Mittwoch, 6. November 2013

Sternenfresser: Beobachten wir schon heute außerirdische Super-Zivilisationen, ohne es zu wissen?


Symbolbild: Doppelsternsystem (Illu.). | Copyright: NASA

Brüssel (Belgien) - In seiner Doktorarbeit hat der Systemtheoretiker und Kosmologie-Philosoph Clément Vidal die Vermutung geäußert, dass wir schon heute hochentwickelte außerirdische Zivilisationen beobachten, ohne dies jedoch bislang bemerkt zu haben. Bei bestimmten vermeintlich astronomischen Binär-Systemen, könnte es sich demnach in Wirklichkeit zum Teil um Konstrukte außerirdischer Super-Zivilisationen handeln, die sich der Energie ihres Zentralgestirns bemächtigen. Gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" benennt und erläutert Vidal exklusiv auch einige der aussichtsreichsten Kandidaten für die Suche nach derartigen "Sternenfressern".

Wie Clément Vidal von der Vrije Universiteit Brussel in seiner Arbeit erläutert, gibt es einige solcher Binär-Systeme, angesichts derer Astrophysiker große Probleme hätten, sie mit Hilfe konventioneller astrophysikalischer Modelle zu beschreiben.


Bei diesen Systemen handelt es sich u.a. um Doppelsterne, die sich jedoch derart nahe sind, dass die Roche-Grenze unterschritten wird, somit zwischen ihnen noch immer ein Energie-Materieaustausch stattfindet und die zudem einen auffallend unregelmäßigen aber nicht unkontrollierten Energiefluss untereinander aufweisen. "Für diese binären Systeme", so Vidal, "sollten neben astrophysikalischen auch astrobiologische Erklärungsmodelle herangezogen werden."


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Der Astro-Philosoph vermutet, dass die Energiemuster durch Zivilisationen erklärt werden könnten, die sich über die innerhalb der sogenannten Kardaschow-Skala als Typ-I-Zivilisation beschrieben Entwicklungsphase hinaus entwickelt haben und nun das gesamte Energiepotential ihres Zentralgestirns oder sogar ihrer Heimatgalaxie nutzen.


Bei der "Kardaschow-Skala" handelt es sich um eine schon 1964 von dem russischen Astronomen Nikolai Kardaschow vorgeschlagene Kategorisierung der Entwicklungsstufen extraterrestrischer Zivilisationen nach deren Energieverbrauch. Unsere eigene Zivilisation befindet sich derzeit noch knapp unterhalb der Grenze zum "Typ I", ab dem eine Zivilisation in der Lage ist, die gesamte auf einem Planeten verfügbare Energie zu nutzen.


Zivilisationen vom "Typ II" sind demnach bereits in der Lage, die Gesamtleistung ihres Zentralsterns zu nutzen - benötigen hierfür jedoch gewaltige künstliche Strukturen wie beispielsweise sogenannte Dysons-Sphären, um diese Energie auch zu ernten (...wir berichteten). Zivilisationen vom "Typ III" sind in der Lage, die Gesamtleistung ihrer gesamten Heimatgalaxie zu nutzen.


Vidal selbst geht davon aus, dass es alleine in unserer Milchstraßen-Galaxie etwa 2.000 solcher Zivilisationen gibt, die er in Anlehnung an den englischen Begriff für Pflanzen- bzw. Fleischfresser (herbivore bzw. carnivore) also "Starivores" - also Sternenfresser Sternenverzehrer bezeichnet.


Eine Möglichkeit Vidals Theorie zu überprüfen liegt in der Analyse des Energieflusses zwischen den beiden stellaren Körpern besagter Systeme. "Sollte es sich tatsächlich um das Ergebnis einer direkt von ihrem Hauptstern zehrenden Zivilisation handeln, so könnte sich dies durch Muster dieses Energieflusses abzeichnen, die sie durch physikalische Gesetzmäßigkeiten alleine nicht erklärt werden könnten."


