Mittwoch, 16. Oktober 2013

Zeigen Rover-Aufnahmen keine Wassertropfen sondern flüssiges Metall auf dem Mars?

Eine Bilderserie von vielen zeigt vermeintliche Tropfen (s. Rahmen), die offenbar durch das Absorbieren anderer Tropfen zu wachsen scheinen und ein Landebein der Phoenix-Einheit am 8., 31. und 44. Marstag der Mission zeigen. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona/Max Planck Institute

Peking (China) - Aufnahmen der stationären NASA-Mars-Sonde "Phoenix" am 8., 31. und 44. Tag nach der Landung 2008 zur Erde übermittelt wurden, zeigen eindeutige Tropfenbildung auf den Landebeinen der Laboreinheit und sorgen seither für kontroverse Diskussionen um aktuell flüssiges Wasser auf dem Roten Planeten (...wir berichteten). Jetzt vermuten chinesische Wissenschaftler jedoch, dass es sich bei den Tropfen gar nicht um Wasser sondern flüssiges Metall handeln könnte.

Während mittlerweile viele Forscher Wasser als Erklärung für die Tropfenbildung auf den Phoenix-Landebeinen akzeptiert haben, offenbart diese bei näherer Betrachtung jedoch zahlreiche Probleme: So wiesen schon zu Beginn der Diskussion um die Aufnahmen einige Forscher daraufhin, dass die Marsatmosphäre selbst viel zu wenig Wasser beinhaltet, als dass sich dieser Tropfen durch Kondensation auf den Landebeinen gebildet haben könnten. Als NASA-Forscher dann entdeckten, dass "Phoenix" direkt auf einer verborgenen Eisschicht gelandet war (...wir berichteten), schien die Erklärung nahe zu liegen, dass die Landeraketen das Eis geschmolzen und verdampft hätten und sich dieses in der Folge auf den Landebeinen abgesetzt habe. Doch angesichts Temperaturen von etwa minus 70 Grad Celsius erschient vielen mittlerweile auch dieses Szenario eher unwahrscheinlich. Lediglich die Vorstellung, dass im Mars-Eis beinhaltete Verunreinigungen den Gefrierpunkt des Wassers reduziert haben, könnte die Erklärung, dass es sich hier um Wassertropfen handelt, die über den besagten Zeitraum größer zu werden schienen, aufrecht erhalten.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Wie Forscher um Jing Liu von der Tsinghua University in Peking aktuell in einem vorab auf "arXiv.org" veröffentlichten Artikel erläutern, vermuten sie hingegen, dass es sich nicht um Wasser sondern um ein Metall in flüssiger Form handelt, wie es auf der Marsoberfläche existieren könnte und das so auch für einige andere, bislang noch nicht vollständig erklärte geologische Merkmale verantwortlich sein könnte, von denen Wissenschaftler bislang vermuten, dass sie durch zumindest zeitweilig freiwerdendes flüssiges Wasser erzeugt werden (...wir berichteten, s. Links).


Tatsächlich gäbe es eine ganze Reihe in Frage kommender Metalle, die unter den Temperatur- und Druckverhältnissen auf dem Mars in flüssiger Form vorkommen könnten. So liegt beispielsweise der Schmelzpunkt von Quecksilber minus 39 Grad Celsius, einige Mischungen aus Natrium, Kalium und Caesium verflüssigen sich bei Temperaturen von rund minus 78 Grad und Quecksilber-Titanium-Legierungen werden bei minus 58 flüssig.



Detailaufnahme eines Tropfens auf dem Phoenix-Landebein. | Copyright: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona/Max-Planck-Institute

Wie der ArXiv-Blog (medium.com/the-physics-arxiv-blog) erläutert, haben Jing und Kollegen sogar das Verhalten von flüssigem Gallium mit einer den Phoenix-Landebeinen nachempfundenen Aluminiumverbindung untersucht. Hierbei habe sich gezeigt, dass Gallium das Aluminium korrodiert und das diese Interaktion dazu führt, dass sich das Gallium um den Kontaktpunkt herum ausdehnt. Genau diese Beobachtung könnte demnach erklären, warum die Bilder den Anschein erwecken, dass die Tropfen anwachsen.


Zugleich gibt das arXiv-Blogteam aber auch zu bedenken, dass es auch gegenüber der neuen Theorie bedeutende Kritikpunkte gibt: "Die Marsoberfläche ist stark oxidierend. Dieser Prozess hätte signifikante Auswirkungen auf flüssige Metalle wie Natrium oder Kalium, die beide hochgradig reaktiv sind. Wäre es also überhaupt möglich, dass entsprechende Verbindungen über Jahrmillionen hinweg ihre (flüssige) Form erhalten haben könnten, ohne chemisch zu reagieren?"


Zumindest die Forscher um Jing halten dies durchaus für möglich und verweisen auf den Umstand, dass besagte Metalle gerade durch die zunächst einsetzende Oxidation eine schützende Oberfläche bilden, die ein weiteres Durchrosten verhindert. Die Kontroverse um die Mars-Tropfen dürfte jedoch auch mit dieser Studie nicht beigelegt sein.


- Den vollständigen Artikel von Jing und Kollegen finden Sie HIER


WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA
Wahrscheinlich erstmals flüssiges Wasser auf dem Mars dokumentiert 18. Februar 2009
Modellberechnungen bestätigen: Auf dem Mars kann es auch heute noch flüssiges Wasser geben 22. Oktober 2012
Beweise für aktuell flüssiges Wasser auf dem Mars mehren sich 28. März 2012
Sonde entdeckt Spuren fließenden Wassers auf dem Mars 5. August 2011
Kein Wasser? - Frische Abflussrinnen auf dem Mars wahrscheinlich von Kohlendioxid verursacht 1. November 2010
Forscher finden Hinweise auf flüssiges Wasser auf dem Mars 14. April 2010
Forscher finden jüngste Schmelzwasser-Rinnen auf dem Mars 12. Mai 2009 

Forscher simulieren Entstehung neuer Abflussrinnen auf dem Mars 14. Februar 2009
Studie: Doch kein flüssiges Wasser auf Mars?
7. März 2008


grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: arxiv.org, medium.com/the-physics-arxiv-blog
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE