Freitag, 24. Januar 2014

Ausblick auf Lebensformen auf Jupitermond Europa?
 Tauchroboter entdeckt unbekannte Fauna- und Flora unter der Eisdecke des Rossmeeres


Eine bislang unbekannte Anemonenart lebt an bzw. unterhalb des Eisdecke des antarktischen Ross-Schelfeises. Ebenfalls auf der Aufnahme sichtbar: ein bislang gänzlich unbekannter Organismus, der an einer Anemone anhaftet. | Copyright: Dr. Frank R. Rack, ANDRILL Science Management Office, University of Nebraska-Lincoln

Columbus (USA) - Mit einem Tauchroboter haben US-Biologen an der Unterseite des Ross-Eisschelfs bislang unbekannte Tier- und Pflanzenarten sowie einen bislang gänzlich unidentifizierten Organismus entdeckt. Astrobiologen sehen in der Entdeckung einen Ausblick auf mögliche außerirdische Lebensformen, wie sie vielleicht auch im unter einer kilometerdicken Eisdecke verborgenen Ozean auf dem Jupitermond Europa existieren könnten.

Wie die Forscher um Marymegan Daly von der Ohio State University, Frank Rack und Robert Zook von der University of Nebraska-Lincoln aktuell im Fachjournal "PLoS One" (DOI: 10.1371/journal.pone.0083476) berichten, wurden das Biotop mit dem zylindrischen Bohr- und Tauchroboter SCINI (Submersible Capable of under Ice Navigation and Imaging) schon 2010 im Rahmen des antarktischen Bohrprojekts ANDRILL (ANtarctic geologic DRILLing) der National Science Foundation unter dem 270 Meter dicken Eispanzer des Ross-Schelfeises im Rossmeer entdeckt.


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Zum einen stieß SCINI auf eine bislang unbekannte Amenoenart, die – nach unten wachsend - an der Unterseite des Schelfeises wächst. Die auf den Namen Edwardsiella andrillae getauften opak-weißen Anemonen sind im kontrahierten Zustand 2,5 bis 3 Zentimeter lang, in entspanntem Zustand etwa um das Vierfache größer und besitzen jeweils 20 bis 24 Tentakel.



Detailaufnahmen der Anemonen unter dem Eis und einer entnommenen Probe.
| Copyright: Dr. Frank R. Rack, ANDRILL Science Management Office, University of Nebraska-Lincoln


Während die meisten bekannten Anemonenarten auf Felsen und Riffen leben, handelt es sich hierbei um die erste bislang entdeckte Anemonenart, die ausschließlich und allein auf bzw. im Eis existiert. Wie genau sich die Anemonen im Eis verankern, wie sie sich fortpflanzen und vor allem, wie sie den eisigen Temperaturen widerstehen ohne im Eis einzufrieren, ist den Forschern bislang noch ein Rätsel.


Darüber hinaus haben die Forscher mit SCINI auch eine Fischart entdeckt, die auf dem Rücken schwimmt und so die Unterseite der Eisdecke sozusagen als Boden nutzt. Hinzu fanden die Forscher Borstenwürmer und Flohkrebse


Weiterhin gänzlich rätselhaft ist noch immer ein bislang unidentifizierter Organismus, den die Forscher als "Eggroll" (Frühlingsrolle) bezeichnen. Dieser gleicht einem kleinen Zylinder und haftete an einer der Anemonen.



Der Bohr- und Tauchroboter SCINI im Einsatz. | Copyright: Dr. Stacy Kim, National Science Foundation

Der Erfolg des Bohr- und Tauchroboters SCINI hat auch die NASA auf den Plan gerufen, die die Entwicklung des Roboters derart vorantreibt, dass dieser sich auch durch noch dickere Eisschichten bohren und in noch größeren Wassertiefen navigieren kann, um so zukünftig vielleicht auch den Ozean unter der kilometerdicken Eisdecke des Jupitermondes Europa erkunden zu können.


Hier, so hoffen die NASA-Astrobiologen, könnte ein entsprechender Roboter auf ein ähnliches Ökosystem außerirdischen Lebens stoßen wie SCINI unter dem Ross-Schelfeis.



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Quelle: plosone.org, nsf.gov
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