Freitag, 20. Dezember 2013

"Sag mal, betest du eigentlich?" - Kleine Studie über Jugendliche und das Gebet


Betende Jugendliche. | Copyright: Robert Broadie, CC-by-SA 3.0

Hildesheim (Deutschland) - Wann, wo und warum beten Jugendliche heute? Diesen Fragen ist eine Lehramtsstudentin am Institut für Evangelische Theologie der Universität Hildesheim auf den Grund gegangen und hat in einer kleinen empirischen Studie Jugendliche in Niedersachsen befragt - auf dem Dorf, in der Großstadt. Ein Ergebnis der Untersuchung ist: Selbst Jugendliche, die sich selbst als "Nicht-Beter" bezeichnen, konnten über Gebetserfahrungen berichten.

Wie Valentina Sieg in ihrer Masterarbeit berichtet, beten die befragten Jugendlichen besonders häufig bei Krankheit, Verlust oder wenn Probleme in der Familie, Schule, im Freundeskreis auftreten. "Die Stichprobe bietet eine Grundlage für weitere empirische Arbeiten zur Kinder- und Jugendtheologie", sagt Prof. Martin Schreiner.

"Das Gebet ist unter Jugendlichen kein typisches Gesprächsthema. Es fordert ein Bekenntnis ab, dass man in einer hochmodernen Welt eine Jahrtausend alte religiöse Praxis vollzieht", erläutert Sieg in ihrer Abschlussarbeit in der es u.a. um die Frage ging, ob das Gebet für Jugendliche heute noch von Bedeutung ist. "Ich habe in einer kleinen Stichprobe erfasst, wann, wo, wie häufig und in welchen Lebenslagen die Jugendlichen beten."

www.grenzwissenschaft-aktuell.de
  + + + HIER können Sie unseren täglichen Newsletter bestellen + + +

Untersucht hat die 23-Jährige das Gebetsverhalten von 120 evangelischen Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren. 60 Prozent kommen aus dem ländlichen Bereich in Niedersachsen, 40 Prozent aus der Stadt (Hildesheim). Von 120 Befragten gaben 76 an, dass sie regelmäßig beten; 44 beten nicht regelmäßig oder gar nicht.

Nur wenige der befragten Jugendlichen, beten demnach "wenn es ihnen gut geht, wenn sie sich bedanken möchte (3%)". 16 Prozent beten, wenn das Gebet im kirchlichen Bereich verortet ist.

Gründe für das Gebet seien etwa Wunscherfüllung, Danksagung und die Mitteilung von Gefühlen sowie Tradition ("In der Kirche, weil es üblich ist", "Weil Weihnachten ist..."). Als Gründe, warum sie nicht beten, geben die Jugendlichen an: fehlender Glaube an Gott und fehlende Erziehung (eine prototypische Aussage lautet "Meine Familie betet auch nicht, es wurde mir nicht beigebracht."). Einige der Befragten erleben eine "fehlende Wirkung" ("Das Beten ändert auch nichts.").

Bei Jugendlichen, die nicht regelmäßig beten, überwiegt als Gebetshandlung die Bitte (54%), gefolgt vom Dank. Die Befragten beten in erster Linie zu Hause oder in der Kirche. 39% der Befragten haben schon einmal im Religionsunterricht in der Schule gebetet.

Martin Schreiner, Professor für Evangelische Theologie/Religionspädagogik der die Masterarbeit betreut hat erläutert abschließend: "Zwar ist die Stichprobe nicht repräsentativ - aber sämtliche Forschungsmethoden wurden sauber angewandt. Die Studie bietet eine Grundlage für weitere empirische Arbeiten zur Kinder- und Jugendtheologie."

WEITERE MELDUNGEN ZUM THEMA

Ersatzreligion? - Stress und Furcht erhöht den "Glauben an die Naturwissenschaft" 14. Juni 2013
Gesamtschau zu Religion in Deutschland seit 1945: "Ein christliches Deutschland gibt es nicht mehr" 19. Februar 2013
Gott, Wissenschaft und Star Wars: Studie untersucht kindliche Weltbilder
20. Dezember 2012
Studie zu globalisierter Spiritualität
13. August 2012

grenzwissenschaft-aktuell.de
Quelle: uni-hildesheim.de
Copyright: grenzwissenschaft-aktuell.de
(falls nicht anders angegeben)


Für die Inhalte externer Links übernehmen wir keine Verantwortung oder Haftung.


WEITERE MELDUNGEN finden Sie auf unserer STARTSEITE