Gegenüber "grenzwissenschaft-aktuell.de" erläutert der Wissenschaftler mögliche jetzt schon astronomisch bekannte Kandidaten Zivilisationen die ihre Sterne nutzen:

"Die von mir beschriebenen Zivilisationen könnten in verschiedenen Formen zu finden sein. Von den am wenigsten bis hin zu den am weitesten entwickelten Zivilisationen kann ich Ihnen im Folgenden einige Beispiele nennen:
1) Akkretion Weißer Zwerge
Diese kommt in drei unterschiedlichen Arten vor:

a) Ist die Akkretion (also das Anwachsen eines astronomischen Objekts) nicht magnetischer Natur, so handelt es sich wahrscheinlich um ein 'natürliches System'. Da sich jedoch auch unter nicht-magnetischen Weiße Zwerge Exemplare finden, die - wenn auch sehr viel schwächer - magnetisch sind und eine Vielzahl unterschiedlicher Formen des Akkrektionflusses aufweisen, könnten sich auch schon unter diesen Systemen potentielle Hinweise auf ferne Super-Zivilisationen finden lassen könnten. Ein gutes Beispiel hierfür sind sogenannte U-Geminorum-Sterne und damit einer Untergruppe der Zwergnova, die wiederum eine Unterklasse kataklysmischer Doppelsternsysteme darstellen.


Künstlerische Darstellung eines Zwergnova-Systems (Illu.). | Copyright: unbek.

b) Wird die Akkretion von einem schwachen magnetischen Feld vorangetrieben, so kann ein Weißer Zwerg durch magentischen Akkretion gespeist werden. Solche Systeme sind als sogenannte DQ-Herculis-Sterne (oder intermediären Polare) bekannt. 2011 wurden 36 solcher Systeme bestätigt.



Schematischer Aufbau eines DQ-Herculis-Sterns mit Materiestrom vom Begleitstern und Akkretionsscheibe, deren innerer Teil durch das Magnetfeld des Weißen Zwerges aufgelöst wurde. | Copyright: NASA

c) Wird die Akkretion von einem starken magnetischen Feld angetrieben, so bezeichnet man das Systeme als Polare bzw. AM-Herculis-Sterne. Ein typisches Beispiel ist der 1923 von Max Wolf Stern entdeckte und diesen Sternen namengebende 'AM Herculis'.



Doppelsternsystem mit Weißem Zwerg (in der Mitte der Scheibe) und Materiestrom (Illu.). | Copyright: STScI/NASA

2) Akkretion von Neutronennsternen

Hier bilden die sogenannten Röntgenpulsare sozusagen die Hauptverdächtigen bei der Suche nicht-physikalisch erklärbaren Mustern im Energiefluss. Ein typisches Beispiel ist die kompakte, pulsierende Röntgenquelle 'Centaurus X-3' im Sternbild Zentaur.


Schematische Darstellung eines Neutronenstern-Systems (Illu.). | Copyright: NASA


3) Schlussendlich ist die Akkretion von Schwarzen Löchern die vielleicht faszinierendste Möglichkeit. Allerdings gibt es hierzu bislang nur wenige bekannte Beispiele. Am verdächtigsten sind Schwarze Löcher, die eine veränderliche und nicht konstante Akkretionsrate aufzeigen.

Künstlerische Darstellung von Cygnus X-1 (Illu.). | Copyright: ESA/Hubble

Das Schwarze Loch 'V404 Cygni', das das Gas seines Begleitsterns stielt (s. Abb.) ist ein gutes Beispiel für einen Starivore-Kandidaten."

- Vidal hat seine Theorie der "Starivores" u.a. in seiner Doktorarbeit veröffentlicht, die Sie HIER finden (s. u.a. "Chapter 9"). Zudem wird bald im Springer-Verlag sein Buch erscheinen.


- Eine GreWi-Meldung zu früheren Ausführungen Vidals finden Sie HIER



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Quellen: clement.vidal.philosophons.com, arxiv.org
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