Montag, 21. Oktober 2013

TV-Doku offenbart kaum Neues über die DNA-Analyse von angeblichen Yeti-Proben aus dem Himalaya


Szenenbild: Sykes bei der Begutachtung eines angeblich Yeti-Skalps, der jedoch – da er schon lange als Fälschung bekannt ist - nicht Eingang in die Analysen fand. | Copyright: channel4.com

London (England) - Im ersten von drei Teilen strahlte der britische TV-Sender "Channel 4" am vergangenen Sonntag die ersten Ergebnisse von neusten DNA-Analysen von Gewebeproben aus, die angeblich von mythischen Wesen wie Bigfoot, Sasquatch und Yeti stammen sollen. Geleitet wurden die Untersuchungen von dem Oxford-Humangenetiker Dr. Bryan Sykes, der sich gemeinsam mit dem Leiter des Naturkundemuseums Lausanne, Dr. Michel Sartori, der Analyse besagter Proben im Rahmen des "Oxford Lausanne Collateral Hominid Project" (OLCHP) gewidmet hatte. Schon Tage vor der Erstausstrahlung hatte Sykes bekannt gegeben, dass die beiden untersuchten Proben zwar keinem Yeti, dafür aber einer in der Himalaya-Region bislang eigentlich unbekannten Bärenart zugeschrieben werden konnten, deren Urahn ein urzeitlicher Eisbär war. Dieser Schlussfolgerung hatte die jetzt ausgestrahlte Sendung kaum weitere Information hinzuzufügen. Im folgenden Beitrag wollen wir jedoch kurz zusammenfassend noch einmal erläutern, dass dieses Ergebnis - im Gegensatz zu dem Credo, in das derzeit erwartungsgemäß die Massenmedien und Kryptozoologie-Skeptiker einstimmen - nicht gleichbedeutend damit ist, dass mit dem urzeitlichen Himalaya-"Schneebären" der Mythos Yeti erklärt wurde.

- UPDATE 22. Oktober 2013: Wir haben diese Meldung mit dem Video der Sendung aktualisiert. Sie finden dieses am Ende der Meldung...


Während Sykes und Team anhand der Proben aus der Himalaya-Region keine neuen Hinweise auf die Existenz des Yeti gefunden haben, offenbarte sich im Ergebnis der Analyse der beiden Gewebeproben aber dennoch eine sowohl zoologische als auch krpytozoologische Sensation: Noch bis vor 40 oder sogar 10 Jahren muss es im Himalaya eine bislang unbekannte Großbärenart gegeben haben, deren Genom mit einer Gensequenz aus dem Unterkieferknochen eines urzeitlichen Eisbären übereinstimmt, der 2004/2007 auf Spitzbergen gefunden und von den Wissenschaftlern auf ein Alter von 40.000 bis zu 130.000 Jahre datiert wurde.



Der Kieferknochen des auf Spitzbergen gefunden Urzeit-Eisbären. | Copyright/Quelle: Olafur Ingolfsson, University of Iceland

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Am wahrscheinlichsten sei es, so Skyes schon vor der Ausstrahlung der Sendung, dass es sich bei diesen Tieren um Hybride, also eine Mischung aus Eis- und Braunbären handelt, da die beiden Arten sehr nah miteinander verwandt und dafür bekannt sind, dass sie sich vermischen, wenn sich ihre Lebensräume überlappen. "Ich glaube zwar nicht, dass im Himalaya heute noch urzeitliche Eisbären leben, aber man darf schon darüber spekulieren, was dieses Ergebnis tatsächlich bedeutet", so Sykes. "Es könnte beispielsweise bedeuten, dass es im Hochgebirge des Himalaya heute noch Nachfahren jener Bären gibt, deren Vorfahr der urzeitliche Eisbär war. Es könnte aber auch bedeuten, dass es sich um eine in jüngerer Zeit entstandene Mischform zwischen Braunbären und den Nachkommen des Urzeit-Eisbären handelt." Gegenüber der BBC erklärte der Forscher: "Ich glaube, dass dieser Bär - den jedoch noch niemand lebendig gesehen hat - immer noch existieren und eine ganze Menge Eisbär in sich tragen könnte." Weitere Untersuchungen seien nun notwendig, um mehr über jenes Tier zu erfahren, von dem die beiden untersuchten Proben stammen. Sykes zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass die noch unbeschriebenen Bärenart heute noch im Himalaya lebt: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir zufälligerweise am zwei rund 1000 Kilometer von einander entfernten orten im Himalaya zwei Proben von den beiden letzten im Himalaya lebenden 'Schneebären' gefunden haben sollten. (...) jetzt müssen wir diesen Bären nur noch finden."

Erwartungsgemäß stürzten sich die Mainstream-Medien derzeit auf diese Meldung und verdrehten ebenso schnell deren eigentliche Aussage. So waren in den vergangenen Tagen etwa folgende Überschriften zu lesen: "DNA-Test zeigt: Yetis sind eigentlich braune Eisbären", "Yeti ist Kreuzung zwischen Eis- und Braunbären" und natürlich auch "Yeti-Rätsel gelöst!"...


Richtig ist jedoch: Die von Sykes durchgeführte Analyse könnte nur in einem einzigen Fall das "Yeti-Rätsel" lösen. Dieser Fall wäre dann gegeben, wenn das Team tatsächlich zufällig eine angebliche Yeti-Probe analysiert hätte, deren Genom bislang noch nicht bekannt wäre und die das Wesen, von dem die Probe stammt, einem etwa mannshohen Tier zuordnet, dass sich vornehmlich auf zwei Beinen fortbewegt und so mit den hunderten Zeugenaussagen für Sichtungen des Yeti übereinstimmt. Am ehesten käme für ein solches "Tier" demnach eine bislang unbekannte große Primatenart in Frage.


