Mittwoch, 11. Dezember 2013

EU setzt auf natürliches Stevia contra genmanipuliertes US-Kunstprodukt


Steviapflanze. | Copyright: Kienle / uni-hohenheim.de

Hohenheim (Deutschland) - Während derzeit der US-Lebensmittelriese "Cargill" mit Hilfe von genmanipulierten Hefen künstliches Stevia, bzw. Steviolglykoside, herstellen und weltweit vermarkten will, unterstützt die EU derzeit ein Pilotprojekt deutscher Agrarwissenschaftler, die bis 2016 ein naturbelassenes Stevia-Süßungsmittel zur Marktreife bringen wollen und damit zugleich Landwirten, die bisher vom Tabakanbau lebten, eine neue Perspektive bieten.

Tatsächlich hat Cargill Großes vor: Mit dem neu entwickelten Herstellungsverfahren könnte eine einzige Fabrikhalle die gesamte derzeitige Stevia-Anbaufläche auf der Welt überflüssig machen. Zudem sei die Herstellung ist sehr kostengünstig, erläutert die Pressemitteilung der Universität Hohenheim: "Der Preis könnte von derzeit bis zu 180 Euro pro Kilogramm auf unter zehn Euro fallen. Bis 2020 will Cargill 20 Prozent der weltweiten Süßungsmittel-Nachfrage abdecken."


Stevia selbst, bzw. Steviolglykoside sind seit Ende 2011 als Lebensmittelzusatzstoff (E960) zugelassen. Zwar ist die durch ein chemisches Verfahren aus der ursprünglich aus Paraguay stammenden Steviapflanze (Stevia rebaudiana) gewonnene Süße ca. 200mal süßer als Zucker, macht aber - da sie keine Kalorien enthält - weder dick, noch verursacht sie Karies.


"Durch das neue Herstellungsverfahren (von Cargill) werden Stevioglykoside endgültig zu einem reinen Kunstprodukt ohne jeden Bezug zur Natur", erklärt Dr. Udo Kienle vom Institut für Agrartechnik der Universität Hohenheim. "Dabei legen 40 Prozent der Verbraucher wert auf naturnahe Lebensmittel." Als Gegenentwurf will der Forscher ein naturbelassenes, kalorienarmes Süßungsmittel aus dem Süßkraut Stevia rebaudiana zur Marktreife bringen.


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Mit 2,3 Millionen Euro fördert die EU das Forschungsprojekt "Go4Stevia", das einhergehend mit den 2014 auslaufenden EU-Subventionen für Tabakanbau auch den so betroffenen Landwirten eine Alternative bieten will: "Die Tabakpflanzer rund um das Mittelmeer müssen also zwangsläufig auf andere Produkte umsteigen, die einen ähnlich hohen Marktwert wie Tabak bringen", erläutert Kienle. "Stevia könne dieses Kriterium erfüllen und sei deshalb eine mögliche Alternative."


Wenn man einen Landwirt dazu bringen wolle auf eine andere Kulturpflanze umzusteigen, müsse man ihm verlässliche Ertragsprognosen liefern", erläutert der Forscher die Hintergründe des Projekts und baut aus diesem Grund schon seit vielen Jahren Stevia versuchsweise auf Feldern in verschiedenen europäischen Mittelmeerstaaten an und erfasst, wie hoch die Ernteerträge ausfallen und ob sie über die Jahre einigermaßen konstant bleiben.



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Diese Forschungsarbeiten werden in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen landwirtschaftlichen Tabakanbaukooperativen aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien durchgeführt. Dort soll ab 2016 der großflächige Anbau starten und die kalorienarme Natursüße auf Basis von Stevia rebaudiana hergestellt werden.


Zugleich muss aber ein neues Produkt für den EU-Markt sehr hohe Sicherheitsstandards einhalten. Dazu gehört u.a. der Nachweis über die gesundheitliche Unbedenklichkeit. "Ich bin mir zwar absolut sicher, dass Stevia harmlos ist, aber es fehlt eben noch der endgültige Nachweis dafür." Diesen Nachweis sollen nun Ratten in Laboren in Bologna und Posen liefern, die das naturbelassene Stevia-Süßungsmittel zu fressen bekommen. "Die Projektpartner untersuchen die Tiere hinterher auf Tumore und beleuchten, ob Stevia die Aufnahme von Vitaminen, Spurenelementen und anderen Mikronährstoffen hemmt", erklärt Dr. Kienle. Erst wenn die Wissenschaftler beides ausschließen können, ist die Unbedenklichkeit des Stevia-Süßungsmittels bewiesen.


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