Mittwoch, 27. November 2013

Vererbte Emotionen? Nachkommen zeigen die Ängste ihrer Väter - ohne diese jemals gesehen zu haben

 
Archivbild: Mäuse. | Copyright: Israel PikiWiki, CC-by-SA 2,5

San Diego (USA) - Eine aktuelle, bislang jedoch noch nicht veröffentlichte Studie belegt, dass Eltern auch die Emotionen aus traumatischen Erlebnissen an ihre Nachkommen vererben können. Die Entdeckung scheint zunächst der traditionellen Vererbungslehre zu widersprechen, nach der eigentlich nur physische Merkmale durch biologische Vererbung von einer Generation an die nächste weitergegeben werden dürften.

Wie Virginia Hughes in der "Phenomena"-Kolumne auf "nationalgeographic.com" berichtet, wurden die ersten Ergebnisse der Untersuchungen an Mäusen durch Brian Dias vom Ressler Lab auf dem Jahrestreffen der Society for Neuroscience in San Diego vorgestellt.

Während bislang bereits bekannt war, dass Mütter traumatische und posttraumatische Syndrome auf biochemischem Wege, etwa über Stresshormone an Ungeborene und Säuglinge weitergeben können, zeigen Dias' Untersuchungen, dass es alleine die biochemische Verbindung zwischen Mutter und Kind nicht sein kann, durch die Emotionen an die Nachkommen weitergegeben werden.


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"Eltern übertragen Informationen an ihre Nachkommen schon lange, bevor diese überhaupt gezeugt werden", wird Dias zitiert. "Gewöhnt sich eine männliche Maus beispielsweise Angst vor einem bestimmten Geruch an, so scheint sich diese Angst auf irgendeine Art und Weise in ihr Sperma übertragen. Dadurch werden auch die Nachkommen vor diesem Geruch Angst haben und diese wiederum an ihre Nachkommen weitergeben."

Während eine solche Weitergabe von Emotionen aus evolutionärer Sicht durchaus Sinn mache, sei jedoch der Mechanismus, wie diese Angst übertragen wird, noch völlig unklar - zumal die Beobachtung sogar auch bei Nachkommen beobachtet werden kann, die durch künstliche Befruchtung der Weibchen entstanden und ihre traumatisierten Väter niemals zu Gesicht bekommen haben.

In ihren Experimenten trainierten die Forscher den Testmäusen Angst gegenüber einer bestimmten Art von Geruch an. Tatsächlich entwickelten die Versuchstiere in der Folge auch diese Angst immer dann, wenn sie den besagten Geruch wahrnahmen. Zudem konnten die Forscher eine Veränderung in der Anordnung der Neuronen in den Nasen der Mäuse feststellen, sodass besagte Tiere mit fortschreitenden Generationen zum einen mehr Geruchszellen entwickelten, die genau für den "angsteinflössenden" Geruch sensibel waren, zum anderen stellten sie fest, dass auch die Größe der sogenannten "M71 glomeruli"-Hirnregion zunahm, die u.a. für Reaktionen auf Gerüche verantwortlich ist.

"Wir sehen hier ganz klar angestammte Informationen", so Dias. "Doch wie kann das vor sich gehen?" Die Forscher selbst erklärten auf der Konferenz zwar, dass sie bislang noch nicht wissen, wie dies passiert, sie spekulieren aber, dass die Übertragung der Angstinformationen über das Sperma der Tiere laufen könnte. Schon frühere und unabhängige Studien an Katzen und Tauben hätten gezeigt, dass nach dem Riechen eines Geruchs, dessen Rezeptormoleküle in den Blutkreislauf gelangen können. Andere Studien wollen diese Rezeptoren auch in Spermien gefunden haben. "Vielleicht gelangen die Geruchsmoleküle also über den Blutkreislauf in das Sperma?" Eine andere Möglichkeit könne in kleinsten RNA-Molekülen - sogenannter microRNAs - liegen, die an der Genexpression beteiligt ist. Auch diese könnte über den Blutfluss Geruchsinformationen in das Sperma übertragen werden. Bislang, so Dias aber abschließend, seien beiden Hypothesen jedoch "reine Science-Fiction".

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Quelle: phenomena.nationalgeographic.com
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