Diese Fall wird jedoch von Sykes Analysen schlicht und einfach nicht bedient. Der Umstand, dass die beiden Proben einem urzeitlichen Großbären geschrieben werden, besaget weder, dass es sich bei diesen Bären um den überlieferten Yeti handelt, noch, dass es das Wesen aus den Legenden und Beschreibungen von Augenzeugen nicht gibt.


Die Nicht-Existenz eines Kryptiden zu "beweisen" ist schließlich wissenschaftlich nicht möglich.


Auch Sykes machte dies in einem Interview mit der BBC deutlich:


 
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Schon 2001 untersuchte Sykes eine der beiden nun erneut analysierten Proben - es handelt sich dabei um ein einzelnes Haar, das ein Filmteam damals aus Bhutan mitgebracht hatte - kam jedoch damals zu dem Schluss, dass es "weder menschlich ist aber auch nicht von einem Bären stammt. Wir konnten bislang auch noch nichts Vergleichbares analysieren".


Skeptiker wie Professor William Laurance von der James Cook University im australischen Cairns, ließen sich aufgrund dieser Diskrepanz zwischen den einstigen und neuen Ergebnisse der Analyse dieser Probe auch nicht lange darum bitten, Zweifel an Sykes Methoden heraufzubeschwören: "Interessanterweise erzählte Skyes noch 2001 gegenüber dem 'New Scienctist', dass diese Proben nicht von einem Bären stammen. Es ist mir nicht klar, was sich seit damals verändert hat, sodass er seine Meinung diesbezüglich nun geändert hat."


Dem US-Krpytozoologen Loren Coleman (cryptozoonews.com) hingegen ist die Sache mehr als klar und er verdeutlicht: "Verändert hat sich eben der Umstand, dass zwischen 2001 und neun neuen Analysen (2012/13), um 2004/2007 der bis dahin älteste Knochen eines Urzeit-Eisbären gefunden wurde (mit dessen Material eine genetischen Analayse durchgeführt werden konnte)."


Gegenüber National Geographic kommentierte Loren Coleman nicht nur die genetische Entdeckung Sykes' sondern auch den absehbaren Effekt, den diese Meldung auf die Massenmedien haben würde wie folgt:


"Sykes Entdeckung könnte vielleicht die wichtigste Entdeckung der Kryptozoologie – also der Erforschung von verborgenen oder bislang von der Wissenschaft noch unbestätigten Tieren - der vergangen zehn Jahre sein. (...) Allerdings erklärt Sykes' Entdeckung nur eine Variante von Yetis, die bislang beschrieben wurden. Das ist eines der Probleme mit dem Wort 'Yeti'. Es ist ein Sammelbegriff für drei verschiedene Arten: Es gibt die kleine Art, einen etwa mannsgroßen Typus und dann noch eine noch größere. Ich selbst vermute, dass jene Proben, die Sykes untersucht hat, von der größeren Art stammt, von der viele Kryptozoologen selbst schon vermutet hatten, was es sich um eine Bärenart handelt."


Auch der britische Kryptozoologe Adam Davies (
extreme-expeditions.net) kommentiert die in der gestrigen ersten Folge der "Bigfoot Files" präsentierten Ergebnisse und deren Interpretation ebenso fasziniert wie zurückhaltend bis kritisch:

"Ich finde, das ist eine aufregenden Entdeckung. Aber es ist dennoch nur eine Art von 'Yeti'. Ich selbst habe Menschen in Nepal interviewt, die den Unterschied zwischen einem Yeti und einem Bären genau kennen. (...) Die anatomische Analyse, wie sie (zwar nicht von Sykes aber) vom Moderator der Doku vorgeführt wird, ist zudem sehr oberflächlich (Anm.d.GreWi-Red.: ...wie bei solchen TV-Formaten leider üblich, ganz gleich, welches Logo darauf prangt.). Die Erklärung etwa für den (von einer Bärenspur) abweichenden Zeh in den gefundene Yeti-Fußspuren war zudem gänzlich inadäquat. Auch die Analyse der (historischen) Aufzeichnungen war fehlerhaft. Ich selbst hatte mich dafür entschieden, der Dokumentation nicht zuzuarbeiten. Es gibt aber Aufzeichnungen über den Yeti, die Jahrhunderte älter sind (als die 300 Jahre alte Beschreibung des sog. 'Chelmo/Chemo', der in diesen als seltene Bärenart beschrieben wird), die einen "wilden Mann" beschreiben. Mit dieser Liste an Kritikpunkten könnte ich noch lange fortfahren. Ich halte Professor Sykes jedoch für einen ehrlichen und ehrenhaften Mann. Aus diesem Grund habe ich auch immer gesagt, dass man abwarten soll bis alle Ergebnisse (seiner Arbeit und Erfahrungen) vorliegen (Neben der TV-Doku, soll es einen Artikel in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift und ein Buch geben). Ich weiß, dass da noch einiges mehr kommen wird. Zumindest aber angesichts der bevorstehenden zweiten Episode halte ich persönlich jedoch nicht meinen Atem an. Sykes analysiert (nur) die Beweise, die er findet. Die aktuelle Entdeckung ist eine faszinierende Entdeckung. Aber sie ist eben nur ein Teil der Erklärung für den Yeti und nicht die ganze."


UPDATE 22. Oktober 2013
Die erste Folge von "Bigfoot Files" (The Yeti)

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Quellen: cryptozoonews.com, extreme-expeditions.net, channel4.com
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