Freitag, 6. Dezember 2013

Geoengineering ist keine Lösung für den Klimawandel


Im Zuge der Erderwärmung nimmt die Atmosphäre mehr Feuchtigkeit auf, sodass im globalen Kreislauf mehr Wasser transportiert wird. Daher nehmen auch Niederschläge zu. Das Bild zeigt einen Starkregen über der afrikanischen Savanne. | Copyright: Annett Junginger; imaggeo.egu.eu

Jena (Deutschland) - Was zunächst einfach klingt, hätte gravierend negative Folgen: Um den Treibhauseffekt in der Luft einzudämmen, erwägen manche Klimapolitiker, die Erde etwa mit gigantischen Spiegeln im All oder großen Mengen an zusätzlichen Schwebteilchen in der Atmosphäre vom Sonnenlicht abzuschirmen. Doch, die Erde künstlich zu kühlen, würde den Klimawandel nicht rückgängig machen. Zu dieser Schlussfolgerung kommen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Biogeochemie und stellen fest, dass sich auf diese Weise zwar bestenfalls die Oberflächentemperatur der Erde senken ließe, gleichzeitig würde sich aber der globale Wasserkreislauf drastische verändern.

Wie die Forscher um Dr. Axel Kleidon aktuell im Fachjournal "Earth System Dynamics " (DOI: 10.5194/esdd-4-853-2013) der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU)erläutern, haben sie berechnet, wie stark der globale Klimawandel den Wasserkreislauf beeinflusst und welche Auswirkungen Maßnahmen des Geoengineering auf ihn hätten. Demnach mache es für den Wasserkreislauf durchaus einen Unterschied, ob die Erderwärmung durch Sonnenlicht oder durch einen verstärkten Treibhauseffekt hervorgerufen wird.


Niederschläge sollten in einer wärmeren Welt zunehmen. Wenn die Erdoberfläche durch den anthropogenen Treibhauseffekt aufgeheizt wird, kann die erwärmte Luft mehr Feuchtigkeit halten. Dies sollte zu mehr Verdunstung, mehr Niederschlag, und damit zu einem verstärkten Wasserkreislauf führen. Aufgrund physikalischer Gesetze kann die Luft mit jedem Grad Erwärmung etwa sieben Prozent mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Die meisten Vorhersagen von Klimamodellen bestätigen eine damit verbundene Zunahme des Niederschlags, sie ermitteln allerdings nur eine Steigerung um etwa zwei Prozent pro Grad Erwärmung.


Die Gründe für diese Diskrepanz haben die Wissenschaftler um Kleidon und seinen Kollege Maik Renner aufgeklärt, in dem sie die Prozesse, die die Oberfläche erwärmen und abkühlen, aus thermodynamischer Sicht analysiert und damit die Energieflüsse bei diesen Vorgängen untersucht haben.


www.grenzwissenschaft-aktuell.de
+ + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Die Verdunstung spielt demnach bei der Erderwärmung eine Schlüsselrolle, weil sie viel Energie benötigt. Da das verdunstete Wasser aber auch in die Atmosphäre transportiert werden muss, haben Kleidon und Renner eine physikalische Grenze für den Transport in höhere Atmosphärenschichten in ihre Rechnungen einbezogen und konnten damit erklären, warum im Zuge des Klimawandels nur zwei Prozent mehr Wasser durch das Erdsystem transportiert wird. Demnach kann die Atmosphäre in verschiedenen Höhen unterschiedliche Mengen Feuchtigkeit halten. In Bodennähe speichert sie nämlich deutlich mehr Wasser als in höheren Atmosphärenschichten, in denen die Feuchtigkeit kondensiert. Bei der Erwärmung sei die Änderung dieses Unterschieds entscheidend dafür, wie stark der Wasserkreislauf mit der Erderwärmung angekurbelt wird.


Zugleich fanden die Forscher allerdings auch heraus, dass der globale Wasserkreislauf sich nur dann um zwei Prozent verstärkt, wenn der Temperaturanstieg durch einen stärkeren Treibhauseffekt verursacht wird Findet die Erwärmung hingegen durch mehr Sonneneinstrahlung statt, nimmt der globale Niederschlag ihren Berechnungen zufolge stärker zu. Denn die Sonne erwärmt die Erdoberfläche stärker und führt ihr mehr Energie zu, sodass mehr Wasser verdunstet.



Sollte der anthropogene Treibhauseffekt zu einer globalen Erwärmung von 5 Grad Celsius führen, so verstärkte sich den Rechnungen der Jenaer Forscher zufolge der Niederschlag um 11 Prozent (Sterne und roter Pfeil). Wollte man diese Erwärmung durch Abschirmung der Sonnenstrahlung kompensieren, nähme der Niederschlag jedoch stärker ab (blauer Pfeil). Daher ließe sich durch Geoengineering zwar möglicherweise die Temperaturänderung kompensieren, die Niederschlagsmenge würde im Vergleich zum heutigen Klima aber um fünf Prozent sinken. Eine kürzlich veröffentlichte Vergleichsstudie mit weitaus komplexeren Klimamodellen (Kreise) kommt zu ähnlichen Ergebnissen. | Copyright/Quelle: Axel Kleidon und Maik Renner / bgc-jena.mpg.de

"Diese unterschiedlichen Auswirkungen der Erwärmung sind leicht zu erklären", sagt Kleidon, und veranschaulicht die Situation mit einem Topf auf dem Herd. "Die Temperatur in dem Topf lässt sich erhöhen, indem man entweder einen Deckel darauf setzt oder die Herdplatte stärker heizt. Beides führt zu einer Erwärmung, bei einer hochgeheizten Herdplatte fließt aber mehr Wärme durch den Topf als durch einen Topf mit Deckel". Ähnliche Effekte finden in der Atmosphäre statt, wenn sie sich erwärmt: Ein stärkerer Treibhauseffekt entspricht einem dichteren Deckel, die Erwärmung durch Sonnenlicht dagegen dem Hochregeln der Herdplatte. Da mit einer stärkeren Sonneneinstrahlung jedoch mehr Wärme durch die Atmosphäre fließt, steigt die Verdunstung dabei stärker.


Diese Diskrepanz bei unterschiedlicher Erwärmung hat weitreichende Folgen. Frühere Studien zur globalen Klimaerwärmung unterscheiden meist nicht zwischen den beiden Gründen für die Erderwärmung. Kleidon und Renner zeigen dagegen, dass sich die verschiedenen Arten der Erwärmungen unterschiedlich auf den Wasserkreislauf und den Transport von Feuchtigkeit in höhere Atmosphärenschichten auswirkt.


Ihre Ergebnisse haben wichtige Konsequenzen für mögliche Interventionen durch Geoengineering: Manche der in diesem Zusammenhang diskutierten Maßnahmen würden darauf abzielen, der Erwärmung durch stärkere Reflektion von Sonnenlicht entgegen zu wirken. Zu dem Zweck müssten etwa Spiegel im Weltall positioniert oder Staubteilchen in oberen Atmosphärenschichten freigesetzt werden.


Die Wissenschaftler können nun jedoch zeigen, dass der Wasserkreislauf um zwei Prozent und der Vertikaltransport um acht Prozent sänke, wenn die Temperatur mithilfe des Geoengineering um zwei Grad gesenkt würde. Ähnliche Effekte wurden auch in einer anderen, gerade veröffentlichten Vergleichsstudie von Klimamodellsimulationen zum Geoengineering beschrieben. "Das wäre, als ob man gleichzeitig einen Deckel auf den Topf setzte und die Herdplatte reduzierte", erklärt Kleidon. "Während man in der Küche damit Energie sparen kann, führt Geoengineering im Erdsystem zu einer Verlangsamung des Wasserkreislaufs mit weitreichenden Auswirkungen."


grenzwissenschaft-aktuell.de

Quelle: mpg.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE