Mittwoch, 20. November 2013

Genom-Analyse: Frühe Menschen vermischten sich mit Neandertalern, Denisova-Menschen und einer noch unbekannten archaischen Menschenart


Rekonstruktion eines Neandertalers im Neanderthal Museum, Mettmann. | Copyright: Neanderthal Museum/H. Neumann, neanderthal.de

London (England) - Auf einem Treffen der Royal Society in London haben Wissenschaftler neuste Genom-Analysen von Neandertalern und Denisova-Menschen vorgestellt. Diese legen nahe, dass sich beide Arten deutlich stärker mit den modernen Menschen vermischt haben als bislang vermutet. Zudem fanden die Forscher Hinweise auf eine vierte beteiligte, jedoch bislang noch gänzlich unbekannte archaische und aus dem asiatischen Raum stammende Menschenart. Die Entdeckung rüttelt nicht nur am bisherigen Bild der Menschheitsgeschichte, sondern ist zugleich auch aus grenzwissenschaftlicher genauer gesagt kryptozoologischer Sicht interessant - kam eine erst kürzlich veröffentliche Gen-Analyse von Proben, die angeblich von dem nordamerikanischen Waldmenschen "Bigfoot" stammen sollen, doch zu einer ganz ähnlichen Schlussfolgerung.

Wie die Wissenschaftler um David Reich von der Harvard Medical School und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig

berichten, kam es zu der Vermischung der vier Menschenarten (Homo sapiens, Neandertaler, Denisova und der unbekannten Art) vor etwas mehr als 30.000 Jahren in jenen Gegenden Europas und Asiens, in denen sich die Lebensräume der vier Menschenarten überlagerten.

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Schon die erste Analyse der Genome von Neandertalern und Denisova-Menschen hatte revolutionäre Auswirkungen auf unser Wissen über die Vorgeschichte der Menschheit - zeigten sie doch auf, dass sich die beiden Arten mit den anatomisch bereits modernen Menschen vermischt und so zur heute existierenden genetischen Vielfalt beigetragen haben.


Alle Menschen, deren Vorfahren von außerhalb Afrikas stammen tragen demnach noch heute durchschnittlich etwa 2% Neandertaler-Gene in sich. Einige Populationen im ozeanischen Raum (bspw. auf Papua-Neuguinea und die australischen Aborigines, weisen rund 4% Gene jener Menschenart auf, die aufgrund des Fundortes ihrer Überreste - der Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge (...wir berichteten) - als Denisova-Menschen bezeichnet werden.


Diese ersten Analysen basierten jedoch noch auf der Grundlage von Genom-Sequenzen von geringer Qualität, die teilweise noch fehler- und lückenhaft war. Diesen Mangel konnten die Wissenschaftler jetzt beheben und präsentieren die Analyse der Genome von Neandertalern und Denisova-Menschen nun in einer Qualität, die mit Analysen des Genoms moderner Menschen vergleichbar ist.


Die neue Analyse des Denisova-Genoms legt demnach nahe, das die Denisova-Menschen sich sowohl mit Neandertalern als auch mit den Vorfahren jener Menschen vermischt haben, die heute in China und anderen Teilen Asiens und Ozeaniens leben, berichtet "Nature.com".


Zum Erstaunen der Wissenschaftler fanden sie aber auch Hinweise darauf, dass sich die Denisova vor rund 30.000 Jahren in Asien auch mit einer anderen, heute ausgestorbenen bislang jedoch gänzlich unbekannten archaischen Menschenpopulation vermischt haben, bei der es sich weder um die Vorfahren moderner Menschen noch um Neandertaler handelt.


Die Ergebnisse sind auch aus grenzwissenschaftlicher Sicht von Interesse, könnten sie doch auch ein neues Licht auf die Kontroverse um die Existenz von Wesen wie dem asiatischen Schneemenschen Yeti, den russischen Almasti oder auch den nordamerikanischen Waldmenschen Bigfoot und Sasquatch werfen.


Erst im vergangenen Frühjahr hatte die Veröffentlichung einer DNA-Analyse angeblicher Gewebeproben der mythischen Wesen durch ein Team um die Genetikerin Melba Ketchum zu bis heute andauernden Kontroversen um die Validität der Studie geführt
(...wir berichteten 1, 2, 3). Ketchum und Kollegen kamen damals zu dem Schluss, dass ihre Analysen die Existenz einer bislang noch unbekannten Art von Hominini (ein Tribus der Familie der Menschenaffen - Hominidae - der die Arten der Gattung Homo einschließlich des heute lebenden Menschen - Homo sapiens - sowie dessen ausgestorbenen Vorfahren beschreibt) beweisen kann.

Zusätzlich zu drei gewonnenen Kern-Genomen konnte Ketchums Team auch 20 vollständige und 10 teilweise Mitochondrial-Genome von Sasquatch-Proben sequenzieren. Im Gegensatz zu den Ergebnissen der Kern-DNA (nuDNA), stimmte die mitochondriale DNA (mtDNA) der Sasquatch vollständig mit der moderner Homo sapiens überein. Dies deutet für die Forscher daraufhin, dass es sich bei dieser Art um eine Hybridmischung aus modernen Homo sapiens mütterlicherseits und einem unbekannten homininen männlichen Vorfahren handelt. Bei den legendären Wesen Bigfoot bzw. Sasquatch handele es sich demnach also um einen Verwandten des Menschen, der vor etwa 15.000 Jahren aus einer Kreuzung zwischen dem modernen Homo sapiens mit einer unbekannten Primatenart entstand, so Ketchum.


Auch wenn Ketchums Vorgehen und insbesondere die Art und Weise der Publikation ihrer Studie (mehr oder weniger im Eigenverlag) bis heute dazu geführt hat, dass die Untersuchung in naturwissenschaftlichen Kreisen kaum beachtet oder gar als wertlos bezeichnet wird, zeigen die neuen Genom-Analysen von Denisova und Neandertalern doch zumindest, dass ein Szenario, wie es von Ketchum skizziert wird - also die Vermischung früher Homo sapiens mit noch unbekannten archaischen Menschenarten - durchaus im Bereich des Möglichen liegen könnte.


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