Dienstag, 19. November 2013

Zerbricht der Komet ISON?

Aktuelle Aufnahme des Kometen ISON vom 14. und am 16. November 2013. | Copyright: Wendelstein-Observatorium / MPS

München (Deutschland) - Neue Aufnahmen des Kometen ISON (...wir berichteten) zeigen, dass der Schweifstern erneut sein Erscheinungsbild geändert hat. Ein oder mehrere Brocken könnten sich in den vergangenen Tagen vom Kern gelöst haben. Darauf deuten zwei flügelartige Strukturen in der Gasumgebung des Kometen hin.

Wie ein Team von Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS) und des Wendelstein-Observatoriums der Ludwig-Maximilians-Universität München berichtet, zeigen ihre neuen Aufnahmen des Kometen, die Ende vergangener Woche gelangen, zwei flügelartige Schweifstrukturen, die auf ein Ablösen einzelner Trümmer hindeuten, wie möglicherweise auch den jüngsten Helligkeitsausbruch des Kometen erklären könnte.


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Auf seinem Weg in Richtung Sonne hatte der Komet ISON viele Hobbyastronomen bislang enttäuscht: "Die Helligkeit des Schweifsterns, der die Sonnenoberfläche am 28. November in einem Abstand von nur gut einer Million Kilometern passieren wird, hatte nicht so stark zugenommen, wie zunächst erhofft. Ende vergangener Woche nahm nun die Strahlkraft von ISON sprunghaft zu, gleich mehrere Beobachter vermeldeten einen starken Helligkeitsanstieg", erläutert die Pressemitteilung des MPS.


Die Auswertungen zeigen zwei auffällige Strukturen in der Atmosphäre des Kometen, die flügelartig vom Kern ausgehen. Waren diese "Flügel" am 14. November noch recht schwach, dominieren sie die zwei Tage später aufgenommenen Bilder deutlich.


"Solche Strukturen treten typischerweise auf, nachdem sich einzelne Bruchstücke vom Kern eines Kometen abgelöst haben“, sagt Hermann Böhnhardt vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung.


Ebenso wie der Kern des aKometen spucken demnach auch seine Bruchstücke Gas und Staub ins All. Dort, wo sich die Emissionen des Schweifsterns und der kleineren Brocken treffen, entsteht eine Art Trennschicht, die oft eine flügelartige Gestalt annimmt. Ob das Abspalten der Bruchstücke auch für den Helligkeitsanstieg der vergangenen Tage ursächlich ist, lässt sich laut Böhnhardt "nicht mit Sicherheit sagen". Bei anderen Kometen sei ein solcher Zusammenhang jedoch nachgewiesen worden.


Mit bloßem Auge sind die flügelartigen Strukturen in den Aufnahmen nicht erkennbar, erst numerische Verfahren fördern sie in bearbeiteten Bildern zu Tage. Dafür durchforsten die Forscher die Gasumgebung des Kometen am Computer nach Helligkeitsänderungen. Der gleichmäßig helle Hintergrund der Kometenatmosphäre wird herausgerechnet und kann so die schwachen Strukturen nicht mehr überstrahlen. "Unsere Rechnungen deuten darauf hin, dass sich entweder nur ein Brocken abgelöst hat oder höchstens sehr wenige Trümmer freigesetzt wurden", sagt Böhnhardt.




Wie sich der Komet in den nächsten Wochen seiner Reise um die Sonne verhalten wird, ist noch unklar. "Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen jedoch, dass Kometen, die einmal Bruchstücke verloren haben, dazu tendieren, das wieder zu tun", so der Kometenforscher.

Wer ISON sehen möchte, findet ihn in den kommenden Tagen kurz vor Sonnenaufgang bei Blick an den östlichen Horizont im Sternbild Jungfrau. Hier wird er in den kommenden Tagen den auffallend hellen Stern Spica passieren und ist damit gut zu finden. Obwohl er schon mit bloßem Auge zu sehen ist, erscheint er ohne optische Hilfsmittel nur als heller Schmierstreifen. Deutlich beeindruckender ist der Anblick bei klarem Himmel dann aber schon durch ein Fernglas oder gar Teleskop. Sollte ISON rund um den 28. November tatsächlich auch bei Tageslicht zu sehen sein, ist bei seiner Beobachtung jedoch Vorsicht geboten, da er sich dann in großer Sonnennähe befindet und bei ungeschütztem Blick in diese Sonne Sehschäden drohen.


Passend zur Annäherung des Kometen an die Sonne steht jetzt auch eine kostenlose Live-App für Smartphones zur Verfügung. "Comet Watch" wird minütlich aktualisiert und weist dem Kometenfreund den Weg zum Kometen. Zusätzlich zu den neusten ISON-Daten ermöglicht die Mobilanwendung auch das Auffinden und Informationen von und zu Sternbildern, einzelnen Sternen, Galaxien, planetaren Nebeln und sogar zu Zielen der Suche nach Signalen außerirdischer Intelligenzen (SETI).

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