Entdeckung neuer Medikamente von Nutzen sein könnte - besonders zur Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen.


In ihrer großangelegten Studie haben die Schweizer Forscher nun die genetischen Grundlagen von negativen Erinnerungen beim Menschen untersucht; diese Gedächtnisform spielt bei Angsterkrankungen wie der posttraumatischen Belastungsstörung eine wichtige Rolle. In einer auf Gen-Netzwerken basierenden Analyse identifizierten die Forscher rund 20 Gene, die beim Erinnern von negativen Gedächtnisinhalten beteiligt sind.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Geleitet durch die Ergebnisse der genetischen Analysen, untersuchten die Wissenschaftler in einer doppelblinden, placebokontrollierten Studie eine Substanz, die an eines der zuvor entdeckten Genprodukte bindet. "Überraschenderweise handelte es sich dabei um ein bekanntes Antiallergikum. Die einmalige Einnahme dieses Medikaments führte zu einer signifikanten Reduktion der Erinnerungsfähigkeit von zuvor gesehenen negativen Bildern, ohne dass dabei das Gedächtnis für neutrale oder positive Inhalte beeinflusst wurde. Die Befunde könnten für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung von Bedeutung sein."


Somit konnten die Wissenschaftler mit dieser Studie erstmals zeigen, dass es mithilfe genetischer Untersuchungen am Menschen gelingt, Substanzen mit bis anhin unbekannten Wirkungen auf das Gedächtnis zu identifizieren. "Die rasante Entwicklung von innovativen genetischen Analysemethoden hat diesen neuen und viel versprechenden Ansatz ermöglicht", erläutert Papassotiropoulos. Nun planen die Wissenschaftler weitere Studien: "In einem nächsten Schritt versuchen wir, gedächtnisverbessernde Medikamente zu identifizieren und zu entwickeln", sagt de Quervain. Die Forscher erhoffen sich damit, neue Impulse für die dringend notwendige Entwicklung von besseren Medikamenten zur Behandlung von neuropsychiatrischen Erkrankungen liefern zu können.


Um den Entdeckungen ihrer Forschung zu konkreten klinischen Anwendungen zu verhelfen, haben de Quervain und Papassotiropulos dieses Jahr die Firma "GeneGuide AG" gegründet, die sich mit dem genombasierten Forschungsansatz auf die Entdeckung neuer Medikamente für neuropsychiatrische Erkrankungen spezialisiert. Dieser neuartige Ansatz stößt erwartungsgemäß auch bei der pharmazeutischen Industrie auf Interesse, da die Entwicklung von Medikamenten gegen neuropsychiatrische Erkrankungen, die vorwiegend auf Tiermodellen beruht, bisher enttäuschend verlaufen ist.


Inwiefern die Entdeckung auch auf andere und nützliche und positive Erinnerungen und zu deren Entfernung übertragen werden kann - ein Einsatzgebiet, an dem mit Sicherheit u.a Geheimdienste und ähnliche Institutionen interessiert sein könnten - geht aus der Studie noch nicht hervor.


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: unibas.ch
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE