Dienstag, 17. Dezember 2013

Funde bestätigen: Auch westeuropäische Neandertaler begruben ihre Toten


Nachbildung eines Neandertaler-Grabes im Neandertaler-Museum von La Chapelle-aux-Saints. | Copyright: Don Hitchcock

New York (USA) - Eine 13-jährige Untersuchung an Ausgrabungsfundstücken aus Südwestfrankreich kommt zu dem Schluss, dass auch die Neandertaler in Westeuropa ihre Toten begraben haben. Erste Bestattungen in Westeuropa fanden demnach schon vor der Ankunft der ersten anatomisch modernen Menschen (Homo sapiens) statt.

HINWEIS: In der ursprüngliche Version dieser Meldung war von einem Alter der Fossilien von "500.000 Jahren" die Rede. Dies ist natürlich nicht richtig. Korrekt ist eine Altersbestimmung der Neandertalerknochen von rund 50.000 Jahren. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.


Wie die Forscher um William Rendu vom Center for International Research in the Humanities and Social Sciences (CIRHUS) gemeinsam mit Kollegen des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung in Frankreich (CNRS) im Fachjournal "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS; DOI: 10.1073/pnas.1316780110) berichten, bestätigen die Funde nicht nur, die Existenz von Neadertaler-Gräbern in Westeuropa, sondern offenbaren zugleich auch eine vergleichsweise weit entwickelte Wahrnehmungsfähigkeit der Neandertaler als Grundvoraussetzung diese Gräber auch anzulegen.


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Fokus der Untersuchungen sind Neandertaler-Fossilien, die nahe La Chapelle-aux-Saints erstmals 1908 entdeckt wurden. Die gut erhaltenen Knochen führten schon Wissenschaftler im frühen 20. Jahrhundert zu der Annahme, dass es sich hier um ein "Gräberfeld von Vorfahren des modernen Menschen" handele. Lange Zeit galt diese Theorie jedoch als umstritten - behaupteten Kritiker doch, dass die Funde fehlinterpretiert wurden und es sich nicht um absichtliche Beisetzungen handele. Seit 1999 wurden vor Ort dann aber sieben weitere Höhlen untersucht und weitere auf Neandertaler-Skelette und Knochen von Tieren gefunden.


Während es zwar weder Funde von Grabwerkzeugen oder Grabungsspuren gab, zeigte eine geologische Analyse der Grube, dass diese kein natürliches Merkmal des Höhlenbodens war.



Blick in eine Grabhöhe von Neadertalern nahe La Chapelle-aux-Saints. | Copyright/Quelle: PNAS

Ein Vergleich der menschlichen Knochen mit den Tierknochen zeigte, dass erstere vergleichsweise wenige Risse, kaum Anzeichen von Verwitterung sowie von Tierfrass aufzeigen. "Diese relativ ursprüngliche Zustand der etwa 50.000 Jahre alten Knochen legt nahe, dass diese Menschen schon kurz nach ihrem Tode begraben wurden", erläutert Rendu. "Das wiederum legt die Schlussfolgerung nahe, dass die Neandertaler in diesem Teil Europas Maßnahmen ergriffen, um ihre Toten zu begraben."


Während aus den Funden nicht hervorgehe, ob diese Praktik rituelle oder eher pragmatische Gründe hatte, reduziere diese Erkenntnis ein weiteres Mal die Distanz zwischen Neandertalern und modernen Menschen.


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