Donnerstag, 24. Oktober 2013

Solarturmanlagen zaubern Lichterscheinungen an die Himmel


Mysteriöses Lichterspiel auf einem Urlaubsfoto? | Copyright/Quelle: Simon H. / grenzwissenschaft-aktuell.de

Saarbrücken (Deutschland) - Mitte September erreichte die Grewi-Redaktion eine Lesermail, in der uns Simon H. auf eine Foto aufmerksam machte, dass er gemeinsam mit seinem Vater aus dem Auto heraus in Spanien machte und ein zunächst tatsächlich merkwürdiges Phänomen am Himmel über der A4/E5 zwischen Carmona und Écija auch von Aug' aus beobachten konnten. Unsere Recherche ergab, dass es für das Phänomen jedoch eine gewöhnliche Erklärung gibt und es in ähnlicher Form wohl auch in Deutschland beobachtet werden kann.

Wichtig für eine erste Analyse und Bewertung der Aufnahme war, dass der Zeuge erklärt hatte, dass die kreuzenden Lichtmuster nicht nur erst später auf dem Foto, sondern bereits während der Fahrt mit bloßem Auge mehre Minuten lang beobachtet werden konnten - es sich also nicht um einen wie auch immer entstandenen Kameraeffekt handelte und sich zwischen Kamera und Landschaft auch keine Scheiben oder Sonnenschutzfolien befanden, als das Foto gemacht wurde.


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Kontrastverstärkte Version des obigen Fotos. | Copyright/Quelle: Simon H. / grenzwissenschaft-aktuell.de


 Detailvergrößerung. | Copyright/Quelle: Simon H. / grenzwissenschaft-aktuell.de

Auf den ersten Blick deutlich wurde der Umstand, dass das Lichtmuster einen sogenannten Moiré-Effekt aufweist. Dieser entsteht, wenn sich zwei - oder mehrere - entgegengesetzt zueinander ausgerichtete Raster überlagern. Beim Abfotografieren von gerasterten Bildern oder eines Bildschirms treten solche Effekte besonders häufig auf.


Irgendwo mussten sich also entsprechende Lichtreflexionen in großer Menge kreuzen. Ein Blick auf das Satellitenbild via "Google Maps" (s.f. Karte) erbrachte dann auch schnell und sehr anschaulich die Antwort auf das zunächst rätselhafte Foto: Es handelt sich um die von unzähligen Spiegeln reflektierten und auf einen zentralen Solarturm gelenkten Sonnenlichtreflexionen der beeindruckenden Solarturmkraftwerksanlage "Gemasolar", die entlang der beschriebenen Route liegt. Dessen mächtiger Solarturm und die großen Spiegel am Boden sind auf dem Foto sogar deutlich zu sehen.



Größere Kartenansicht



Luftbild der Gemasolar-Anlage. | Copyright: Torresol Energy, Free Art License

Die hier kreisförmig um den Solarturm angeordneten Spiegel bilden selbst schon ein sonnenblumenartiges Moiré am Boden und projizieren durch ihre Reflexion ein vergleichbares Muster an den Himmel.


Selbst auf der deutschen Wikipedia-Seite über Sonnenwärmekraftwerke findet sich ein Bild von "Gemasolar in Betrieb", das den Effekt zeigt. Je nachdem, wo sich der Betrachter befindet, scheinen sich die Lichtstrahlen zu kreuzen und bilden so komplexe Moiré-Effekte, wie auf unserem Leser-Foto.


Gemasolar in Betrieb. | Copyright: Ion Tichy, CC-by-SA 3.0, via Wikimedia Commons



 Ein weiteres "Lichtspiel" einer Solartumanlagen, hier am Beispiel des ersten Solarturmkraftwerk der Welt, der Anlage "PS10" nahe Sevilla in Spanien. | Copyright: SOLUCAR PS10, CC-by-SA 2.0



Auch in Deutschland können bei günstigen Bedingungen derartige Effekte beobachtet werden. Eine vergleichbare Solarturmanlage befindet sich nahe Jülich in Nordrhein-Westfalen. Hier haben erst kürzlich Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) auf dem Turm des Solarkraftwerks in Jülich eine neue Receiver-Testanlage in Betrieb genommen. In der Anlage reflektieren mehr als 2000 Spiegel das einfallende Sonnenlicht und fokussieren es auf einen Receiver am Turm. Dort wird die Sonnenstrahlung in Wärme umgewandelt.



 Luftbild des Solarkraftwerks in Jülich. | Copyright: DLR.de

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