Dienstag, 29. Oktober 2013

Orang-Utans planen ihre zukünftige Route und teilen diese ihren Artgenossen mit


Männlicher Orang-Utan. | Copyright: UZH

Zürich (Schweiz) - Die Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu antizipieren, wurde lange Zeit nur dem Menschen zugeschrieben. Tiere, so der Tenor, leben nur für den und im Moment. In jüngerer Zeit haben jedoch zahlreiche Experimente mit Menschenaffen in Zoos diese Vorstellung ins Wanken gebracht. Jetzt haben Schweizer Anthropologen nachgewiesen, dass auch freilebende männliche Orang-Utans ihre Reiserouten bis zu einem Tag im Voraus planen und dies auch und gezielt anderen Artgenossen mitteilen. Die Beobachtung der Forscher dürfte auch aus grenzwissenschaftlicher bzw. kryptozoologischer Sicht interessant sein.

Wie die Forscher um Carel van Schaik aktuell im Fachjournal "PLoS ONE" (DOI: 10.1371/journal.pone.0074896) berichten, rufen die männlichen Orang-Utans jeweils in die Richtung, in die sie gehen werden, um so Weibchen anzulocken und männliche Rivalen abzuschrecken.


Während frühere Untersuchungen allesamt an Zootieren durchgeführt wurden, überprüften die Schweizer Wissenschaftler in ihrer aktuellen Studie, ob auch freilebende Menschenaffen über diese Fähigkeit verfügen und folgten ihnen für mehrere Jahre im dichten tropischen Sumpfwald von Sumatra.


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"Orang-Utans durchstreifen den Wald meistens alleine, pflegen aber auch soziale Beziehungen", erläutert die Pressemitteilung der Universität Zürich und führt weiter aus: "Erwachsene Männchen stoßen manchmal laute Rufe aus, sogenannte 'long calls', um Weibchen anzulocken und Rivalen auf Distanz zu halten. Ihre Backenwülste wirken dabei als Trichter zur Schallverstärkung, wie bei einem Megafon. Die Weibchen kommen näher, wenn sie den Ruf nur schwach hören, um den Kontakt nicht zu verlieren. Die rangniedereren Männchen dagegen eilen davon, wenn sie den Ruf laut und klar in ihre Richtung vernehmen."



Das Orang-Utan Weibchen B hört den "long call" lauter und bleibt, wo es ist, während Weibchen A den Ruf schwächer hört und sich etwas annähert. | Copyright: UZH

"Am effizientesten wäre es also, wenn das Männchen genau in die Richtung ruft, in die es später gehen will", erklärt Carel van Schaik. "Wir haben dann effektiv beobachtet, dass die Männchen für mehrere Stunden in ungefähr dieselbe Richtung gingen, in die sie gerufen hatten."


Sogar der letzte Ruf vor dem Schlafnest zeigte oft die Wegrichtung für den nächsten Morgen an, die bis am folgenden Abend beibehalten wurde. Aus ihren Beobachtungen folgern Carel van Schaik und sein Team, dass Orang-Utans ihre Route bis zu einem Tag im Voraus planen. "Eine Richtungsänderung kündigten die Orang-Utans zudem häufig mit einem neuen, besser passenden Ruf an."


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Hinzu konnten die Forscher beobachteten, dass die anderen Orang-Utans am nächsten Morgen korrekt auf den Ruf des letzten Abends reagierten, auch wenn kein neuer Ruf ertönt war. "Unserer Studie macht deutlich, dass wilde Orang-Utans nicht nur im Hier und Jetzt leben, sondern sich die Zukunft vorstellen können und ihre Pläne sogar kommunizieren. In diesem Sinn sind sie uns damit wieder ein Stück ähnlicher geworden", so Carel van Schaik abschließend.

Hinweis d. GreWi-Redaktion: Die Erkenntnis könnte auch aus Sicht der Kryptozoologie von Interesse sein - wird doch gerade den angeblich in den nordamerikanischen Wäldern beheimateten "Waldmenschen" Bigfoot bzw. Sasquatch nicht nur Intelligenz, sondern immer wieder auch die Fähigkeit zu einfachen Formen der Kommunikation zugeschrieben.


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